Der trotzige Geiſt des Empörers ſtärkt ſich zu neuer Hoffnung, zu neuem Stolz. Er begrüßt die Hölle und das Schreckniß. Iſt doch der Geiſt ſein eigener Raum, der ſich einen Himmel aus der Hölle ſchaffen kann. Hier iſt er frei, hier kann er herrſchen, und beſſer iſt es, der Hölle Herr zu ſein als des Him⸗ mels Sclave.
So ruft er ſeine noch betäubten Engel auf, welche ihres Führers Stimme hören und ſich im Sturm erheben. Wie Amran's Sohn mit ſeinem Stab einſt ein ſchwarzes Gewölk von Heuſchrecken berufen hat, daß des Nil Geſtade verdunkelt wurden, ſo drängt ſich jetzt der Schwarm gefallener Cherubim und Engel. Moloch, der ſchreckenvolle Fürſt mit Menſchenblut und Aelternthränen befleckt, Chemos, das Schreckbild für Moab's Söhne, Baal und Aſtaroth, die Himmelskönigin mit Mondeshörnern, der ſchreckliche Dagon, Egyp⸗ ten's Götter und zuletzt Belial, der gemeinſte Geiſt von Allen,„der nur das Laſter um das Laſter liebte“, ſie alle kommen auf den Ruf des Herrſchers, und mit ihnen unzählige Andere, darunter auch die, welche ſpäterhin als Joniens Götter glänzend und hochverehrt ſein ſollten. Den Muth des Heeres zu erhöhen, wird das königliche Panier entrollt, das wie ein Meteor im Windhauch blitzt, und kriegeriſcher Trompeten⸗ klang erſchallt. Im Nu flattern zehntauſend Banner in der Luft, ein Wald von Speeren erhebt ſich und in feſtgeſchloſſenen Reihen nahen ſie unter ſanftem Getön der Flöten und umſchließen Satan im Halbkreis, ſeinen Worten zu lauſchen. Dieſer kämpft trotz ſeines Stolzes mit den Thränen, als er ſeine Gefährten ſieht. Dreimal verſagt ihm die Stimme, bevor er zur Ausdauer ermahnen kann. Die Hölle ſoll ſie nicht für immer einſchließen; neue Welten wollen ſie ſich erobern. Die feurige Rede ſchließt mit einer wilden Aufforderung zum erneuten Krieg gegen den Himmel, ſei's offen oder heimlich.
Er ſprach's und zu beſtätigen ſeine Worte, Sie raſ'ten gegen den Allmächtigen wild, Erblitzten Millionen Flammenſchwerter, Und ſchlugen grimmig mit geſchwungenen Waffen Von mächtigen Cherubhüften raſch gezäckt; Auf ihren klingenden Schilden Kriegeslärm Erleuchtet war die Hölle weit herum. Zum Himmelsdom die ſtolze Ford'rung brüllend.
In einer engeren Rathsverſammlung, in der über das fernere Verhalten beſchloſſen werden ſoll, machen ſich auch andere Anſichten geltend. Belial und Mammon rathen zur Ruhe, nicht aus Einſicht in ihre Sünde, ſondern weil ſie hoffen, daß das Feuer, welches jetzt zu ihrer Pein dient, mit der Zeit zu ihrem Element werde, und daß ſie noch Glück und Luſt aus der Marter ziehen können. Selbſt der Höchſte umziehe ja zu Zeiten ſeinen Thron mit der Majeſtät der Finſterniß und mit ſolchem Donnerbrüllen, daß der Himmel der Hölle gleich ſcheine.
Da erhebt ſich Beelzebub und ſchlägt im Einverſtändniß mit Satan, denn nur von dieſem kann ſolch teufliſcher Plan ausgehen, eine kühne Unternehmung vor. Er erinnert ſich, daß Gott eine neue Welt ſchaffen und ſie mit Weſen nach ſeinem Bild bevölkern wollte, die einſt die Stelle der gefallenen Engel einnehmen könnten. Wie, wenn ſie dieſe Welt mit Gewalt für ſich eroberten, oder ſie wenigſtens Gott zum Aerger zerſtörten? Ja noch mehr, vielleicht könnte es ihnen gelingen, die ſchwachen Bewohner zum Abfall von Gott zu bewegen, der dann gezwungen ſei, ſich ſelbſt zum Schmerz das geliebte neue Geſchlecht zu verfluchen.
Dieſer wilde Plan gefällt der hölliſchen Schaar und mit freudefunkelnden Augen ſtimmen Alle bei. Doch wer unternimmt es, die neue Welt zu erſpähen, den finſtern bodenloſen Abgrund zu unterſuchen und ſeinen Weg durch fühlbar dichte Nacht zu bahnen? Niemand von Allen wagt es, zu ſolcher That ſich zu erbieten, bis endlich Satan ſich erhebt. Als der König der Hölle nimmt er das ſchwerſte Amt und die größte Gefahr auf ſich und laut preiſen die hölliſchen Schaaren ihr unvergleichliches Haupt. Angſt und Sorgen, die Anfangs auf den Gemüthern ſchwer laſteten, ſind geſchwunden und neue Hoffnung belebt Alle.
Wie wenn die düſtern Wolken von den Gipfeln Der Sonne letzter Strahl zum lieblichen Der Berge ſteigen und der Nordwind ſchläft, Lebwohl erglänzt, das Feld ſich neu belebt, Das Angeſicht des Himmels überwallend, So daß die Voͤgel ſingen, Heerden blöcken Und dann ein trübes Element aufs Land Und Berg und Thal die Freude widerhallt.
Schnee oder Regenſchauer ſchüttet, und ſodann. Die Schaaren zerſtreuen ſich und Jedes ſucht die trüben Stunden bis zur Rückkehr Satans nach ſei⸗ ner Neigung zu verkürzen. Die Einen verſuchen ſich in Wettkämpfen, Andere toben mit dem Sturmwind, Andere


