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Ungefähr um dieſelbe Zeit wurde auch ſein Drama„Samſon Agoniſtes“ veröffentlicht. Der blinde Dichter hatte ein doppeltes Intereſſe an dieſem Werk, das ihm ſein eigenes Schickſal ſo lebendig vor die Augen führte. Denn das Drama behandelt die Gefangenſchaft und das Ende des elenden und geblendeten Sam⸗ ſon. Für die Bühne nicht geeignet, knüpft es durch Einführung eines Chors und die ſorgfällige Bewahrung der Einheit des Ortes und der Zeit äußerlich an das antike Drama an, ohne jedoch ſonſtige Verwandtſchaft mit ihm zu zeigen.
Die Philiſter feiern in ihrer Hauptſtadt Gaza ihrem Götzen Dagon ein großes Feſt und Samſon iſt deßhalb für den heutigen Tag von ſeiner erniedrigenden Sclavenarbeit befreit. Er ſchleppt ſich auf eine Bank vor ſeinem Gefängniß, in den Strahlen der Sonne ſich zu wärmen. Aber wenn auch der Körper ruht, der Geiſt hat keine Raſt; gleich Weſpen kommen ihm die ſtechenden Gedanken und die Erinnerung an die Vergangenheit, zu vergleichen, was er geweſen und was er nun iſt. Es kann nicht anders ſein, jede Seite in„Samſon“ erinnert uns an das Loos des Dichters, der ſeine ganze Seele, ſeine eignen Leiden in dieſe klagenden Verſe ergoſſen zu haben ſcheint. Ein Chor tritt tröſtend zu dem blinden Helden heran; es ſind Freunde und Stammgenoſſen, die ihn beſuchen und aufrichten wollen. Samſon aber fragt bitter, ob nicht die Kinder auf den Straßen in Iſrael Spottlieder auf ihn ſängen, und ſeine Blindheit bewahrt ihn wenigſtens vor der Schamröthe, die ihn überziehen würde, könnte er ihnen in das Auge ſehen. Noch größer wird der Jammer, als der alte Vater Manoah wehklagend ſeinem Sohne naht und ihn, der einſt ſein Stolz und ſeine Freude war, nun ſo als eine elende Ruine erblicken muß. Doch er hofft wenigſtens, ihn aus der Gefangenſchaft löſen zu können und geht, mit den Fürſten der Philiſter zu unterhandeln. Während nun Manoah ſich zu dieſem Zweck entfernt hat, kommt ein Krieger, Samſon vor die Verſammlung der Edeln zu führen, die ſich eine rohe Freude bereiten und durch Beweiſe ſeiner Kraft unterhalten wollen. Verachtend weiſt Anfangs Samſon dieſes Verlangen zurück, dann aber glaubt er darin einen Wink von Gott zu ſehen und folgt dem Boten. Der Chor der Freunde bleibt und hört vom zurückkehrenden Vater die frohe Kunde, daß eine baldige Auslöſung zu hoffen ſteht. Aber dieſe freudige Hoffnung wird mit einem Schlage durch die unheilvolle Botſchaft vernichtet, die ein herbeieilender Bürger überbringt. Samſon hat ſich und den ganzen Adel des feindlichen Landes unter den Trümmern des Palaſtes begraben. Der Schrecken und die Verwirrung iſt allgemein. Manoah faßt ſich zuerſt und zeigt ſich als ächter Vater Samſons. Seines Soh⸗ nes beraubt, muß er doch geſtehen, daß jener ſich würdig gelöſt hat und als Held geſtorben iſt.*)
Hatte Milton den Sturz der Principien erleben müſſen, die ihm am Herzen lagen, hatte er ſich verfolgt in die Stille zurückziehen müſſen, ſo war es ihm doch vergönnt, am Abend ſeines Lebens den Beginn des abermaligen Umſchlags zu bemerken, und zu hören, wie die Stimmung des Landes ſich immer heftiger gegen König Jacob II. und ſein Benehmen erhob. Ungeſchwächt und unbeirrt erhob Milton ſeine Stimme am Rand des Grabes, wie in den beſten Tagen ſeiner Kraft. Noch im Jahr 1673 veröffentlichte er eine Ab⸗ handlung„über die wahre Religion und die beßten Mittel, das Wachsthum des Papſtes zu hindern“. Auch in dieſer letzten größeren Schrift erſcheint Milwon als derſelbe freie, über alles Partei⸗ und Secten⸗ weſen binaus nach dem wabhren Geiſt des Chriſtenthums und der Humanität ringende Mann, welcher den unter einander hadernden Proteſtanten Einigung, Eintracht und gegenſeitige Nachſicht als ſein Vermächtniß empfiehlt, mit dem ſie den kommenden Gefahren Trotz bieten könnten..
Der Bericht eines alten Geiſtlichen aus Dorſetſhire iſt uns erhalten, der Milton in ſeinem Alter be⸗ ſucht hat. Er fand den Dichter in einem kleinen Zimmer mit abgenutzten grünen Tapeten, in einem Lehn⸗ ſtuhle ſitzend und ſauber ſchwarz gekleidet. Er war blaß und hatte Gichtbeulen an den Händen. Bei warmem heiterem Wetter pflegte er in einem grauen Rock von grobem Tuch vor der Thüre ſeines Hauſes bei Bunhill⸗Fields zu ſitzen, um die friſche Luft zu genießen und empfing dort ſeine Beſuche. Endlich konnte er auch das nicht mehr. Die Gicht wurde heftiger und ſeine Kräfte ſanken von Tag zu Tag, ſo daß er endlich den 15. November 1674 ruhig und ſchmerzlos entſchlief.
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*) Händel hat dieſes Werk Miltons als Grundlage für den dert ſeines berühmten Oratoriums benutzt⸗


