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tigen Tag, ſondern für die Zukunft. Er iſt ein kommenden Geſchlechtern gegebener Vorſchuß; er iſt das, was die Mitwelt der Nachwelt auf die Hand gibt.“
Dazu geſellt ſich eine unbegrenzte perſönliche Liebe zu der Jugend, welche unzweideutig zu Tage tritt, ſo oft er dieſelbe perſönlich anredet. 1„Und nun lebet wohl, ihr ſteigenden Lerchen im kurzen Frühlinge des Lebens! Ihr zweifüßigen Blumen auf ſeinen verödeten Fluren! Möge der Himmel euch nähren mit ſeinem Thau und die Sonne mit ihren Strahlen.“ 2² Ihr Schüler, die ihr die Hoffnung eurer Eltern und Lehrer ſeid, mein Herz wird gerührt, da ich euch verſammelt ſehe, von dem Jünglinge, der ſchon beginnt, von Ehre und Thaten zu träumen, bis herab zu der zweifüßigen Primula veris, der ſorgloſen achtjährigen, die noch keine andere Sorge hat, als ihre Lection.“
Gleiches Wohlwollen hegte er gegen die Lehrer, deren beklagenswerthe finanziellen Verhältniſſe er von ganzem Herzen bedauerte und die er, wo es in ſeinen Kräften ſtand, zu verbeſſern bedacht war. 3„Ueberhaupt gibt es in Wahrheit keine Ausgabe, die ſich ſicherer lohnte, als die, welche für die Erziehung des auf⸗ wachſenden Geſchlechtes verwendet wird.“„— Die Zinſen dieſer Summe reichen kaum aus, einen einzigen verdienten Gymnaſiallehrer oder Rector scholae auf ſeine alten Tage vor Sorgen zu ſichern, der vor Alter, Lebensmattheit oder Kränklichkeit nicht mehr im Stande iſt, ſeines Berufes ſo zu warten, wie er ſollte. Es iſt deßhalb oft vorgeſchlagen worden, daß dergleichen Lehrer ſowie mehrere Civilbeamte, auf den Einziehungs⸗ etat mit aufgeführt werden möchten; doch die Hoffnung auf einen ſolchen Vortheil iſt noch ſehr entlegen. Hierdurch ſind die Ausſichten ſowohl für Lehrer als für die Anſtalt ſehr finſter, und für die erſteren bleibt nichts Anders übrig, als entweder ihr Geſchäft fortzuſetzen weit über die Zeit hinaus, da die Federkraft des Geiſtes und die Lebhaftigkeit des Gemüthes gewöhnlich aufhören, oder auch ihrer Subſiſtenz wegen der Ge⸗ meinde anzubieten, was die Schule abgenützt hat.“ 5„Durch dieſe Beſoldungsreglements iſt die Lage der Schullehrer verbeſſert und ſie haben ihren nothdürftigen Unterhalt. Dagegen iſt die der Gymnaſiallehrer weniger ausreichend, und läßt hinſichtlich der theuren Lebensart, die ſie führen müſſen, noch ſehr viel zu wünſchen übrig.“
. Dieſem ſeinem perſönlichen Wohlwollen gegen Lehrer und Schüler entſpricht auch ſeine Milde und Freundlichkeit in Behandlung derſelben. Jedoch iſt dieſe Milde keineswegs Schwäche oder energieloſe Nach⸗ giebigkeit, vielmehr iſt dieſelbe getragen von hohem Ernſte, der gegen vorkommende Unordnungen zwar in kurzen, aber ſo würdigen Worten aufflammt, daß ſie gewiß ſelten ihr Ziel verfehlten. Wenn er die Schüler sin den Deklinationen und Conjugatiouen im Lateiniſchen und Griechiſchen ſchwach findet oder wenn ſich Manche 1im Beſuch der Geſangſtunde fahrläßig zeigen, ſo iſt ihm das Grund genug, ſolche Nachläßigkeiten ernſt zu rügen.— Was aber die Lehrer angeht, ſo herrſcht in Schweden eine eigenthümliche Sitte, welche jedem Gefühle wiederſtrebt und vom Standpunkte der Padagogik aus verworfen werden muß. Dem Biſchofe ſteht nämlich das Recht zu, über die Lehrer in Gegenwart der Schüler und des Publikums öffentlichen Tadel auszuſprechen. Wir können uns dieſen Gebrauch nur erklären aus dem patriarchaliſchen Verhältniſſe, in welchem in dieſem Lande die Schule zur Kirche ſteht. Wenn wir nun auch den ſo edeln Tegnér von jener Unſitte zweimal Gebrauch machen und sgegen Lehrer Tadel ausſprechen hören, ſo wird ſich die Peinlichkeit unſers Gefühls durch die Erwägung der Landesſitte mildern. 9„Es gibt auch eine andere und weit bedenk⸗ lichere Unordnung bei den Lehrern— oder vielmehr, es kann eine ſolche geben— und von ihr beſonders wendet der Genius der Schule ſich mit Abſcheu hinweg. Ich will hoffen, daß ſie hier nicht gefunden werde; aber ſchon der bloße Verdacht iſt beleidigend für das Lehrweſen und vergiftet die Luft in der Schule. Du
¹) Rede an der Schule zu Jöngköping. 1836.
2) Rede an der Schule zu Jöngköping. 1827.
3) Rede am Gymnaſtum zu Weriö. 1824.
4) Die Kirche und Schule Schwedens u. ſ. w. S. 113. 114. 5) Ebendaſ.
6) Rede an der Schule zu Jöngköping. 1836.
7) Rede am Gymnaſium zu Wexiö. 1826.
8) Rede an der Schule zu Jöngköping. 1826.
9) Ebendaſ.


