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biſt vielleicht ein Thor, wenn Du Dir die ſchuldloſen Freuden des Lebens und des Umganges verſagſt. Aber ein noch weit größerer Thor biſt Du gleichwohl, wenn Du ſie übertreibſt, und Dich durch ſie in einen convulſiviſchen und beſinnungsloſen Zuſtand verſetzen läſſeſt. Und geräthſt Du ſo weit in die Freude hinein, daß ſie nicht länger eine geſellige Freude bleibt, die Du fröhlich mit Andern theilſt, ſondern allein und verſtohlen genießeſt, zieht ſie einſam mit Dir durchs Leben, ſo biſt Du ja für Dich und Andere verloren! Dies gilt zwar für Alle, beſonders aber doch für die Lehrer.„Maxima debetur puero reverentia.“„Achte und ehre des Kindes Gegenwart!“ Es ſieht nicht immer in's Buch, es ſieht auch auf den Lehrer, und es hört viel— außerhalb der Schule. Nein, ich kann, ich will, ich darf meine Gedanken nicht bei einer ſolchen Vorſtellung verweilen laſſen. Ein griechiſcher Maler(ſein Name iſt mir jentfallen) ſtellte das Opfer zu Aulis dar, wo Iphigenia auf dem Altare der erzürnten Diana ſterben ſollte. Die Todesangſt im Antlitze der königlichen Jungfrau, das Entſetzen in dem der Zuſchauer vermochte er zu ſchildern, aber des Vaters, Agamemnons, Schmerz vermochte er nicht auszudrücken; daher malte er dieſen mit abgewandtem Geſichte. Ihr verſteht meine Mei⸗ nung; möchtet Ihr auch mein Gefühl dabei verſtehen!“
Was aber bei dem Dichter beſonders auffallend erſcheint, das iſt ſein praktiſcher, ſo wie in der Politik, ſo auch in der Schule ſtets auf das Erreichbare, das Mögliche gerichteter Sinn. 2Daher war er ein Feind aller illuſoriſchen Pläne, ſowie aller Verordnungen, welche nicht ſo viel Dehnbarkeit hatten, daß ihre Anwen⸗ dung zeitlichen und örtlichen Umſtänden angepaßt werden konnte. 3„Die Zeit iſt ein ſicherer, wenn auch langſamer Bundesgenoſſe; wir müſſen ihren Gang beſchleunigen, nicht aber zur Selbſtüberſtürzung treibena, war ſein Wahlſpruch.
Noch einen Zug dürfen wir nicht beizufügen unterlaſſen, um das Bild von Tegnér's pädagogiſcher Befähigung zu vollenden. Es iſt dieſes ſeine glühende Vaterlandsliebe. Was wir nämlich oben an dem Dichter als einen beſonderen Vorzug hervorgehoben, das iſt auch einer an dem Pädagogen. Nur wo die Vaterlandsliebe in Wahrheit in dem Herzen des Lehrers glüht, wird die heilige Flamme auch des Schülers Herz entzünden, und jede Erziehuug muß, ehe ſie ſonſt irgend etwas anders ſein kann, vorerſt eine nationale ſein. Auch in Tegnérs Schulreden klingen gar manche Anſpielungen auf die nordiſchen Sagen wieder, ſelten kommt ein pädagogiſcher Vorſchlag aus ſeinem Munde, ſelten eine Frage in Betracht, ohne daß er der vaterländiſchen Verhältniſſe Rechnung trägt, und das Vaterland zu einem geiſtigen Uebergewicht über die andern Völker Europa's zu erheben, war das unabläßige Ziel ſeines Strebens. 4„ Die Ritterzeiten der ſchwe⸗ diſchen Geſchichte ſind vorbei; wir ſind und müſſen ſtets bleiben zwar ein ſelbſtſtändiges aber doch ein friedliches Volk. Aber wohin das Schwert nicht kommt, dahin kann der Gedanke kommen; und unſere Sprache, unſere Wiſſenſchaft, unſere Kunſt könnten wohl einſt Eroberungen in Europa machen, ſicherere und dauerndere als die verlorenen. Wie weit wir eine ſolche Zukunft werden hoffen können, beruht weſentlich auf der Schule und dem Unterrichtsweſen, welche daher auch in dieſer Hinſicht eine Nationalangelegenheit iſt: ſie bilden und üben unſere geiſtige Bewehrung.“
Alle dieſe trefflichen pädagogiſchen Fähigkeiten werden bei Tegnér unterſtützt durch ein ſeltene Gabe, ſeinen Gedanken und Gefühlen den geeigneten zu Geiſt und Herz wie von ſelbſt ſchleichenden Ausdruck zu ver⸗ leihen und wo die nüchterne Begriffsbeſtimmung zur Verſtändlichung des Gedankens nicht ausreicht, dieſelbe durch ein edles ſchlagendes Bild zu veranſchaulichen. Nimmt man nun noch dazu das reiche Wiſſen, das ihm nicht nur in den claſſiſchen, ſondern auch in den neueren Sprachen(der deutſchen, franzöſiſchen und engliſchen) und den Realien zu Gebote ſtand, ſo wird man nicht umhin können, auf die Anſichten eines ſolchen Man⸗ nes in pädagogiſchen Fragen Gewicht zu legen, und ſollten dieſelben auch Punkte betreffen, die ſchon oft beſprochen und bei dem größten Theile der Fachmänner zu einem gewiſſen Abſchluſſe gekommen zu ſein ſcheinen. Ueberhaupt iſt es weniger die Neuheit der Gegenſtände, welche uns bei ihm feſſelt, als vielmehr die allgemeine Wichtigkeit derſelben und die Art, wie er dieſelben behandelt.
1) Timanthes.
2) Die Kirche und Schule u. ſ. w. S. 140. 3) Rede am Gymnaſium zu Wexiö. 1826. 4) Die Kirche und Schule. S. 137.


