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die ihn in einen heftigen Streit mit dem bekannten Philologen Salmaſius zu Leyden verwickelten.“*) Man mag über Milton's politiſche Lehren und Anſichten denken, wie man will, Reinheit des Willens, Hohheit des Charakters und begeiſterte Vaterlandsliebe muß ihm ein Jeder zuſprechen.
Die Aufmerkſamkeit der republikaniſchen Partei war durch dieſe ſchriftſtelleriſche Thätigkeit ſchon lange auf ihn gelenkt und unerwartet, da er grade mit einer Geſchichte Englands beſchäftigt war, von der auch 1670 ſechs Bücher bis zur Eroberung durch die Normannen erſchienen ſind, wurde er berufen, als Secretär in den Staatsrath der Republik zu treten. Cromwell erließ ſeine Staatsſchriften alle in lateiniſcher Sprache, um ſich der Weltherrſchaft der franzöſiſchen zu entziehen, und fand deßhalb Niemanden paſſender für ſeinen Zweck als Milton. So trat dieſer in den Staatsdienſt, in dem er bis zur Reſtauration der Monarchie verharrte und allen damals ausgehenden politiſchen Sendſchreiben und Erklärungen den Stempel ſeines klaren Geiſtes aufdrückte. Er verſah ſogar ſein Amt, als ihn das ſchwere Unglück völliger Blindheit heim⸗ ſuchte. Schwache Augen hatte er als Erbtheil von ſeiner Mutter, die ſchon im 30ſten Jahr eine Brille tragen mußte, aber erſt die anhaltenden Studien hatten ſeine Augen ſo ſehr angegriffen, daß er ſchon ſeit mehreren Jahren eine allmählige Erblindung des einen Auges wahrnahm. 1654 verlor er völlig ſein Ge⸗ ſicht und ſeine Feinde erklärten es laut triumphirend für eine Strafe und einen deutlichen Wink des Him⸗ mels. Sie wandten den bekannten Virgil'ſchen Vers auf ihn an:
Monstrum horrendum, informe, ingens, cui lumen ademtum. Milton trug jedoch die Prüfung mit der völligen Ruhe und Heiterkeit ſeines großen Geiſtes. So ſchrieb er an den Geſandten des Herzogs von Parma in Paris, an den Athener Leonhard Philaras, der ihn be⸗ ſucht und ihm einen Arzt in Paris empfohlen hatte.**)
...„Wenn mir auch von Seiten Ihres Arztes ein wenig Hoffnung bleibt, ſo ſuche ich doch mein Gemüth als gegen ein unheilbares Uebel gefaßt zu machen und zu beruhigen, indem ich oft bedenke, daß da der Tage der Finſterniß, wie der weiſe Mann erinnert, viele uns Menſchen zugezählt ſind, meine Fin⸗ ſterniß bisher durch beſondere Gnade Gottes, unter Arbeit und Muße, in dem Umgang meiner Freunde weit erträglicher war, als die tödtliche Finſterniß, auf die er zielt. Denn wenn der Menſch, wie geſchrie⸗ ben ſteht, nicht vom Brod allein lebt, ſondern von einem jeglichen Wort, das aus dem Munde Gottes geht, warum ſoll ſich Einer nicht auch mit dem Gedanken beruhigen, daß das Licht der Augen für ihn nicht das einzige ſei, ſondern daß er, durch die Leitung oder Vorſehung Gottes genugſam erleuchtet werde?“
„So lange er alſo für mich in die Zukunft hinausſieht, ſo lange er ſelbſt für mich ſorget, wie er es thut, und mich vor⸗ und rückwärts bei der Hand führt, wie mein ganzes Leben hindurch geſchah, ſoll ich nicht mit Freuden meine Augen Sabbath halten laſſen, weil es ſo ſein Wille zu ſein ſcheint? Was aber immer der Erfolg Ihrer gütigen Bemühungen ſein mag, mein theurer Philaras, ſo ſage ich Ihnen mit einem ebenſo entſchloſſenen und ſtandhaften Gemüth, als ob ich Lynceus ſelbſt wäre, mein Lebewohl.“
Die Bemühungen des Freundes blieben umſonſt, wie Milton vorausgeſehen hatte. Die letzten Jahre vor der völligen Erblindung waren auch noch ſonſt für Milton ſchwer. Sein drittes Kind, das einzige Söhnchen, ſtarb ihm ſehr frühe und die Mutter folgte ihm bald darauf, nachdem ſie noch eine Tochter ge⸗ boren hatte. Eine zweite Ehe, die Milton mit Katharina Woodcock nach Verlauf einiger Jahre einging, trennte der Tod ebenfalls ſehr raſch. Wir haben ein wahrhaft rührendes Sonnet von ihm, das in einfach kindlicher und ergreifender Weiſe ſeine Klage und ſeine Sehnſucht nach ihr ausdrückt. Er träumt und im Traume wird ihm ſeine Gattin zurückgebracht, wie einſt Alceſte von Herakles. Weiß gekleidet erſchien ſie, rein wie ihr Gemüth; ihr Geſicht war verhüllt, doch ihre Liebe, Sanftmuth und Güte leuchteten ſo klar,
*) Vortrefflich ſind Miltons poetiſche Schriften dargelegt von Dr. G. Weber in Heidelberg in Raumers hiſtor. Taſchenbuch 1852 und 1853. Dem zierlichen Voltaire mußten freilich die derben Kolbenſchläge, mit denen Milton ſeinen Gegnern zuſetzte, mißfallen.„Il réfuta Saumaise“, ſagt er,„comme une béte fèéroce combat un sauvage, livre(il faut l'avouer) aussi ridicule par le style que détestable par la matiére.“
**) Vom 24. Sept. 1654; ſ. Weber in Raumers hiſt. Taſchenbuch, Anmerkungen.


