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gerne aus Italien entfernt geſehen, oder ob Renata's Schwiegerſohn, der in Gemeinſchaft mit der berüchtig⸗ ten Katharina von Medizis, Franzz ll. Mutter, dieſen jugendlichen willenloſen König vollſtändig be⸗ herrſchte, die dem königlichen Blut entſproſſene Proteſtantin als Deckmantel ſeiner Gräuelthaten gegen die Calviniſten gebrauchen wollte, oder ob er ſich gar der heimlichen Hoffnung hingegeben, dieſelbe in den Schooß der herrſchenden Kirche zurückführen zu können, ſind Fragen, worüber die Geſchichtſchreiber keinen Aufſchluß ertheilen. Das aber unterliegt keinem Zweifel, daß der eifrigſte Verfolger der Calviniſten eine ſo eifrige Freundin derſelben von ſo hoher Herkunft unmöglich zur Rückkehr nach Frankreich konnte eingeladen haben, ohne einen argen Hintergedanken im Herzen zu bergen.
Obſchon alle dieſe bereits dargelegten Umſtände geeignet waren, die verwittwete Herzogin zum Abzuge aus dem Lande zu vermögen, in welchem ſie jetzt ſo vereinſamt daſtand, ſo ward es ihr doch ſchwer, ſich von ihren Kindern und von den vielen Herzen zu trennen, die ihr in dankbarer Liebe entgegenſchlugen. Sie konnte es nicht über ſich gewinnen, dieſen ſo wichtigen Schritt zu thun, ohne ihren bewährten und un⸗ beſtechlichen Gewiſſensrath darüber befragt zu haben. So legte ſie denn Calvin durch denſelben Boten, durch welchen ſie ihm das ihrem ſterbenden Gemahl gegebene Verſprechen reumuthig bekannt, auch dieſen ihren ſorgenvollen Plan vor. Der kluge und ſcharfſinnige Mann durchſchaut alsbald die Lage der Verhältniſſe und warnt ſie vor der Schlinge, die ihr gelegt zu werden ſchien, in dem eben zuletzt erwähnten Schreiben, mit einer apoſtoliſchen Wahrheitsliebe, von der wir nicht umhinkönnen, eine Probe folgen zu laſſen:„Was ihre Reiſe betrifft,“ ſo ſchreibt er,„welche Sie vorhaben, ſo muß ich Ihnen geſtehen, werden ſie im Vergleich zu ihrer harten und beklagenswerthen Gefan⸗ genſchaft, in welcher Sie ſich befinden und ſchon gar lange befunden haben, nicht viel gewinnen. Sie ent⸗ gehen nur einem Abgrunde, um in einen andern zu ſtürzen. Ich wenigſtens kann nicht einſehen, in welcher Hinſicht dieſer Umzug ihre Lage zu verbeſſern im Stande ſein ſollte. Die Regierung, an der man Ihnen verſpricht, Antheil geben zu wollen, iſt ja im Augenblicke in ſolchem Durcheinander, daß Jedermann ſich laut darüber empört. Freilich wenn Sie dort wären und man auf Ihr Wort achtete, würde es ſonder Zweifel nicht ſo ſchlecht hergehen; allein darum handelt es ſich bei dieſen Leuten nicht. Man will ſich ja nur mit Ihrem Namen decken, um den Jammer noch länger hinauszuziehen, der jetzt ſchon unerträglich ge⸗ worden. In ſolchen Wirrwarr ſich hineinbegeben, das heißt offenbar Gott verſuchen. Ich wünſche wahr⸗ haftig Ihr Beſtes und dies von ganzem Herzen. Aber wenn die hohe Stellung, die Sie in der Welt ein⸗ nehmen, Sie von Gott abhält, ſo wäre ich ein Verräther an Ihnen, wenn ich ſchwarz vor Ihnen für weiß ausgeben wollte. Wenn ſie feſt entſchloſſen wären, ſich vor aller Welt zu zeigen und mit mehr Freimuth⸗ als Sie es bisher gethan, ſo würde ich zu Gott flehen, Sie bald in einen noch größern Wirkungskreis zu verſetzen, als man Ihnen jetzt anbietet. Aber wenn Sie nur Amen ſagen wollen zu allem Unrechte vor Gott und den Menſchen, ſo ſage ich Ihnen nur, hüten Sie ſich, daß Sie nicht aus dem Regen in die Traufe gerathen. Ich will damit nicht ſagen, gnädige Frau, als riethe ich Ihnen länger in Ihrer bisherigen Skla⸗ verei zu verbleiben, oder darin einzuſchlummern; nein, Sie haben an Ihrer Vergangenheit mehr als ge⸗ nug. Ich bitte Sie nur, darin eine Aenderung vorzunehmen, daß ſie mit Bewußtſein Gott dienen and nach dieſem Ziele ſtreben, nicht aber eine ſolche, in welcher Sie ſich in Netze verſtricken, die Sie ſchwerlich zu zerreißen werden im Stande ſein und die ebenſo, ja noch ärger Sie umgarnen werden als die erſten. Wie dem auch ſei, jedenfalls dauert Ihr Siechthum zu lange. Wenn Sie daher kein Mitleid mit ſich ſelbſt haben, ſo ſteht zu befürchten, daß Sie zu ſpät ein Heilmittel gegen Ihre Krankheit in Anwendung bringen. Wahrhaftig Gott hat es Ihnen ſchon in ſeinem heiligen Worte genugſam eingeſchärft, daß unſer Erbtheil und unſre ewige Ruhe nicht hienieden zu finden und daß Jeſus Chriſtus werth iſt, um ſeinetwillen Frank⸗


