Aufsatz 
Renata von Este, Herzogin von Ferrara : ein Lebensbild aus der Reformationsgeschichte / Franz Bluemmer
Entstehung
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Frankreich ward jetzt vom Papſte geſchickt ins Complot gezogen. Dieſer ſandte ſeinen Inquiſitor Oriz, an den Hof zu Ferrara, welcher das Bekehrungswerk an der hartnäckigen Anhängerin der neuen Lehre voll⸗ ziehen ſollte. Glücklicher Weiſe iſt der Wortlaut der langen Inſtruktion auf uns gekommen, welche der In⸗ quiſitor jedenfalls durch Vermittelung des damaligen franzöſiſchen Geſandten am Hofe Erkole's, des Herrn von Limoges,¹) von dem Inquiſitionsgerichte zu Rom erhalten hatte. Wir geben aus dem langen Schreiben einen Auszug. ²)

Nachdem Oriz von dem Herzoge vernommen, was zu thun, wenn er die erſte Unterredung mit der

Herzogin hat, und nachdem er ſich genau über die Hauptpunkte unterrichtet, in Betreff welcher dieſelbe in Irrthum gefallen......., wird er ihr die eigenhändigen Briefe des Königs überreichen, ihr dann da⸗ bei zu verſtehen geben, Majeſtät habe gehört..... daß ſie ſich in das Labyrinth dieſer unglückſeligen, verfluchten, unſerm heiligen Glauben widerſtrebenden Anſichten habe ſtürzen laſſen; der König trage deßhalb ſolchen Schmerz, ſolche Trauer, ſolchen Kummer, daß es nicht möglich, einen Ausdruck für denſelben zu ſinden........ Wenn aber nach ſolchen Vorſtellungen, wie ſie ihr der Doctor Oriz uͤber ihren Zuſtand machen wird, um ſie zur Erkenntniß der Wahrheit und des Unterſchiedes, welcher zwiſchen dem Lichte und der Finſterniß herrſcht, zu führen, er erkennt, daß er ſie auf dem Wege der Milde nicht gewinnen und zurückführen kann; ſo wird er mit dem Herzoge in Erwägung ziehen, was durch Ernſt und Strenge zu thun möglich iſt, um ſie zur Vernunſt zu bringen. Fürs Erſte iſt der König der Meinung, daß der Herzog über jene Haupt⸗ punkte, worin ſie ſich im Irrthum befindet, durch beſagten Oriz Predigten halten laſſe, welchen er ſelbſt beiwohnt, und denen er auch die Herzogin, ſie mag Einwände oder Schwierigkeiten machen, welche ſie will, beiwohnen läßt. Hat er nun dieſes Verfahren einige Tage eingehalten und ſieht, daß man auf dieſem Wege der beſagten Frau nicht beikommen kann, ſo wird Oriz ihr in Gegenwart des Herzogs erklären, der König habe ihm ausdrückliche Vollmacht durch vorliegende eigenhändig unterzeichnete Inſtruktion, welche er ihr vorzeigen könne, gegeben, falls ſie eigenſinnig auf ihren Irrthümern beharren und ſich zum Gehorſam gegen die Kirche nicht herbeilaſſen ſollte.

Der König will und verlangt und bittet den Herzog auf das Nachdrücklichſte, daß er jene Frau an einem einſamen Orte von allem Umgange und jeglichem Verkehr mit Menſchen abſchließe, damit ſie Nie⸗ manden als ſich ſelbſt zu verderben im Stande ſei, ja daß er ihr ihre eignen Kinder und ihre Dienerſchaft, gleichviel von welcher Herkunft, wegnehme. Wenn dieſe von denſelben Irrthümern und falſchen Anſichten angeſteckt oder derſelben verdächtig befunden würden, möge er ihnen durch Oriz den Prozeß machen laſſen, der in dieſen Dingen Erfahrung hat, weil ſie in ſeiner Eigenſchaft als Glaubensinquiſitor im Koͤnigreiche zu ſeinem Geſchäftskreiſe gehören. Nach unterſuchter Sache möge er die Schuldigen mit einer exemplariſchen Strafe belegen. Jedoch bleibe dem Herzoge die Ausführung des Urtheils in Betreff der Perſon der Her⸗ zogin und ihrer Angebörigen überlaſſen, damit ſo die Sache, unbeſchadet der Gerechtigkeit, ohne öffentliches Aufſehen und ohne Beſchimpfung der Herzogin und ihrer Angehörigen abgemacht werde.

Die klaren Worte dieſer Inſtruktion bedürfen keiner nähern Erläuterung; ſie wurden alsbald in Voll⸗ zug geſetzt. Aber die Tochter Ludwigs XII. hatte einen zu hohen Geiſt und ein zu tief religiöſes, gottergebe⸗ nes Gemüth, als daß ſie ſolch unwürdigen Zumuthungen und Drohungen ſich willig fügte. Sie verharrte

1) Oeuvres de Rabelais. Espistre. xiv. 2) Le Laboureur. Additions aux Memores de Michel de Castelnau. T. f. p. 717.