Müſſen wir die traurige Wahrheit eingeſtehen, daß bei ſo trefflichen Töchtern gegen eine ſo ausgezeich⸗ nete Mutter um der Religion willen keine vorwiegende Sympathie geherrſcht habe, ſo werden wir eine ſolche noch weniger bei den Söhnen derſelben gewahren. Von dem jüngſten Sohne Luigi iſt uns bekannt, daß er im Jahre 1565 in Begleitung Taſſo's, der bei dieſer Gelegenheit zum erſten Male der herzoglichen Familie vorgeſtellt wurde, als Cardinal an den Hof nach Ferrara gekommen. Ob er wol bereits mit dem Purpur bekleidet geweſen, als ſein Vater geſtorben? Gleichviel, mag er die Würde begleitet haben oder nicht, ein Candidat derſelben war er jedenfalls, und wenn er ſich für dieſe eben nicht unmöglich machen wollte, durfte er nicht im Entfernteſten irgend eine Uebereinſtimmung mit der Glaubensrichtung ſeiner Mutter an den Tag legen; ja es war ſicherlich ſchon für ſeine Laufbahn gefährlich, nur ein vertheidigendes und ent⸗ ſchuldigendes Wort für ſie zu reden.— Was nun aber ihren älteſten Sohn anlangt, ſo hatte die verwitt⸗ wete Herzogin auch von ihm keinen Schutz aus kindlicher Liebe zu erwarten. Er war freilich Herzog von Ferrara, aber es hielt ihm ohnehin ſchwer genug, ſich gegen die immer zunehmenden Gelüſte ſeines gefähr⸗ lichen Nachbarn und Gebieters zu halten, geſchweige denn daß er es gewagt hätte, irgendwie dem Willen desſelben entgegenzuhandeln. So mußte er denn auch in Verfolgung der Anhänger der Reformation gefü⸗ gig in die Fußſtapfen ſeines Vaters eintreten. Gleich nach dem Tode desſelben hatte er ſich beeilt ſeinen Oberlehnsherrn zu Rom den Huldigungseid darzubringen; zehn Tage war er in der heiligen Stadt geblie⸗ ben und überall freundlich aufgenommen worden; aber wegen des Rückfalles ſeiner Mutter hatte er aus dem hohen Munde ſeines Herrn ernſte Vorſtellungen hören müſſen, welche mit der geſchärften Mahnung ſchloſſen, daß er ſein Möglichſtes zur Rückführung derſelben zum Glauben der Kirche zu thun ja nicht unterlaſſen dürfe.) Wird er wol weniger Eifer dieſem mächtigen Befehle nachzukommen gezeigt haben, als ſein Vater?—
So war alſo Renata's Einfluß, den ſie bisher zum Schutze der verfolgten Glaubensgenoſſen in reichem Maße verwandte, dahin; ja ſelbſt für ihre eigne Perſon durfte ſie nicht mehr denſelben hoffen, wenn es dem Fanatismus der Inquiſition wieder belieben ſollte, die überſtandene Bedrängniß an ihr zu erneuern oder gar zu verſtärken. Verlaſſen von denen, mit welchen ſie durch die Bande des Blutes ſo enge verknüpft war, wer hätte ſie in Zukunft ſchirmen ſollen? In diefer ihrer beängſtigenden Lage kam ihr wahrſcheinlich der Herzog, um ſich ſelbſt dem Papſte gegenüber aus der Verlegenheit zu ziehen, mit dem Vorſchlage entgegen, in Betreff deſſen er wol ſchon mit der herrſchenden Partei in Frankreich unterhandelt haben mochte, daß fie ſich in ihr Vaterland auf ihre Güter zurückziehen moge. Die Unterhandlungen wenigſtens in Betreff dieſer Angelegenheit gingen durch ſein Cabinet und ſeine Geſandten. Ohne Zweifel lag ihm ſowol als den katho⸗ liſchen Parteihäuptern in Frankreich an ihrer Entfernung aus Itakien nicht wenig; ſonſt hätte man ſich nicht herbeigelaſſen, ihr die Ausſicht auf eine direkte Beheiligung an der Regierung vorzuſpiegeln, eine nicht geringe Verſuchung fur die eifrige Proteſtantin, der damit auch die willkommene Macht winkte, zur Erleich⸗ terung der Lage ihrer ſofort verfolgten Glaubensgenoſſen in ihrem Vaterlande etwas beitragen zu können. Freilich mag der Herzog für ſeine Perſon ungern in dieſen Vorſchlag gewilligt haben, wie dies Muratori geltend macht; allein es kann nicht geläugnet werden, daß die Augenzeugenſchaft der jetzt entſchieden refor⸗ mirten Mutter bei ſo manchen ſeiner vom Papſte diktirten Regierungshandlungen und ihr unverhehlter Ta⸗ del derfelben ihm ſehr läſtig und ein ſtarker Kühler ſeiner kindlichen Liebe ſein mußte. Aus welchen Grän⸗ den aber die Leiter der katholiſchen Partei in Frankreich jenes Verſprechen gegeben, ob ſie dies gethan im Einverſtändniſſe und mit dem Wunſche der römiſchen Inquiſition, welche dieſen Stein des Anſtoßes gewiß
1) Muratori. Ant. Est.
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