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Schulen zuſammen. Beſonders liebt es Tegnér, ſich in einzelnen Kernſprüchen zu faſſen, wo er denn in einigen wenigen Worten einen wunderbaren Schatz von Weisheit ſeinen Schülern in die Ferien mitzugeben pflegt. Einige Beiſpiele mögen zur Probe dienen: 1„ Der beſte, klarſte Kopf, wenn er über einem verderbten Herzen ſteht, gleicht einem Tempel, der über einer Räuberhöhle erbaut iſt.“ 2,Das Buch iſt ein wohlfeiler Lehrmeiſter; es iſt ein guter Freund, es trägt die Schlüſſel zu der Thüre des Fortgangs; aber der Unwiſ⸗ ſende muß draußen ſtehn und wird vergebens klopfen.“ 3„Des Jünglings Vergnügen ſoll die Arbeitſamkeit mit ihrer Lampe ſein, und die Hoffnung mit ihrem Zauberſpiegel, und die Ehre des glücklichen Erfolges mit ihrem Lorbeerkranze!“ 4Neid iſt der Leichenſtein des Wenſchenwerthes; wo er ſich zeigt, da wohnt Verweſung drunten.“ 5„Die Zeit iſt ein ſicherer, wenn auch etwas langſamer Bundesgenoſſe; wir müſſen ihren Gang beſchleunigen, nicht überſtürzen.“ 6„Der Wille iſt des Menſchen höchſte Kraft. Die Kraft iſt ſich ſelbſt genugz ſie ſteht Gevatter beim Glücke.“
Was den geweſenen Profeſſor zu ſeinem neuen ſchwierigen Amte am meiſten befähigte, das war die dem Lehrer ſo unentbehrliche Quelle des Muthes und der Freudigkeit, der Glaube an das Fortſchreiten der Menſchheit in intellektueller und moraliſcher Beziehung. Wie er in der Politik zu ſeiner und ſeiner Parthei Ermuthigung den Sieg des Conſtitutionalismus unumwunden ausſprach, ſo hält er auch ſich und allen Leh⸗ rern zu ihrer Ermunterung die Ueberzeugung von dem Fortſchritte der Menſchheit ſtets vor Augen. 3„Wir müſſen ein Fortſchreiten von Geſchlecht zu Geſchlechte annehmen, und wenn es manchmal ſcheint, als bemerk⸗ ten wir einen Stillſtand oder gar ein Zurückgehen, ſo ſind das die Schulferien der Menſchheit, die ihr ab⸗ ſichtlich gegeben werden, damit ſie ihre Kräfte zu höherem Fortſchritte ſtärke. Mit einem Worte, es muß eine Erziehung des Menſchengeſchlechts im Großen geben; das Protokoll darüber iſt die Weltgeſchichte. Aber hierüber können wir nur ſehr unvollkommen urtheilen; denn die Lehrſtunden ſind Jahrtauſende, und Derjenige, der ſie gibt, wohnt im Himmel.“
Aus dieſem ſeinem Optimismus folgt ſeine hohe Meinung von den pädagogiſchen Subjecten und dem Berufe des Lehrers von ſelbſt. 9„Das Reich Gottes hat kein ſchöneres Symbol auf Erden als das Kind mit ſeiner Unſchuld, als den Jüngling mit ſeinem offenen Sinne. Solcher iſt das Reich Gottes. Wer dieſe bildet, der bildet nicht nur für die Erde, ſondern auch zugleich für den Himmel, für das Reich Gottes, was nur ein anderer Name für die veredelte Menſchheit iſt. Denn in dem Maaße, in welchem das Menſch⸗ liche ſich erhebt, ſenkt das Göttliche ſich hernieder, um ihm zu begegnen und es zu umfaſſen. Dies iſt die Hauptidee des Chriſtenthums, deſſen großer Stifter zugleich Gott und Menſch genannt wird, um dadurch das mögliche Verhältniß zwiſchen beiden zu erkennen zu geben.“ 10„Es gibt viel Schönes unter dem blauen Himmel; aber ich weiß nichts, was ſchöner, reiner, troſtreicher anzuſchauen wäre als ein gut geartetes Kind oder ein unverdorbener Jüngling. Betrachtet ſie nur da, beſonders die Kleinen, die wandernden Blumen⸗ beete, die unbeſchwingten Paradiesvögel! Da iſt keine Wolke auf ihrer Stirn, ſondern ein zurückgebliebener Wiederſchein von Gottes Ebenbild, ein Abendroth aus dem Paradieſe. Wie aufmerkſam, aber auch wie ſorglos blicken ſie noch in das ungewiſſe, in das ſtürmiſche Leben hinein! Denn für ſie gibt es noch keinen Sturm, der etwas Anderes wäre, als eine vorübergehende Windsbraut; die Sonne geht nicht unter über ihren vergänglichen Sorgen und der Kummer ſindet keinen Ankergrund in ihrem Herzen. Und wie warm iſt es dort! Wie lebhaft das Gefühl für Recht und Unrecht!, u, Der Lehrer lebt nicht für den gegenwär⸗
1) Rede am Gymnaſium zu Weriö. 1830.
2) Rede am Gymnaſium zu Weriö. 1826.
3) Rede am Gymnaſtum zu Weriö. 1834. 4) Rede am Gymnaſium zu Wexiö. 1824.
5) Rede am Gymnaſium zu Wexiö. 1829.
6) Rede an der Schule zu Jöngköping. 1827. 7) Rede am Oskarstage gehalten zu Lund. 1823. 8) Rede am Gymnaſium zu Werxiö. 1824.
9) Ebendaſ.
10) Rede am Gymnaſium zu Wexiö. 1830. 11) Rede am Gymnaſium zu Wexio. 1824.


