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der Schüler ſein, wenn er nicht ſeines Lehrers geiſtiger Adoptivſohn iſt, wenn er nicht der Mündel des beſſern Verſtandes, des Wohlwollens, der Fürſorge deſſelben iſt? Aber das Band, welches das elterliche Haus verknüpft, iſt gegenſeitige Liebe, ſoll es wenigſtens ſein. Der Vater liebt ſein Kind aus natürlicher Liebe und ſeine Liebe äußert ſich durch ſeine Sorge für ſein Beſtes. Auf dieſelbe Weiſe liebt das Kind ſeinen Vater und ſeine Liebe beweiſt es auch durch Ehrfurcht und Gehorſam, und ſo ſoll es denn auch in der Schule ſein, die ja in ihrer urſprünglichen Bedeutung nichts anders iſt als das öffentliche, das erwei⸗ terte elterliche Haus, das der Staat errichtet hat nur mit mehreren Eltern und mehreren Geſchwiſtern, zmit einem Worte das Verhältniß zwiſchen Lehrer und Schüler muß hauptſächlich ein liebevolles ſein.“
Die erforderlichen Eigenſchaften des Lehrers faßt Tegnér kurz zuſammen. 1„Was fordert ein ſolcher Genius(des Lehrers)? Vieles: Kenntniſſe, Unterrichtsgabe, Liebe zur Jugend, Eifer für ſeinen Beruf, Ord⸗ nung in Allem.“—*
Was das von gewiſſer Seite her befürchtete Zuvielwiſſen der Lehrer betrifft, ſo theilt er dieſe] Furcht nicht. 2„Zuviel kann kein Lehrer wiſſen, wohl aber kann er zuviel von ſeinem Reichthume mittheilen wollen und dadurch die jungen Gemüther ermüden oder verwirren. Was Horaz von den Schriftſtellern im Allge⸗ meinen verlangt:„Scribendi recte sapere est, et principium et fons,“ das gilt auch in ſeinem ganzen Umfange hinſichtlich des Unterrichts.„Recte informandi sapere est et principium et fons.(Aeußerſter Grund iſt und Quelle des Unterrichts tüchtiges Wiſſen)⸗ und ein Wiſſen, ſo weit ausgedehnt, ſo tief, ſo klar und ſo geordnet als möglich.— Es iſt eine ſehr gewöhnliche Meinung, daß man nicht beſonders gelehrt zu ſein braucht, um die Elemente zu lehren, aber in einer jeden Sache ſind die Elemente nicht nur das Wichtigſte, ſondern in mehr als einer Hinſicht das Schwerſte. Der, welcher das Ganze einer Wiſſenſchaft nicht überſieht, kennt auch in der eigentlichen Bedeutung des Wortes ihre Elemente nicht, weil er nicht weiß, was ſie in ſich tragen, was aus ihnen bervorwächſt.“
3„Der Lehrer muß für das Kind der Unfehlbare, der Unergründliche, für den Jüngling der überle⸗ gene, der in ſeinem Fache ausgezeichnete Mann ſein. Iſt das Vertrauen in dieſer Hinſicht einmal dahin, oder auch nur erſchüttert, ſo öffnet ſich ein Spielraum für den Leichtſinn der Jugend, deſſen Ausſchweifungen Niemand berechnen kann. Da erwacht der Eigendünkel, da iſt alle Ordnung aufgelöſt und die Lehranſtalt, deren Lebensprinzip Ehrfurcht und Vertrauen zum Lehrer iſt, wird in ihren innerſten Grundlagen erſchüttert.“
Neben dem Vertrauen iſt Ordnung die Grundlage der Schule. 4„Es war ein ordnender Geiſt, welcher die Welt aus dem Chaos emporhob; ohne Ordnung würde ſie in daſſelbe zurückgeſunken ſein. Die Ordnung iſt ein⸗ für allemal beſtimmt. Die Naturgeſetze ſind die Paragraphen in dieſer großen Ordnungs⸗ beſtimmung und kein Neichstag hat noch das Grundgeſetz der Welt verändert. Wie nach dem Glockenſchlage fährt die Sonne mit ihrem Wagen dahin und ihr habt wohl nie gehört, daß der Mond ſich verſchlafen hätte. Das Thier weiß ſeine Zeit, ſollte der Menſch ſie denn nicht wiſſen? Nimmſt Du den Zeiger von der Uhr hinweg, ſo geht die Zeit wohl voran, aber Du weißt doch nicht, welche Zeit es iſt. Keine Zeit reicht aber für Denjenigen aus, der ihrer nicht achtet. Sein Leben iſt eine Kette aus ewigem Verſchie⸗ ben, aus Verſäumniß und Unordnung gebildet, und ſtets kommt er zu ſpät, außer in— ſein Grab. Dieſe Wahrheit beweiſt ſich im Leben und in allen ſeinen Beſchäftigungen, aber inſonderheit gilt ſie für die Schule. Es iſt bedeutungsvoll, daß die Geſetze für den Unterricht die Schulordnung genannt werden. Dadurch wird darauf hingewieſen, daß Ordnung deſſen Grundlage und höchſte Bedingung iſt. Mangelnde Ordnung, Verſäumniß, Nachläßigkeit ſind hier noch nachtheiliger als anderwärts und dies aus mehreren Urſachen.— Eine verlorne oder mindeſtens ſehr abgekürzte Unterrichtsſtunde iſt indeſſen nicht der einzige, nicht einmal der größte Verluſt, ſondern die Vorſtellung, die durch des Lehrers Beiſpiel ſich beim Kinde bildet, nämlich daß die Zeit, welche er ſo unbeachtet bingehen läßt, doch nicht ſo wichtig ſein müſſe, und daß man Ordnung und Pünktlichkeit ungerügt aus den Augen ſetzen könne. Dieſe Vorſtellung ſehe ich für weit
¹) Rede an der Schule zu Jöngköping. 1836. 2) Rede am Gymnaſium zu Werxiö. 1830.
3) Ebendaſ.
4) Rede an der Schule zu Jöngköping. 1836.


