wurden. Im 16. Jahrhundert schloss das Kapitel mit dem Bürger Jobann Scholl, Orgelbauer aus Köln, einen Vertrag ab, nach welchem derselbe gegen 50 Thaler bar, alle benötigten NMaterialien und freie Kost für sich und seine Frau und Kinder während der Dauer der Arbeit eine grössere Reparatur der Orgel vornehmen sollte. Ungefähr zwei Jahrhunderte später erhielt der Dom eine neue Orgel; denn das bei der letzten“ Restauration in einem neuen Gehäuse wieder aufgestellte Orgelwerk ist, wie eine in der Windlade befindliche Inschrift ausweist, im Jjahre 1761 von dem Hochfürstlich Darmstädtischen Orgelmacher Johann Christian Köhler, in Frankfurt am Main wohyhaſt, verfertigt worden.
Die von da ab beginnenden Restaurierungen des Domes waren, dem herrschenden Zeit- geschmack entsprechend, vollkommen stil- und geschmacklos, und waren weit davon entfernt, dem herrlichen Bauwerk zur Zierde zu gereichen. So liess im Jahre 1749 der Dechant Friedrich Dornuff, zugleich Dechant des Rural-Kapitels zu Dicetkirchen(unweit Limburgs) und Stadtpfarrer von Limburg, auf eigene Kosten, ca. 670 Rthlr., das ganze Innere der Kirche anstreichen, und zwar die Wandflächen rosa, die Gräte blau, wäahrend die Schlusssteine ver- goldet wurden. Dadurch wurden die alten Wandgemälde, von denen weiter unten die Rede sein wird, gänzlich überdeckt und zum Teile verdorben. Gleichzeitig wurden neue] Fenster
eingesetzt und der Mittelturm verankert.— Im Jahre 1766 erfolgte eine umfassende Reparatur des Aeusseren des Domes und der anstossenden Gebäude, wobei die Façaden— auch keineswegs zu ihrem Vorteil— einen vollständigen Kalkput- erhielten.
Am 16. April 1774, abends 9 Uhr, entzündete der Blitz den Vierungsturm, wobei ein Teil seines Daches und einer der kleinen Nordtürme abbrannten. Noch in demselben Jahre wurden beide Türme wieder hergestellt, wobei der Vierungsturm die gegen früͤher(vergl. die Ansicht von 1646 bei Merian) übermässig hohe Spitze erhielt. Bei dieser Gelegenheit’ wurde auch das Kirchendach über dem Langhause, das durch den Blitzstrahl gleichfalls gelitten hatte, gründlich repariert.
Im Jahre 1777 wurde an Stelle des schon erwahnten Ciborienaltars, welcher übrigens den ersten, wohl dem Stile des ganzen Baues entsprechenden Hochaltar ersetzt hatte, ein im Zopfstilt gehaltener Altar auſgestellt. Sieben Jahre später erhielt der ganze Chor einen neuen Anstrich'und teilweise eine neue Vergoldung.— Im Jahre 1830 wurde das Kapitelhaus an der Nordwestseite abgebrochen, im Jahre 1840 das ganze Innere der Kirche durch einen weissen Kalktünchüberzug entstellt, wobei sogar das wunderschöne gotische Sakramentshäuschen]nicht verschont blieb.— Im Jahre 1865 wurde das Aeussere des Domes vollendet durch Her- stellung der beiden Türmchen am südlichen Kreuzgiebel. Endlich wurde in den Jahren 1871 bis 1878 der ganze Dom einer gründlichen und durchaus glücklichen Restauration unterzogen, von welcher weiter unten die Rede sein wird.
In dieser geschichtlichen Skizze der St. Georgen-Stiftskirche müssen wir noch einiges über die an derselben den Dienst versehenden Geistlichen nachtragen. Wie oben erwähnt, war mit dem Bau der zweiten St. Georgen-Kirche ein Stift zum hl. Georg nach der Regel Chrodegangs für eine vita communis(gemeinsames, gleichsam klösterliches Leben), und zwar für 16 Chorherren errichtet worden. Die notwendigen Stiftsbauten schlossen sich an den östlichen Teil der Kirche an. Zur Zeit der Erbauung der dritten Kirche hörte auch in Limburg, wie meistens anderswo, das gemeinsame Leben der Kanoniker auf. Die Stiftsbauten kamen in den Besitz der Dynasten von Limburg, während die Stiftsherren, deren Zahl sich


