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ſeitige Unterricht iſt eigentlich auf Volksſchulen berechnet; in gelehrten Schulen muß er daher nur in dem Maß anwendbhar ſein, als der Unterricht elementariſch iſt. Es muß alſo einen Punkt geben, wo der wech⸗ ſelſeitige Unterricht von ſelbſt aufhört, aber dieſer Punkt ſcheint noch nicht in den unterſten Klaſſen zu liegen, beſonders in gewiſſen Lehrgegenſtänden. Die Methode hat allerdings ihre Vortheile. Sie erſpart zuerſt und vorzüglich Zeit für den Lehrer, welcher dadurch Gelegenheit bekommt, einen größeren Curſus durchzuge⸗ hen. Ferner muß auch der Schüler gewinnen; denn ſeine Zeit wird während der Lehrſtunden ſtets in An⸗ ſpruch genommen, der Bogen der Aufmerkſamkeit ſtets geſpannt erhalten, der Geiſt alſo in einem fort in einer gymnaſtiſchen Bewegung, von Anfang an daher gewöhnt, die eigenen Kräfte zu prüfen. Auch auf das Vornehmſte bei dem Menſchen, auf den Charakter und deſſen Entwickelung muß dieſe Methode heilſam wirken; denn die demokratiſchen Formen, welche ſie für Belohnung und Strafen eingeführt hat, vernichten allen Argwohn von Gewaltthätigkeiten oder Gunſt von Seiten des Lehrers, und keine Gerechtigkeit iſt und
wird ſo werth als die, welche man ſelbſt ausüben darf. Ich weiß, daß man mit dieſer ſo wie mit allen
andern Neuheiten viel Unfug getrieben hat; ich weiß, daß man ſie da, wo ſie ihrer Natur nach unanwend⸗ bar oder ſchädlich iſt, angewendet hat, aber wir wollen uns durch zufällige Mißbräuche nicht irre machen laſſen.—— Das Prinzip iſt das einfache, daß der Unterricht in gewiſſen Gegenſtänden unter mehrere Hände als die des Lehrers vertheilt gleichwohl ſtets unter deſſen unmittelbarer Aufſicht iſt. Dieſes iſt ja an ſich weder etwas Neues noch Ungewöhnliches. Iſt das Prinzip richtig und geprüft, ſo muß man darauf bauen, was man kann. Die Form muß doch ſteis auf dem Lehrer ſelbſt beruhen.“
Warnung vor Mechanismus. 1, Durch die Einförmigkeit, welche beſonders den Elementarunterricht begleitet, kommt man leicht in Gefahr, in den angenommenen Formen zu erſtarren, und in Gefahr des Mechanismus. Tritt der Mechanismus in ſolchem Amte auf, ſo wächſt todtes Fleiſch in dem lebendigen Organismus, und Wiſſenſchaft und Kunſt werden zum Handwerk.“ Mittel dagegen.„Um Nichts iſt es mir daher ſo ſehr zu thun, als daß der Lehrer ſelbſt ſich eine klare Rechenſchaft gebe über das Ziel und
den Umfang des Unterrichts, über die Anwendbarkeit und Unanwendbarkeit der Methode, zuſammengeſtellt
mit ſeiner eigenen Erfahrung, und daß er ſich im Allgemeinen eine Stimme erwerbe auf dem außerordent⸗ lichen Reichstage, welchen unſere Zeit fortwährend hält über die Angelegenheiten der Erziehung.“ ¹ 2„Das Geheimniß des Unterrichtes beſteht darin, daß man die Kräfte des Schülers zu denen des Leh⸗ rers legt, und der Jugend zutraut, auch auf ihre Hand etwas zu lernen. Für das Kind iſt die Lection genug, denn es darf nicht zu ſtark wachſen, und die Seele bedarf Ruhe, ſo wie der Körper.—— Aber der Jüngling iſt ſchon eine ausgebildete Natur, und an ihm wachſen die Flügel ſchnell, wenn er Luſt hat, ſolche zu bekommen; und für die Flügelloſen gibt es unglücklicherweiſe keine Flugmaſchinen. Deßhalb muß er zwar losgelaſſen werden, aber ſein Ausflug muß geleitet uud bewacht werden. Denn das oberflächliche, das zerſplitterte, das halbe Wiſſen nützt Keinem; die Sicherheit der Kenntniß iſt im Allgemeinen mehr werth als ihr Umfang;„multum, non multa,“ war die weiſe Regel der Alten. Sie iſt doppelt anwendbar in unſerer weitumhergreifenden Zeit, aber ſie kann auch gemißbraucht werden. Glücklich ſchätze ich daher den Lehrer, der den Umfang der Kenntniſſe erweitern kann, ohne daß die Tiefe derſelben vermindert wird.⸗ Wir gehen nun über zu Tegnérs Anſichten von der Volksſchule. Er ſtimmt in die in ſeinem Vaterlande allgemeine Klage ein, daß der Volksunterricht nicht ſei, was er ſein ſolle. Leider fehle es an vielen Orten an Gelegenheit, mit Sicherheit das Nothwendigſte zu lernen. Dieſes Nothwendige beſtehe vor Allem darin, daß das Kind mit Sicherheit buchſtabiren und ordentlich leſen lerne, auch etwas ſchreiben und rechnen für den, der es wünſche. Dieſes könne an ſehr wenigen Stellen geſchehen ohne einen angenommenen und geſchickten Lehrer. Dazu paſſe der Küſter am beſten. Es liege der Geiſtlichkeit ob, darauf zu ſehen, daß der Küſter nach dem Kirchengeſetze und dem Bedürfniß des Landes ſich mehr auf den Kinderunterricht als auf den Ackerbau lege, und wo dieſes ſich nicht machen laſſe, da müßten ambulatoriſche Schullehrer an⸗ geſchafft werden. Dieſes ſei das erſte Bedürfniß der Volksbildung. Das zweite ſei der Religions⸗
1) Rede an der Schule zu Jönköping 1827. 2) Rede am Gymnaſium zu Weriö. 1828. 3) Kirche und Schule Schwedens u. ſ. w. S. 134.


