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glaube, Sie hätten von dem rechten Wege ſich entfernen müſſen, um der Welt Genüge zu leiſten; denn das iſt mir ein böſes Zeichen, daß die, welche Ihnen mit ſolcher Entſchiedenheit den Krieg erklärt hatten, um Sie von dem Dienſte Gottes abwendig zu machen, Sie jetzt in Frieden laſſen.— Uebrigens gnädige Frau iſt unſer guter Gott ſtets bereit, uns in Gnaden wieder aufzunehmen, und wenn wir gefallen ſind, ſo ſtreckt er ſeine Hand nach uns aus, damit unſer Fall uns nicht zum ewigen Verderben gereiche. Darum bitte ich Sie, faſſen Sie wieder Muth und wenn der Feind plötzlich Ihrer Schwachheit wegen einigen Vor⸗ theil über Sie errungen hat, ſo vergönnen Sie ihm nicht den gänzlichen Sieg; er möge fühlen, daß die⸗ jenigen, welche Gott aufgerichtet hat, doppelt geſtärkt ſind, um alle Kämpfe zu beſtehen. Denken Sie ernſt⸗ . lich daran, daß Gott, indem er die Seinigen demüthigt, ſie nicht auf immer verwerfen will. Das wird Ihre Hoffnung auf ihn kräftigen und Sie für die Zukunft um ſo mehr befeſtigen. Seien Sie verſichert, dieſelben Angriffe, in Folge deren Sie gewichen ſind, werden beſtändig auf Sie gemacht werden. Vergeſſen Sie doch nicht, wie viel Sie dem ſchuldig ſind, der Sie ſo liebevoll wieder erkauft und der Sie täglich zu ſeinem himmliſchen Erbe beruft. Er iſt nicht ein Meiſter, in deſſen Dienſt man etwas ſparen dürfte, zu⸗ mal, wenn wir darauf ſehen, welch herrlichen Ausgang die Schmach und die Betrübniß nimmt, die wir für ſeinen Namen leiden. So rufen Sie ihn denn an in dem Vertrauen, daß er Kraft genug hat, unſrer Schwachheit beizuſtehen. Nur der Sinn für das Himmliſche muß uns die Welt vergeſſen und verachten laſſen. Zeigen Sie, daß die Sehnſucht, Gott zu verherrlichen in Ihnen noch glüht und nicht ganz er⸗ loſchen iſt! Trachten Sie darnach, ich bitte Sie im Namen Gottes darum, von derſelben nicht blos für
Ihre Perſon Zeugniß zu geben. Geben Sie den Läſterern keine Veranlaſſung! Ich habe Ihnen das ſchon früher geſagt, vergeſſen Sie es nicht!“ 1)
In der That dieſe Mahnungen waren an der edeln Chriſtin nicht vergebens. Am 2. Juni desſelben Jahres ſchreibt ihr der Reformator:„Es freut mich, zu hören, daß Sie unaufßörlich ſeufzen und ſich alle Mühe geben Mittel und Wege zur genügenden Erfüllung Ihrer Pflicht zu finden. Das iſt die rechte Art des Ringens um die Nachfolge Chriſti. Freilich haben nicht Alle ſolchen Kampf zu beſtehen.— Sie ih⸗ rerſeits empfinden denſelben in höherm Grade als viele Andere; aber unſer gütiger Gott weiß wohl, warum er Sie ſo prüft; denn die Drangſal iſt wahrhaftig nichts anderes, als eine Prüfung Ihres Glaubens, Sie ſollen fühlen lernen, wie hoch der Schatz ihres Glaubens, das Evangelium, zu achten iſt, der in der Welt ſo ſehr verachtet wird. Nur verlieren Sie den Muth für die Zukunft nicht! mögen Sie auch noch ſo lange ſchmachten müſſen, ſo haben Sie immerhin einen guten Ausgang Ihrer Bedrängniß zu erwarten. Gott wird ſicherlich Ihre Seufzer endlich erhören, wenn Sie fortfahren Ihn um ſeine Handreichung zu bitten. Das darf indeß einzig und allein Grund und Urſache Ihrer Betrübniß ſein, daß es Ihnen nicht gelingen will, ſich mit ganzem Herzen der Verherrlichung ſeines Namens zu weihen. O eine ſolche Be⸗ trübniß iſt hundertmal koſtbarer, als die guten Stunden, welche diejenigen ſich machen, die mit ihrer Arm⸗ ſeligkeit in ſeinem Dienſte ſich ohne Weiteres zufrieden geben. Spähen ſie alle die gangbaren Wege aus, welche Ihnen Gott bieten wird, einen Schritt vorwärts zu thun!— Trachten Sie darnach, Tag für Tag alle Mittel zu verſuchen, welche uns auf dem rechten Wege weiter zu führen vermögen. Wie weit ſie auch noch vom Ziele entfernt ſind, ſo wird es doch nicht vergeblich ſein, nach demſelben zu ſtreben. Das End⸗ ziel unſeres Laufes iſt ſicher. Streben wir nur, wenn auch ſchwach, daſſelbe zu verfolgen! Dieſe Gewiß⸗ heit muß uns zur Ueberwindung aller Verſuchungen ſtärken.“ ²)
1) Lettres de Calvin. T. II. p. 5. 2) Lettres de Calvin. T. II. p. 57.


