Noch umfassender waren die im Innern der Kirche vorgenommenen Veränderungen. Zunächst galt es, den grossen Raum der Querschiffe für den Gottesdienst zu gewinnen. Zu diesem Zwecke wurden die Chorschranken, welche die Querschiffe von der Vierung trennten, entfernt und zwischen den Chorpfeilern wieder aufgestellt; aus demselben Grunde wurde der Taufstein aus dem südlichen Querschiffe unter den nördlichen Portalturm versetzt und das Denkmal des Gaugraſen Konrad Curcipold in der Vierung vor dem Hochaltar auſgestellt.
Die alten Chorstühle wurden ihrer Oelfarbenhülle entkleidet, mit stilgerechten Rückwänden versehen und in die Absis verlegt, ein neuer bischöflicher Thron wurde an der Rückwand der Ostseite in der Achse der Kirche angebracht.
Während früher der Hochaltar in der Mitte der Absis stand, ist der neue Hochaltar zwischen den beiden östlichen Vierungspfeilern aufgestellt worden. Derselbe ist ein Doppel- altar, mit einer Mensa für den Pfarrdienst und einer solchen für den Chordienst. Die Stufen sind aus schwarzem Marmor; auf marmornen Säulen ruhen die beiden Mensä, über deren Mitte sich ein gut stilisirter, mit einem Doppelkreuze gekrönter Tabernakel erhebt. Auf beiden Seiten befinden sich zwei schwarze marmorne Säulen mit kerzentragenden Engeln. Kunstverständige finden diesen Altar, trotz schöner Formen, zu einfach und der Schönheit und dem Formenreichtum des ganzen Baues wenig entsprechend. Auch erscheint es uns wenig geziemend, dass die Mensa, welche in unmittelbare Berührung mit der Opferhandlung tritt, und der Tabernakel als Aufbewahrungsort des hl. Sakramentes aus dem minder werth- vollen Sandstein hergestellt sind, während die Stufen aus kostbarem Marmor bestehen.
Die Vierung wurde von dem Mittelschiffe und den Querschiffen durch eine niedrige, zu gleicher Zeit als Kommunionbank dienende Steinschranke mit Marmorfüllungen, abgeschlossen.
Ferner wurden folgende, dem Stil des Bauwerks nicht entsprechende Gegenstände aus dem Dome entfernt: zwei hohe zopfige Seitenaltäre an den beiden westlichen Vierungspfeilern, die Kanzel, der alte Hochaltar, die Rückwände und Verkleidungen der steinernen Tische der Seitenaltäre, das Orgelgehäuse, die schweren hölzernen Ballustraden der Emporen, die Beicht- stühle, die Kirchenbänke und alle sonstigen, die Architektur des Inneren stôrenden Zuthaten späterer Jahrhunderte; die notwendigen Kirchengeräte wurden durch stilgerechte ersetzt. Belassen wurden die wenig in die Augen fallenden Grabdenkmale. Unter diesen ist besonders zu erwähnen das Denkmal des Ritters Daniel von Mudersbach und seiner Gemahlin jutta von Bubenheim in der östlichen Kapelle des südlichen Querschiffes.(In der östlichen Kapelle des nördlichen Querschiffes ist im Jahre 1888 das von Professor Petry in Frankfurt a. M. meisterhaft ausgeführte Denkmal des um die ganze Diôzese, insbesondere auch um die Restaurierung hochverdienten, im Jahre 1884 verstorbenen hochseligen Bischofs Peter Joseph Blum aufgestellt worden).
An dieser Stelle können wir bezüglich der inneren Wiederherstellung nur bedauern, dass im allgemeinen die Altäre nicht der überaus schönen Architektur entsprechen, dass die Kanzel gleichfalls keine schönen Formen aufweist, und endlich, dass, bis auf wenige, die Fenster nicht in farbigem Glase gehalten sind. Ganz gewiss würden würdigere Altäre und eine stilgerechtere Kanzel den Eindruck der architektonischen Formen noch erhöhen und gemalte Fenster einen sehr wohlthuenden Farbenzauber über das ganze Innere verbreiten.


