Aufsatz 
Zur Theologie des Aeschylos / Georg Haupt
Entstehung
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verderblicher an. Der Menſch iſt ein Kind der Gewohnheit, oft deren Sklave. Gewöhnt er ſich nicht ſchon in der Schule an Ordnung, Regelmäßigkeit und Pünktlichkeit, ſo verlaſſen ihn dieſe Genien gewöhnlich für die ganze Lebenszeit. Im Kriege beruht der Sieg oft auf einem Augenblicke; der, welcher ihn verſäumt, verliert die Schlacht. Der Augenblick iſt der Gott des Glückes. Gewöhnt daher die Kleinen, ge⸗ wöhnt ſie durch Euer eignes Beiſpiel daran, auf die Stunde zu achten, ſie zu ſchätzen, ſie bei ihrem wie Blitz leuchtenden, aber auch wie er vorbeiſchießenden Schwingen zu ergreifen. Glaubt mir, Ordnung iſt die halbe Arbeit; verlierſt Du ſie, ſo verlierſt Du ſogleich das Geländer an der Brücke über dem Strome der Zeit. Was zu ſeiner Zeit, an ſeiner Stelle da iſt, das gedeiht und blüht ebendadurch. Was außer ihnen da iſt, das verwelkt und ſtirbt und der Wind führt ſeinen Staub hinweg.

Ein ſehr wichtiges Capitel für die Schule iſt endlich die Methode. Von einem Manne, welcher die Erziehung als einefreie Kunſtn betrachtet, dürfen wir nicht erwarten, daß er große Stücke auf eine diktirte Methoden hält. 1Methoden bedeuten beim Unterricht ſelten mehr, oft aber weniger, als die Uni⸗ form für das Kriegsheer. 2 Die rechte, die eigentlich lebendige Schulordnung liegt am Ende doch immer in der Bruſt des Lehrers ſelbſt. Erkennt er ſeinen Beruf von Grund aus, liebt er ihn, ſieht er deſſen Be⸗ deutung ein, dann werden die äußeren Vorſchriften für ihn nur, was ſie ſein ſollen, eine Anweiſung, aber nicht zur Sklaverei, ſondern zur Freiheit. 3Man hat in der letzten Zeit angefangen, viel(vielleicht zu viel) Gewicht auf die Methode zu legen. Die Methodiſten in der Religion behaupten, daß die Bekehrung auf einmal komme, in einem Augenblick, durch ein Wunder des heiligen Geiſtes. Und ungefähr auf dieſelbe Weiſe erwarten die Methodiſten in der Pädagogik, daß eine jede Methode Wunder thun und ohne weitere Bemühungen das Unterrichtsweſen neu geſtalten und verbeſſern werde. Gewiß beruht auch der gute Erfolg des Unterrichts weſentlich auf der Methode; aber es iſt nur ſchlimm, daß gerade das Weſentlichſte in der Methode ſelbſt das Leben und die Klarheit iſt, womit ſie aufgefaßt und ausgeübt wird. Eine jede neue Lehrart, die durch andere vorgeſchrieben wird, beginnt damit, den Lehrer ſelbſt in die Schule zu nehmen, und gewöhnlich macht er ſeine eigenen Studien hierin auf des Schülers Koſten. Zudem kann dieſelbe Methode, die in des Einen Hand vortrefflich iſt, in des Andern todt und unfruchtbar ſein; denn wie ſcharf auch das Schwert ſei, ſo beruht doch der Hieb hauptſächlich auf dem Arme, der es führt. Es gibt keinen ge⸗ ſchickten Lehrer, der nicht eigentlich ſeine eigene Methode hätte, die auf ſeine Gemüthsart, ſeine Erfahrung, auf die Art des Lehrgegenſtandes, auf die Perſönlichkeit des Schülers gegründet iſt. Eine jede Methode iſt für den Lehrer gut, inſofern ſie für ihn paßt, ſie iſt für den Schüler gut, inſofern ſie ſeine Aufmerkſamkeit weckt und wach erhält, und ihm Luſt zum Lernen beibringt. Die allgemeinen Vorſchriften hierüber können nützlich ſein als Anleitung zu freier Behandlung, aber nicht als beſtimmt anempfohlene Hand⸗ griffe. Es iſt mit der Unterrichtskunſt, wie mit der Poeſie: ſie hat ihre allgemeinen Regeln, denn ſonſt wäre ſie keine Kunſt; aber bei der Ausübung mußte von jeher eine Unendlichkeit von Verſchiedenheiten eintreten, denn ſonſt wäre ſie keine freie Kunſt. Und es iſt eine auf Erfahrung gegründete Wahrheit, daß man im Allgemeinen immer das am beſten und mit dem meiſten Erfolge ausübt, was man ſelbſt erfunden hat. Kurz, die Lehrart iſt wichtig, aber das allerwichtigſte davon, nämlich die Anwendung, kann nicht vorge⸗ ſchrieben werden. Es iſt recht, daß man ſich aneignet, was die Zeit in dieſer Hinſicht bietet. Und wie viel iſt nicht in den letzten Decennien geändert und verbeſſert worden! Ein jeder Unpartheiiſche erkennt dies mit Freuden. Wer aber glaubt, daß eine Lehranſtalt, hohe wie niedrige, durch eine vorgeſchriebene Veränderung in der Lehrart ſogleich wie neu geboren werden könnte, und daß dies vor allem Anderen die Hauptſache im ganzen Erziehungsſyſteme ſein ſollte, der kennt weder das menſchliche Gemüth, noch die Schule.

Die in Schweden in den meiſten Elementarſchulen eingeführte Methode des wechſelſeitigen un⸗ terrichts findet in Tegnér ihren Fürſprecher. 4,Hinſichtlich der Methode iſt der wechſelſeitige Unterricht, jedoch beſchränkt auf die gehörigen Lehrgegenſtände in der Schule(zu Wexiö) verſucht worden. Der wechſel⸗

1) Die Kirche und Schule Schwedens u. ſ. w. 2) Rede am Gymnaſium zu Wexiö. 1824. 3) Rede am Gymnaſium zu Wexiö. 1830. 4) Rede am Gymnaſium zu Werxiö. 1826.