— 6—
Bundesn, der ſich die Wiederbelebung der altnordiſchen Poeſie zur Aufgabe geſteckt. Seine Abhandlungen: de Diis Iliadis(1804), de oraculo Dodonaeo, monumenta Graecorum ex anthologia, hymnus Homericus in Pana, de Platone artem péticam improbante u. ſ. w. beweiſen ſeine Kennerſchaft des helleniſchen Alter⸗ thums. Seiner theologiſchen Kenntniſſe wegen erhielt er aber neben ſeiner Profeſſur noch eine Pfarrſtelle. Wir können nicht unterlaſſen das Lob beizufügen, welches ihm die Univerſität bei Anzeige ſeiner Beförderung in einem Programme zollt: 14— Was ich über ihn ſagen ſoll, weiß ich nicht, ohne, wenn ich die nackte und einfache Wahrheit ſage, für einen Schmeichler gehalten zu werden. Sein Talent iſt von der Art, und ſeine Kenntniß von Griechenland iſt ſo groß, daß ſchwer zu ſagen iſt, ob ihm die Natur oder das Stu⸗ dium das Bild der griechiſchen Dichter eingeprägt hat. Aus ihm ſtrömt ja wie aus den Quellen des Nils eine Ader, die, ob ſie ſchon in ſtets vollem Bette dahinfließt, dennoch nichts an ihrer Kraft verliert. Er gereicht unſerer Akademie zu großer Ehre, nicht bloß deßwegen, weil er ein ausgezeichneter Lehrer derſelben, ſondern auch weil er ein Zögling unſers Lyceums iſt. Das glaube ich in Wahrheit von ihm ſagen zu kön⸗ nen, daß er nicht nur der Akademie eine Zierde ſein wird, ſondern auch dem Vaterlande und dies nicht für dieſe Zeit, ſondern für die Ewigkeit.“
Als Lehrer der griechiſchen Litteratur waren ſeine Forderungen bei den Schülern in Bezug auf die Einſicht in die mechaniſchen Theile der Sprache ſtreng und wurden durch Einführung von ſowohl Sprach⸗ als Schreibübungen unterſtützt. Er ſelbſt vereinigte in ſich, was man am wenigſten bei einem phantaſie⸗ reichen Dichter erwarten ſoilte, eine gründliche Einſicht in den Organismus der Sprache, philologiſchen Scharfſinn und äſthetiſchen Schönheitstakt, und durch ſeine Bemühung ward das Griechiſche Modeſtudium unter den Studirenden.
In Anerkennung dieſer ſeiner ſegensreichen Wirkſamkeit, wurde Tegnér 1818 zum Doktor der Theolo⸗ gie ernannt(eine in Schweden ſeltene Ehre) und im folgenden Jahre von der ſchwediſchen Akademie der Achtzehner zum Mitgliede erwählt und zwar an der Stelle des verſtorbenen Dichters Orenſtierna, zu deſſen Lobe er bei ſeinem Eintritte eine glänzende Rede hielt, in welcher er ſich als feinen Aeſthetiker und Kenner der Dichtkunſt bekundet.
Während dieſer zwölfjährigen Periode ſeines akademiſchen Lebens war es, wo Tegnér's Dichterruhm ſeinen Höhepunkt erreichte. Seine mannigfaltigen Schöpfungen halten ſich im Rahmen der Lyrik, des Idylls, des Epos. Als ſeine Hauptwerke glauben wir„Sveau,„die Abendmahlskindern,„Axeln, und die„Frithjof⸗ ſagen bezeichnen zu dürfen. Schwerlich wird es eine europäiſche Sprache geben, in welche nicht ſein Meiſter⸗ werk„die Frithjofſage“ überſetzt iſt. Unſre Mutterſprache hat ſicher ein halbes Dutzend Uebertragungen deſſelben aufzuweiſen. In ſeinem Vaterlande ſelbſt aber iſt von demſelben bereits eine große Anzahl von Ausgaben erſchienen. ²„Als Dichter betrachtet iſt Tegnér eins der ausgezeichnetſten Talente der Jetztzeit; nichts kann reiner, klarer, bilderreicher, mannigfaltiger ſein als ſein Stil; ſeine Verſe ſind rein, correkt und ſcheinen von ſelbſt zu kommen; was aber die Hauptſache iſt, er bleibt immer ſeinem Boden getreu, er iſt überall der friſche, muntere Nordlandsſohn; ſeine Berge, Seen und Thäler gehen ihm über Alles, und ſein Vaterland iſt für ihn der Inbegriff aller Reize und Schönheit, die es auf der Welt gibt; daher ſeine unbe⸗ grenzte Popularität in ſeinem Vaterlande.“
Doch wir haben es hier nicht mit dem Dichter zu thun, ſondern mit dem Lehrer. Im Jahre 1824 nimmt Tegnér in einer ergreifenden Rede, worin er in hinreißenden Bildern die Poeſie der verſchiedenen Völker und Zeiten ſchildert, von der ihm ſo theuern akademiſchen Jugend Ahſched um einem höheren Rufe
1) Lebensbeſchreibung u. ſ. w. S. 67. 1
2) Gräße Handbuch der allgemeinen Litteraturgeſchichte. III. Bd. 1. Abth. S. 919. In der Frankfurter„Didaskalia“ 1859 Nr. 37 leſen wir:„In Schweden wird eine neue wohlfeile Auflage der Werke Tegnér's vorbereitet; die frühere Auflage von 7000 Exemplaren iſt beinahe ganz vergriffen. Mit welcher Begehrlichkeit Tegnér auch von der weniger gebildeten Claſſe geleſen wird, kann man daraus ſchließen, daß die wohlfeilen Ausgaben von„Arel“ und der„Frithjofsſage“ einen reißenden Abgang gehabt, beſonders unter den Hammerſchmieden in Wärmland(Teguèr war ſelbſt in Wärmland geboren), von welchen Viele, denen ihre Um⸗ ſtände nicht erlaubten, ein eignes Eremplar zu beſitzen, ſich zum Ankaufe eines Exemplars vereinigten. Es wird ſogar erzählt, daß ein Hammerſchmied, der außer Stand war, die Schriften Tegner's für eigne Rechnung ſich anzuſchaffen, ſie von Anfang bis zu Ende mit eigner Hand abgeſchrieben habe.“


