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¹ Ehe wir von der Volksſchule zu den Anſichten Tegnérs in Betreff des übrigen Schulweſens über⸗ gehen, wird, um ſeine Worte zu verſtehen, eine Vorbemerkung vorausgeſchickt werden müſſen. Das ganze Schulweſen in Schweden kann man nach ihm eintheilen in: die Volsſchule, die Elementarſchule, das Gymnaſium und die Akademie oder Univerſität. Die Grenze des Schwediſchen Volksſchulweſens iſt aus dem Vorhergehenden erſichtlich. An welchen Orten es die Verhältniſſe erlauben, geht die Zahl der Unterrichtsgegenſtände und das Ziel jedes einzelnen ſelbſtverſtändlich über das S. 15 berührte Nothwen⸗ dige hinaus. Unter Elementarſchule verſteht Tegnér alle höhern Schulen, Gelehrtenſchulen. Das Gym⸗ naſium, welches eine eigene Rangordung bildet, unterſcheidet ſich von dem unſrigen dadurch, daß es eine Mittelſchule iſt zwiſchen Elementarſchule und der Univerſität. Es entſpricht etwa dem Gymnasium illustre in Preußen oder auch den oberſten Claſſen unſerer Gymnaſien, iſt aber in ſeinem inneren Organismus nach Art der Univerſität eingerichtet, nur daß es keine akademiſchen Grade ertheilen darf. Es hat gewöhnlich zwei bis drei jährige Curſe, das Fachſyſtem, alljährlichen Wechſel des Rectors und der Claſſenführer. Lehrgegenſtände ſind: Theologie, Latein, Griechiſch, Hebräiſch, Franzöſich, Deutſch, Engliſch, Mathematik, Ge⸗ ſchichte, Geographie, Philoſophie, Elementarphyſik, Naturgeſchichte, Choralgeſang, Turnen, Zeichnen. Die Disciplinargeſetze ſind im Ganzen dieſelben wie an unſern Gymnaſien, der Wirtshausbeſuch ſtreng verboten. Auch beſteht bei Abgang der Schüler auf die Univerſität das Maturitätsexamen und zwar mit 4 Noten für wiſſenſchaftliche und moraliſche Haltung. Die Schulzeit nimmt etwas mehr als die Hälſte des Jahres ein: Herbſttermin vom Anfang October bis Mitte Dezember, Frühlingstermin von Ende Januar bis Hälfte Juni. Die Länge der Ferien hat darin ihren Grund, doß die Schüler meiſt weite Reiſen machen müſſen, um nach Hauſe zu kommen, und daß die Sommerhitze in den nrdlichen Gegenden ſehr drückend iſt. Jeder Biſchof⸗ ſprengel hat gewöhnlich ein Gymnaſium, welches ſich meiſtens am Biſchofſitze und mit der Elementarſchule in demſelben Lokale befindet. Das Stift Wexiö hat ſein Gymnaſtum und eine Elementarſchule zu Wexiö, zu Jöngköping aber blos eine Elementarſchule.— Die Realſchulen beſtehen entweder für ſich oder ſind mit der Elementarſchule als beſondere Claſſen verbunden und führen den eigenthümlichen Namen: Apologiſten⸗ ſchulen. Univerſitäten ſind in Schweden 2: Upſala und Lund.
Als Hauptbildungsmittel aller Schulen werden von Tegnér die Sprachen betrachtet. 2„Was iſt Sprache in Beziehung auf Menſchenbildung? Zuerſt und vorzüglich die nothwendige Bedingung derſelben, fürs Zweite ihr ſicherſter Maßſtab. Zuerſt ihre Bedingung; denn ohne das Vermögen der Sprache würde der Menſch ein Thier ſein; es gibt eigentlich keinen menſchlichen Begriff ohne Worte; die Sprache iſt die aus⸗ geſprochene Vernunft. Die Griechen bedienten ſich auch deſſelben Ausdruckes, wenn ſie Wort und Ver⸗ nunft bezeichnen wollten. Was man klar begreift, kann man ſtets ausdrücken, und umgekehrt weiſet jede Dunkelheit im Ausdrucke auf eine entſprechende Dunkelheit im Begriffe. Hieraus folgt, daß eigentlich alle Menſchenbildung, ſoweit man darunter Begriffsentwickelung verſteht, ohne die Sprache unmöglich iſt. Aber hieraus folgt auch zugleich, daß die ganze Bildung eines Volkes, gewöhnlich auch deſſen Eigenthümlichkeiten, alle Antlitzzüge ſeiner Seele ſich in der Sprache abprägen; und wiewohl jede Sprache, wenigſtens jeder Sprachſtamm, einen eigenen und urſprünglichen Charakter hat, ſo verändert ſich dieſer doch allmälig, je nachdem die Bildung des Volkes eine andere wird, entweder fortſchreitet oder zurückgeht. Hierdurch iſt die Sprache im Ganzen betrachtet der natürlichſte und untrüglichſte Maßſtab der Bildung eines Volkes, oder richtiger, ſie iſt die lebende Bildungsgeſchichte des Volkes. Aus dieſem Grunde muß es auch klar ſein, daß der Elementarunterricht auf die ſogenannten Realkenntniſſe weder beſchränkt werden kann, noch darf, ſondern daß auch Sprachſtudien, und daß dieſe ganz beſonders ihren Platz nicht bloß behaupten, ſondern auch for⸗ dern in der vorbereitenden Bildung, welche die gelehrten Schulen beabſichtigen.“ 1 Sprachſtudien ſſnd bildend auf doppelte Weiſe als Zweck und Mittel 1nfür das Kind durch Gramma⸗ tik, für den Jüngling durch Litteratur. Die Grammatik iſt ohne Zweifel als Denkübung betrachtet, eines der weſentlichſten Bildungsmittel in der Kindheit. Durch etymologiſche Analyſen gewöhnt ſich der junge Sinn nicht bloß Worte, ſondern zugleich auch Begriffe aufzulöſen, und durch die ſyntaktiſche Zuſammen⸗
1) Schwedens Kirchenverfaſſung und Unterrichtsweſen u. ſ. w. Ferner: Die Kirche und Schule u. ſ. w. Beilage. 2) Rede an der Schule zu Jönköping. 1827.


