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Trieb iſt bei ihm zum Bewußtſein verklärt und er braucht nicht blind zu wählen. Keiner kann Meiſter in Allem werden; aber um es in Einem zu werden, iſt es nothwendig, daß man ſich nach allen Seiten hin umſehe, ſowie der Feldherr nicht bloß den Kampfplatz, auf welchem er ſiegen will, unterſucht, ſondern auch deſſen Nachbarſchaft.“ Ferner werde jede Freiheit mißbraucht; beruhe die Wahl auf dem Knaben, ſo wiſſe man, daß er Alles ſcheue, was ihn Mühe koſte; beruhe ſie auf den Eltern, ſo ſeien auch hier Mißgriffe zu erwarten. Auch ſpreche gegen die Lernfreiheit der Umſtand, daß ſie ein Syſtem von Ausnahmen in die Schule einführe, welches verderblich ſei.„Endlich hat die Erfahrung längſt gelehrt, daß Befreiungen von einem oder mehreren Lehrgegenſtänden im Allgemeinen ſchädlich ſind und faſt ſtets ihre Abſicht verfehlen. Die Befreiten bleiben natürlich unkundig in dem, was ſie nicht lernen; aber ſie bringen es auch ſelten weiter als die übrigen in dem, was gemeinſam vorgetragen wird. Ihre Freiſtunden ſind alſo verlorene Stunden und der Lehrer kann nicht dafür ſtehen, wie ſie zu Hauſe angewendet werden. Der Umfang der Kenntniſſe wird alſo verringert, ohne daß er an Tiefe und Gründlichkeit gewinnt.“
2um aber die Bildung im wahren Sinne des Wortes zu erreichen, müßten Schule und Haus im rechten Verhältniß zu einander ſtehen. Ein jeder dieſer Erziehungsorte müſſe die Mängel des andern er⸗ ſetzen, das Haus, die natürliche Stätte der vollſtändigen Erziehung, im Gefühle ſeiner Schwäche in intellek⸗ tueller Beziehung habe die Schule als Ergänzerin gegründet, und die Schule, welcher zur moraliſchen Bil⸗ dung direkt Nichts zu Gebote ſtehe außer der Disciplin, welche nur ein Strafgeſetz ſei, bedürfe der Erziehung des Hauſes zur moraliſchen Bildung ihrer Schüler.„Das Haus iſt das Herz der Erziehung, die Schule aber das Haupt derſelben.— Die weſentlichſte Aufgabe der Erziehung ſei daher die, ſoviel als ſich thun läßt, das Haus und die Schule zu vereinigen. Da nun eine ſolche Vereinigung niemals vollſtändig erreicht werden kann, weil das Haus in die Schule aufzunehmen nicht möglich iſt, ſo bleibt kein anderer Ausweg übrig als der, daß das Haus in der Schule vollſtändiger repräſentirt werde als bisher möglich geweſen iſt. Die mehreren Verſuche, welche bisher gemacht worden ſind, innerhalb und außerhalb unſers Vater⸗ landes durch häusliches Zuſammenleben(Contubernien) und Einrichtungen der Art, um das elterliche Haus und deſſen genauere Aufſicht näher darzuſtellen, ſind alle großen Schwierigkeiten unterworfen.“
In Bezug auf einige Mißgriffe in der häuslichen Erziehung leſen wir die ernſten Worte: 3„Weſſen bedarf das Kind? Was iſt es, was dem Menſchen in ſeiner Bruſt nützt, ihn entwickelt und bildet? O dies iſt, ſoviel ich weiß, die Arbeit und das, was aus ihr hervorgeht, beſtimmtes Wiſſen, Selbſtſtändigkeit in Kopf und Herzen und der nöthige Ernſt für die ernſten Verhältniſſe des Lebens. Das Kind bedarf keines andern Umganges als den im häuslichen Kreiſe, mit ſeinen Schulkameraden, mit den lebenden Leh⸗ rern und den großen Todten. Es bedarf keines andern Tanzes als der Gymnaſtik, keines andern Kinder⸗ balles als des geiſtigen, der täglich innerhalb der Schule aufgeführt wird.— Will das Kind ſchon Jüng⸗ ling ſein, ſo will der Jüngling Mann ſein und der Mann wird zum Greiſe vor der Zeit. Glaubt mir, nicht durch ein frühreifes Geſellſchaftsleben, nicht durch Theezirkel werden einſt der Staat oder die Kirche oder auch nur die Gewerbe ihre beſten Mitglieder erhalten; im Gegentheile hieraus entſteht gerade und in tauſendfacher Anzahl ein oberflächliches, nichtsthuendes Geſchlecht, welches vorzeitig gezeugt wenig verſteht, aber um deſto kecker über die höchſten Fragen der Menſchheit abſpricht— ein ſeichtes Geſchlecht ohne Muth und Selbſtſtändigkeit und Haltung, Windfahnen am Schiffe des Tages, Drohnen der bürgerlichen Geſellſchaft, die nutzlos leben und ruhmlos ſterben.“⸗
Begleiten wir nun den Ephorus in die Schule ſelbſt. Wie verlangt er, daß das Verhältniß zwiſchen Lehrer und Schüler ſein ſolle. 4„Das Verhältniß zwiſchen dem Lehrer und Schüler bei einer Unterrichts⸗ anſtalt ſoll ſein wie das zwiſchen Vater und Sohn im elterlichen Hauſe. Und was ſoll der Lehrer ſein, wenn er nicht des Schülers geiſtiger Vater iſt, wenn er nicht die Stelle des Vaters vertritt, wenn er nicht ſeiner Seele, ſeines Herzens, ſeiner ganzen Bildung Vormund iſt? Und was ſoll auf der andern Seite
1) Rede an der Schule zu Jöngköping. 1830. 2) Rede am Gymnaſium zu Werxiö. 1828. 6) Rede an der Schule zu Jöngköping. 1836. 4) Rede am Gymnaſium zu Werxiö. 1830.


