Aufsatz 
Zur Theologie des Aeschylos / Georg Haupt
Entstehung
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unterricht, der von den Geiſtlichen beigebracht werde. Werde dieſer mit Klarheit, Einfachheit und Wärme ertheilt, ſo mache er manche andern Kenntniſſe entbehrlich. Erſtreckten ſich die Forderungen aber höher, ſo wie es jetzt gewöhnlich ſei, begehre man die Elemente der Geſchichte, Geographie, Statiſtik, Politik, Oekono⸗ mie, und was man ſonſt noch zuweilen treibe, wolle man mit einem Worte die Volksſchule nach und nach ausbilden zu einer Pflanzſchule für künftige Reichstagsmänner, ſo fordere ein ſolches Ziel, im Falle es über⸗ haupt je erreicht werden könne, zuvörderſt wenigſtens eine ſtehende Volksſchule in jedem Kirchſpiele, mit mehr oder minder theuer bezahlten Lehrern. Im Wexio⸗Stift laſſe ſich ſo Etwas wenigſtens nicht machen wegen lokaler Hinderniſſe. Die Bevölkerung ſei ſehr dünne, der Dörfer wenige, die Meiſten bewohnten ein⸗ zeln ſtehende Höfe. Wenn die Kinder nicht zur Schule kommen könnten, ſo müſſe indeß die Schule zu ihnen kommen und deßhalb bleibe glaublich noch Jahrhunderte lang der erſte Volksunterricht dort meiſtentheils auf wanderndem Fuße. Vorgenommene Aenderungen ſtießen auf unüberwindliche Hinderniſſe theils in der Ar⸗ muth des Volkes, theils in deſſen Vorurtheilen und Abneigung gegen Neuerungen. Die am meiſten auf den Reichstagen eifernden Bauern zeigten die geringſte Neigung zu Opferwilligkeit. Da Staat und Gemeinde keine Opfer bringen könnten, ſo bleibe die Volksſchule an den meiſten Stellen unvollſtändig, ge⸗ brochen und ungleich.

Aus dieſem kurzen Auszuge aus dem Berichte, den der Biſchof vor der im Jahre 1836 zu Wexiö verſammelten Synode vorgetragen, erſehen wir, daß er auch hier ſeinen auf das Praktiſche gerichteten Sinn auf eine erſtaunliche Weiſe bewährt. Dieſes unſer Staunen wird aber noch erhöht, wenn wir hören, daß er in ſeinem Referate nicht nur über die 26 in ſeinem Sprengel beſtehenden Volksſchulen aufs Genaueſte ſich verbreitet, ſondern daß er auch eie zu berühren und mit Freuden zu begrüßen nicht vergißt, deren Grün⸗ dung durch Anlage eines kleinen Kapitalſtockes erſt in Ausſicht ſtand.

Miit herzlicher Theilnahme erkennt er das Mühſame des Amtes der Elementarlehrer an und ebenſo herzliche Worte der Ermunterung hat er für dieſelben. 1Der Lehrer muß den gröhten Theil ſeiner froheſten Tage in langſamer Entſagung für Andere aufopfern; die Sorge begegnet ihm zum öfteſten in ſeiner armen Wohnung, und ſelten oder nie fällt der Sonnenſchein des Ruhmes auf ſeine vergeſſene Mühe. Es erfordert einen ſtarken Sinn, um nicht vor der Zeit bei dem ewigen Einerlei zu ermüden, was der erſte Unterricht mit ſich führt; es erfordert einen warmen Eifer für das Gute und eine feſte Ueberzeugung von der Wichtig⸗ keit ſeines Wirkens. Glaubt aber darum nicht, meine Brüder, daß Euer Werk ebenſo geringfügig ſei, wie es mühſam iſt. Es iſt wahr, wie das Gras wächſt, wie der Lehrer bildet, das merkt man ebenſo we⸗ nig hier, wie anderwärts, vielleicht auch noch weniger; aber auf den Schein wollen wir nicht achten, als Männer wollen wir für das Wirkliche arbeiten.

Wir können uns nicht enthalten, hier das Bild ganz mit den nämlichen Zügen wiederzugeben, das der ſchwungvolle Redner von dem Genlus des Kindes entwirft. Es iſt ein Gedicht mitten im Rahmen der Rede. ,Wollt Ihr wiſſen, Ihr Kleinen, wie der Genius des Schulkindes ausſieht? Er iſt weiß gekleidet, denn Weiß iſt die Farbe der Unſchuld, und der Genius des Kindes iſt unſchuldig. Aber ſein weißes Gewand iſt eine praetextata mit purpurrothem Saume; denn Roth iſt die Farbe der Schamhaftigkeit, und des Kindes Genius iſt ſchamhaft. Er ſteht da mit geſenkter Stirne, denn die geſenkte Stirne iſt das Symbol des Ge⸗ horſams, und des Kindes Genius iſt gehorſam. Und wenn er aufblickt, dann ſtrahlt Liebe nnd Vertrauen aus ſeinen Augen, denn des Kindes Genius glaubt blind an den, welchen er liebt und verehrt. Und in der einen Hand trägt er einen Griffel und eine Schreibtafel, denn des Kindes Genius iſt fleißig; und in der andern Hand eine Centifolien⸗Roſe, der Hoffnung Sinnbild, denn des Kindes Genius iſt hoffnungsvoll, und das Leben trägt Roſen und Dornen. Wenn ich ein gutgeartetes Schulkind vor mir ſehe, dann meine ich einen ſolchen Genius zu ſehen. Verdunkelt! entſtellt mir das Bild nicht! Es iſt mir theuer, es führt mich zurück in meine Kindheitswelt. 82

1) Rede am Gymnaſium zu Wexiö 1824. 2) Rede an der Schule zu Jönköping. 1836.