Aufsatz 
Der Dom zu Limburg : eine historisch-architektonische Skizze / von L. Abt
Entstehung
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allmählich vermehrte, in der Stadt einzelne Wobnungen erhielten.(Die alten Stiftsbauten östlich vom Dome wurden im Jahre 1379 ein Raub der Flammen). Am Ende des Mittelalters befanden sich in der Stiftskirche und den zugehõrigen Kapellen 41 Vikarien an 33 Altären. Ihre Zahl wurde jedoch allmählich wegen mangelhafter Dotation verringert, bis sie im Jahre 1776 auf 8 herabgesunken war. Im jahre 1803 wurde durch den Reichsdeputationshauptschluss das Stift aufgehoben. Durch die Errichtung des Bistums Limburg(1827) wurde die ehemalige Stiſtskirche Kathedralkirche mit einem Domkapitel, bestehend aus einem Domdekan, fünf Domkapitularen, von denen drei zugleich je als Pfarrer von Frankfurt, Eſtville und Dietkirchen ausserhalb Limburgs residierten, und zwei Domyvikaren. Infolge der Neudotierung des Bistums (1860) residieren nunmehr alle Domherren in Limburg.

II. Architektonisches.

Der Stil, in welchem der Dom zu Limburg erbaut ist, wird der spätromanische oder der Uebergangsstil genannt, weil er den Uebergang aus dem romanischen Rundbogen- in den gotischen Spitzbogenstil darstellt, in welchem sich das Streben nach reicherer Gliederung und mannigfaltigerer Wirkung von Licht und Schatten kundgiebt. Es existiert unseres Wissens kein Bauwerk, in welchem die harmonische Verschmelzung dieser beiden Grundformen der mittelalterlichen Baukunst in so glücklicher Weise durchgeführt erscheint, wie der Limburger Dom). An ein von zwei Traven gebildetes Mittelschiff(7,84 m breit und 21,85 m hoch) und zwei Seitenschiffe(je 4,70 m breit und 6,30 m hoch), über welchen sich Emporen(5,25 m hoch) befinden, schliesst sich im Westen die von zwei mächtigen Türmen flankierte Portalanlage mit der Empore für die Orgelbühne, im Osten die Vierung(54,5 m lang und 35,4 m breit) mit den beiden Kreuzarmen und dem Chor. Die erstere krönt ein achteckiger Vierungsturm, während die Kreuzarme an der Nord- und Südseite mit je zwei kleineren Türmen eingefasst

) Der Name des Baumeisters, der den Plan entworfen und den Bau im Wesentlichen geleitet hat, ist der Nachwelt unbekannt geblieben. Nur sein Bild ist zur linken Seite des Hauptportals gegenüber dem des Stifters der Kirche angebracht, wie er auf einen Stab gestützt, von seinem Werke nuszuruhen scheint. Manche haben diese Stellung in dem Sinne zu deuten versucht, dass der Meister grosse Wanderungen, zumal in Frankreich. unternommen und dort, insbesondere in den Kathedralen von Noyon und Laon, die Vorbilder für seinen Prachtbau gesucht und gefunden habe. Der den brunkliebenden Franzosen zu nüchterne Uebergaungsstil ist dort nur wenig vertreten, während er in Deutschland, hauptsächlich am Rhein, schon frühzeitig auftritt, wie dies z. B. die Abtei-Kirche zu Maria-Laach, das Münster zu Bonn, die Kirche zu St. Quirin in Neuss beweisen, welchedunverkennbare Aehnlichkeiten mit unserem Dome haben.

Vel. indessen, was Knackfuss(Deutsche Kunstgeschichte, Bielefeld und Leipzig 1888, I., S. 206) über unseren Dom sagt:Eine ganz besondere Stelle unter den rheinischen Bauwerken dieser Zeit(Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts) nimmt die im Jahre 1235 eingeweihte Stiftskirche St. Georg(der jetzige bischöfliche Dom) zu Limburg an der Lahn ein. Diese Kirche ist eines der allervorzüglichsten Meisterwerke des gläuzenden spätromanischen Stils der Rheinlande, dessen bezeichnende Eigentümlichkeiten sie in allen Teilen zur Schau trägt. Sie ist mit Strebepfeilern und Strebebogen verschen, ohne dass dadurch die äussere Erscheinung wesentlich peeinflusst würde; denn das Strebewerk ist auf die wichtigsten Stellen beschränkt. Aber im Innenbau Zeigt sie eine so augenfällige Aehnlichkeit mit Werken der frühesten, noch auf einer vor- bereitenden Entwickelungsstufe befindlichen französischen Gotik, dass sie sich in diesem Sinne als ein wirkliches Denkmal des Uebergangs zum Stile des Nachbarlandes(d. h. des gotischen) darstellt.