Aufsatz 
Der Dom zu Limburg : eine historisch-architektonische Skizze / von L. Abt
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Das sehr schöne spätgotische Sakramentshäuschen an der Nordseite des Mittelschiffes wurde vollständig wiederhergestellt durch Neuanfertigung der Bekrönung der Mittelpyramide, der um dieselben gruppierten vier Evangelisten und einer grossen Anzahl von Kreuzblumen.

Ein ganz besonderes Interesse bot die im Winter 1873/7 4 vorgenommene Beseitigung der Tünche an den Wänden und Gewölben, unter welchen man merkwürdige Wandmalereien fand, die grossenteils getreu wieder hergestellt worden sind.

Im Allgemeinen freilich sind die tragenden Architekturteile ohne dekorative Farben gelassen worden; daher sind die Pfeiler, Dienste, Hauptgurtbögen in grünlich grauer Trachyt- farbe mit braunroten Fugen gehalten. Die Säulchen der Triforien und Emporen, welche teils aus schwarzem Schiefer, teils aus Trachyt bestehen, haben ihre wirkungsvolle, matt- glänzende schwarze Farbe wieder erhalten. An den Kapitalen fand sich keine Polychromierung, und nur der untere Ring und die umschlagenden Blattflächen erschienen vergoldet, sowie die Kämpfer blau und rot bemalt.

Bezüglich der Gewöôlbe sind die Rippen mit verschiedenfarbigen umschlungenen Bändern und anderen Schablonenmustern dekoriert, der Anfänger und Schlussstein dagegen in blauer Färbung und von einem schmalen Goldstreiſen eingefasst. Die Kappen haben die Farbe des Putzes und erscheinen mit palmettenartigen Ornamenten ausgefüllt, welche vom Schlussstein in die Kappenfläche hineinlaufen und durch einen mit dem Schlussstein konzentrischen Kreis eingefasst werden.

In den Gewölben des Mittelschiffes finden sich auch Darstellungen von Figuren, im östlichen Gewölbe die vier Ströme des Paradieses und die Erzengel Michael und Gabriel, und im westlichen Gewölbe die Darstellungen der Terra und Aqua(Erde und Wasser).

Die Wandflächen haben sämtlich die Farbe des Putzes erhalten, die Gurtbögen im Erd- geschoss und die Fenster der vierten Etage sind mit Blattverzierungen eingefasst und durch ein horizontales Blattornament ist die vierte Etage von der Triforienetage getrennt. Die Wulste und Hohlkehlen der Emporen und, Triforien, sowie die Leibungen der daselbst be- findlichen Bögen sind mit verschiedenen Mustern bemalt, deren Nannigfaltigkeit, trotz der wenigen dabei angewandten Farben, den Eindruck des Reichen und Vollendeten bewirkt.

Figürliche Darstellungen finden wir in den beiden Querschiffen, Johannes den Täufer, Samson, Maria Magdalena, Engelsfiguren u. a. Reicher und gleichmässiger durchgeführt ist der Figurenschmuck an den Emporen und Triforien des Mittelschiffes: ein Cyclus von Brustbildern, teils Apostel und Märtyrer, teils Propheten und Könige darstellend.

Hervorzuheben ist, dass diese Gemälde nicht als selbständige Kunstwerke gelten, sondern nur hervorragende Teile der Architektur besonders wirkungsvoll hervorheben wollen, was ja auch im allgemeinen der Zweck der Ausmalung unseres Gotteshauses sein sollte. Dem- entsprechend tragen diese Figuren den Charakter von Teppichmustern mit Lokalfarben und dunklen Conturen ohne Schattenangabe.

Von besonderer Bedeutung ist das Bildlüber dem Triumphbogen in der Vierung, Wwelches den thronenden Christus in der Mitte, zur Rechten den heil. Nicolaus, den Schutz- patron der Pfarrei und der Stadt, zur Linken den heil. Georg, den Schutzpatron des Stiftes darstellt. Beide Heiligen finden wir ausserdem an den östlichen Pfeilern des Nittelschiffes im Erdgeschoss dargestellt. Das erstgenannte Gemalde weist in der Zeichnung grosse Schönheit auf. Ausserdem ist hervorzuheben, dass die Heiligenscheine, der Thron Christi,