Aufsatz 
Zur Theologie des Aeschylos / Georg Haupt
Entstehung
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7 Folge zu leiſten. In dem Sprengel Wexiö nänlich, in welchem die jüngere Geiſtlichkeit größtentheils aus Schülern von ihm beſtand, ward er und zwar ohne das mindeſte Zuthun von ſeiner Seite zum Biſchofe gewählt, zu welcher Wahl alsbald des Königs Beſtätigung eintraf. Wenn ihm bisher das Wohl der aka⸗ demiſchen Jugend ſo ſehr am Herzen lag, ſo war er jetzt erſt recht an ſeiner Stelle. Denn in Schweden iſt der Biſchof nicht allein über die geiſtlichen Angelegenheiten und das Armenweſen geſetzt, ſondern er hat auch in Bezug auf das Schulweſen ſeines Sprengels als Ephorus oder Oberaufſeher deſſelben eine ſehr einflußreiche Stellung. Die Geiſtlichen von Wexiö hatten ſich in ihm nicht geirrt. Wie ſehr er ſich freute, ein ſo reiches Feld der Thätigkeit ſich vor ſeinen Augen öffnen zu ſehen, erhellet aus ſeinen Selbſtgeſtänd⸗ niſſen, welche er zum Theil in Briefen, zum Theil in einer Art von Selbſtbiographie niedergelegt und aus denen uns ſeine Biographen manche Stellen mitgetheilt haben. Was er als Dekan der philoſophiſchen Pakulrut bei einer Magiſter⸗Promotion in Lund im Jahre 1820 in einem Epilog hochbegeiſtert geſprochen: 2Was ſie geſucht, die Herrlichen der Menſchheit

Ihr ganzes, ſchönes, reiches Leben durch,

Verdient es wohl, daß wir es alle ſuchen.

O es iſt ſchön, ſich ihnen anzuſchließen,

Und ſei's auch als der Letzte, der Geringſte.

Doch für die Mächte, die dort oben walten,

Iſt nichts gering hienieden oder groß.

Allein gewinnt der Feldherr nicht die Schlacht,

Für ihn gewinnen ſie die tiefen Glieder.

Der ew'ge Weltgeiſt wirkt durch Menſchenkräfte;

Aus dem zerſtreuten Kleinen fügt zuſammen

Mit kunſterfahrnen Händen er das Große.

So laßt uns willig unſre kleinen Flammen

Zu ſeinem Lichtmeer bringen, Menſchenkräfte

Zu ſeiner Götterkraft

das in ſegensreichen Thaten zu verkörpern, hatte er jetzt die erfreulichſte Gelegenheit. Mit welchem Eifer er dieſelbe ergriffen, davon zeugen ſeine oben berührten Reden. Es iſt eine wahre Herzensfreude sden ſchlan⸗ ken Mann mit dem blonden Haare, der hohen Stirne, den klaren blauen Augen und dem freundlichen Lächeln um den Mund am Schluſſe des Schuljahres bei Gelegenheit der öffentlichen Prüfungen am Gym⸗ naſium zu Wexiö und an der Gelehrtenſchule zu Jönköping Worte reden zu hören, in denen ſich tiefer Ernſt mit freundlicher Herablaſſung und Milde, Klarheit des Verſtandes und ein praktiſcher Blick mit wohlthuender Gemüthlichkeit und bilderreicher Phantaſie zu einem ſchönen Ganzen paaret. Unwillkührlich wird man bei Leſung derſelben an Herder erinnert, dem er wohl an Vielſeitigkeit des Stoffes nachſteht, aber an Tiefe des Gefühls und an Bilderreichthum gewiß überlegen iſt. Treffen ſogar beide in ſo manchen Beziehungen ehnbhet Geiſter einmal in Behandlung des nämliches Stoffes, in einer Redeüber den Genius der

y In allen Fällen, welche das Geſetz nicht beſtimmt, hat der Biſchof anzuordnen und von allen Schulbeamten den pünktlichſten Gehorſam zu verlangen. So oft als möglich muß er Schulviſitationen veranſtalten und auch außerhalb des Biſchofsſitzes den jähr⸗ lichen Prüfungen beiwohnen. Deßgleichen hat er darüber zu wachen, daß das Conſiſtorium die ihm in Gemeinſchaft mit dem Biſchof übertragenen ökonomiſchen Angelegenheiten der Schulen gewiſſenhaft verwalte. Von Zeit zu Zeit hat er nicht nur die Berichte der Rektoren nebſt etwaigen Bemerkungen über dieſelben, ſondern auch einen von ihm ſelbſt verfaßten Bericht über das Schulweſen ſeines Stifts und die von ihm getroffenen Maßregeln nebſt nöthigen Vorſchlägen einzuſenden. Endlich hat der Ephorus die Lehrbücher nach eingeholten Aeußerungen der Lehrer zu beſtimmen, auch die von den Lehrern angewandten Unterichtsmethoden zu beobachten. In Fällen, wo die Verhältniſſe es dem Biſchofe nicht erlauben, die Oberaufſicht ſelbſt zu führen, beſtellt er für dieſelbe einen Inſpeckor. S. Schwedens Kirchenverfaſſung und Unterrichtsweſen nach früherem und gegenwärtigem Zuſtande aus den Quellen und nach eigener Anſicht an Ort und Stelle beſchrieben von Fr. Wilh. v. Schubert der Theol. Doktor u. Prof. 2 Band, 2 Abth. Greifswalde. Fr. Wilh. Kunike. 1821.

2) S. Reden von Dr. Eſaias Tegnér. Aus dem Schwediſchen von Dr. G. Mohnike. Stralſund und Leipzig. Trinius. 1829.

3) S. Biographie überſ. von Altén S. 54 u. 90.