Aufsatz 
Renata von Este, Herzogin von Ferrara : ein Lebensbild aus der Reformationsgeschichte / Franz Bluemmer
Entstehung
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ſtandhaft bei dem Bekenntniſſe ihres Glaubens, obſchon die Folgen ihrer unerſchütterlichen Glaubenstreue unausbleiblich waren. Alsbald riß man ihr die Kinder von der Seite und brachte die Töchter Lucrezia und Leonore in das Kloſterzum Leibe Chriſti. Sie ſelbſt aber ließ der Herzog es war am 7. Sept. 1854 durch den Biſchof Roſetti und den Ritter Ruggieri in einem Wagen in ein benachbartes Schloß bringen, in Begleitung von zwei einzigen Kammerfrauen, wo ſie ſtreng bewacht wurde und Niemand mit ihr verkehren durfte als ihr Hausmeiſter. ¹1) Auch ihre Diener und Dienerinnen mußte ſie als eine ſchutz⸗ loſe Heerde in Banden geſchlagen, der Tortur preisgegeben oder in Verbannung gejagt ſehen. Doch all dieſe harten Maßregeln, die Zudringlichkeit des Inquiſitors, die Vereinſamung ihrer Perſon, die Verfolgung ihrer Diener, ja ſelbſt die Wegnahme ihrer Kinder mochte ſie nicht mit ſolchem Kummer erfüllt haben, als die Hartherzigkeit und Gefühlloſigkeit ihres Gemahles, deſſen groben Fehlern ſie ſo oft mit Milde begegnet war, deſſen Gegenſtände der Liebe ſie ſogar mit Großmuth behandelt hatte.²)

In dieſer ihrer Herzensnoth wandte ſie ſich an ihren Seelſorger in der Ferne und bat ihn, ſtatt ſei⸗ ner einen Prediger zu ſchicken, der ſie durch den Troſt des Glaubens aufrichte in ihrem Kummer. Calvin, der ihr ſchon im Jahre 1541 Belehrung über die Meſſe und einige ſeiner Werke zur Befeſtigung im Glauben hatte zukommen laſſen, anwortet ihr am 6. Aug. 1554:³)Die Nachrichten, die ich von Ihrem Diener erhielt, gereichten mir zum Troſte; denn wenn Sie in großer Bedrängniß waren, ſo habe ich, ich kann Sie's verſichern, meinen guten Theil mit empfunden. Wollte Gott, ich könnte Ihnen in eigner Perſon beiſtehen; aber weil Gott mich hier gefeſſelt hält, ſo habe ich den Ueberbringer als den für Sie meiner Annſicht nach geeignetſten Mann gewählt. Ich glaube, daß er ſo paſſend für Sie iſt, daß Sie für ſeine Sendung Gott danken. Von dem Eifer und der Ergebenheit, mit welcher er Ihnen ſeine Dienſte weiht, können Sie ſich eine Vorſtellung machen, wenn ich Ihnen mittheile, er war, als ich ihm den Vorſchlag machte, augenblicklich bereit, lieber an Ihrem Kreuze mitzutragen und mit Ihnen in der Noth zu leiden, als gute Tage zu haben. Der Ueberbringer wird Sie auch in Kenntniß ſetzen, von dem vortrefflichen Frauenzimmer, das ſich für ſie gefunden und welches bereit iſt, in ihre Dienſte zu treten, wenn Sie es annehmen.)..... Ich bitte Gott, Sie in ſeinem Schutze zu halten, Sie durch ſeinen Geiſt zu re⸗ gieren und Sie in jedem Guten zu fördern, auf daß er immer mehr in Ihnen verherrlicht werde.

Wahrlich zu ſolcher Fürbitte bot die gegenwärtige Lage der bedrückten Frau Grund genug! Es be⸗ ſtieg jetzt der ehemalige Cardinal Caraffa, der Hauptrathgeber bei der Stiftung der Inquiſition und der unermüdliche Vollſtrecker derſelben als Paul IV.(1555 1559) den päpſtlichen Stuhl. Unter ihm begann die Verfolgung auf's Neue und noch heftiger zu wüthen. Es ſcheint, daß auch der Herzogin neue Drohun⸗ gen bereitet wurden und daß ſie durch dieſe geängſtigt und vielleicht von unwiderſtehlichem Verlangen ge⸗ trieben ſich des ſo lange entbehrten Anblickes ihrer Kinder wieder zu erfreuen in einigen Punkten Nach⸗ giebigkeit gezeigt habe. Bei der Nachricht von dieſem traurigen Ereigniſſe hatte Calvin an ſeinen Freund Farel geſchrieben:Von der Herzogin von Ferrara die traurige und nur zu ſichere Nachricht, daß ſie durch Drohungen und Vorwürfe überwältigt gefallen.) Auch ſchreibt er am 2. Februar 1555 an Re⸗ nata:Da ich bis beute noch nichts von Ihrem Zuſtande weiß, ſo moͤchte ich Ihnen kund thun, daß ich

1) Nardtori. G S. 389.

2) Münch.

3) Lettres de J. Calvin. T. I. p. 428. Die Briefe Calvins ſind noch nicht überſetzt.

4) R. hatte Calvin gebeten, ihr zwei Frauenzimmer zur Aufſicht über ihre Töchter zu empfehlen. A. d. O. p. 430. 5) Seuebier. Catalogue des Manuscrits dans la Bibliothéque de Genèéve. p. 274.