Aufsatz 
Zur Theologie des Aeschylos / Georg Haupt
Entstehung
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Was zunächſt das Verhältniß der Schule zu Kirche und Staat betrifft, ſo iſt Tegnér als ächter Sohn ſeines Vaterlandes, als Romantiker, als Biſchof dem Beſtehenden hingegeben lein Anhänger des alten Syſtems, wonach, wie ſchon berührt, die Schule aufs Innigſte mit der Kirche verwachſen und von derſel⸗ ben faſt gänzlich abhängig iſt.Dieſe theologiſche Anſicht iſt in unſern Tagen ſehr getadelt worden, aber an und für ſich liegt ihr doch eine tiefe Wahrheit zu Grunde, die Wahrheit nämlich, daß das Religiöſe der eigentliche Kern aller menſchlichen Kenntniß und der äußerſte Vereinigungspunkt alles Wiſſens iſt." Abge⸗ ſehen von dem Prinzipe mochte er auch als klarer praktiſcher Kopf wohl erwogen haben, daß die ſeit der Chriſtianiſirung Schwedens beſtehende Ordnung einer andern auch in finanzieller Beziehung für das Land weniger anwendbaren ſchwerlich weichen könne. Die meiſten Geiſtlichen begleiten nämlich dort, ehe ſie in's Pfarramt treten, eine Lehrerſtelle, auch viele Pfarrer, Conſiſtorialräthe u. dergl. ſind nebenbei an einer Schule beſchäftigt: eine Praris, welche das Staatsbudget, das im Verhältniß zu der geringen Kraft des Landes hoch genug iſt, weniger belaſtet. Indeſſen war Tegnér nicht ſo blind für die Geiſtlichkeit eingenom⸗ men, um nicht einzuſehen, daß das Anſehen derſelben in Bezug auf die Schule auch in ſeinem Vaterlande im Sinken begriffen ſei; auch war er weit entfernt, die Urſache davon nur im allgemeinen Leichtſinne der Zeit zu ſuchen. Er fand ſie vielmehr am rechten Flecke, in der mangelhaften litterariſchen Bildung der Geiſtlichkeit ſelbſt. 2Wenn das Anſehen der Geiſllichkeit ſetzt zu ſinken ſcheint, ſo kommt dies nicht allein von dem Leichtſinne, deſſen man unſere Zeit beſchuldigt, oder von einer irreligiöſen Richtung der allgemei⸗ meinen Denkweiſe her. Es kommt auch und weſentlich daher, daß der Stand in mancher Hinſicht ſein litterariſches Uebergewicht verloren, und ſich die Klaſſen der bürgerlichen Geſellſchaft hat über den Kopf wachſen laſſen. Was Tegnér gethan, um dieſen Uebelſtand zu heben, davon ſpäter.

Die Erziehung im Allgemeinen betrachtet Tegnér als eine freie Kunſt. 3Sie will und muß ihren Spielraum haben. Aber wenn der Künſtler freiſinnig iſt, wie er ſein muß, ſo bemächtigt er ſich der Idee und bildet ſie in Formen aus, welche er ſelbſt am paſſendſten findet. u, Die Wichtigkeit derſelben iſt leicht einzuſehen: ſie ergreift das Menſchengeſchlecht bei der Wurzel; Nichts blühet oder trägt Früchte im Leben, was nicht zuvor in der Schule geknospet hat. Sie müſſe ſich auf Geiſt und Herz zugleich erſtrecken, den ganzen Menſchen umfaſſen. 5 Kenntniß iſt viel, aber ſie iſt doch nicht Alles, iſt nicht einmal das Weſent⸗ lichſte. Das Weſentliche liegt links in der Bruſt, der Menſchenwerth ſitzt im Herzen. 6Das große Problem der Erziehung iſt daher nicht einzelne, ſondern gleichzeitige und allgemeine Entwickelung, nicht Ein⸗ ſeitigkeit, ſondern Harmonie. Sie will nicht den oder jenen Zweig treiben, im Voraus zu blühen, ſondern ſie will die Wurzel pflegen, ſo daß die Nahrungsſäfte nach allen Seiten hin gleich vertheilt werden. Alle einſeitige Bildung in der Kindheit iſt und führt zur Mißbildung.Bildung verhält ſich zum Wiſſen wie die Gelenkigkeit und Stärke des Körpers zu ſeinem Umfange und Gewichte, welche nicht allemal einan⸗ der entſprechen. Gebildet ſind wir daher nicht in dem Maße als wir gelehrt ſind, ſondern in dem Maße als eine ſelbſtſtändige, durchgreifende, in ſich ſelbſt geſchloſſene und übereinſtimmende Entwickelung der edelſten Anlagen des Menſchen in uns vorgegangen iſt.

Von dieſer Anſicht von Bildung und der demnach der Schule obliegenden Aufgabe ausgehend, iſt er ein Feind der ſogenannten Lernfreiheit, d. h. des Beſtrebens der Eltern ihren Söhnen ſchon frühzeitig eine den ſpeziellen Beruf derſelben fördernde Bildung geben und ſie von den hiezu nicht dienenden Fächern dispenſiren zu laſſen. Solchen Beſtrebungen gegenüber dringt er mit aller Entſchiedenheit auf all gemeine Bildung und erſt nachdem dieſelbe vollkommen abgeſchloſſen ſei ohne alle Lücken und Ausnahmen, könne und dürfe der Jüngling ſich demienigen Fache überlaſſen, wozu er die meiſte Neigung und das meiſte Ta⸗ lent in ſich verſpüre. 1Denn er hat dann einen feſten Grund, worauf er ſtehen kann; der innere

1) Rede am Gymnaſium zu Wexio. 1824.

2) Ebendaſ. 3

3) Rede am Gymnaſtum zu Weriö. 1826.

4) Ebendaſ.

5) Ebendaſ.

6) Rede an der Schule zu Jöngköping. 1830. 7) Ebendaſ.