— 20—
Morata. Weil er indeß auch hier fortfuhr zu predigen, ward er in eine einſame Zelle geſperrt. Verge⸗ bens verwendete ſich Renata im Verein mit den beiden obengenannten edeln Frauen bei dem Papſte Julius III. um Schonung ſeines Lebens; eines Morgens in der Frühe ward er zum Scheiterhaufen geführt, voſelbſt erdroſſelt und alsdann den Flammen übergeben.
Noch bekannter iſt der hülfreiche Antheil, den Renata an Celio Secundo Curione genommen. Zu Turin geboren ward dieſer intereſſante Mann ſchon vor 1530, als er nach Vollendung ſeiner Studien, um die ihm lieb gewordene neue Lehre beſſer kennen zu lernen mit einem gleichgeſinnten Freunde nach Deutſchland reiſen wollte, und ſich unvorſichtiger Weiſe mit demſelben in einen Disput über Glaubenspunkte eingelaſſen hatte, ergriffen und ins Gefängniß geſteckt. Durch Vermittelung ſeiner Gönner wieder befreit, brachte man ihn in eine Abtei, von wo er der Verbreitung des Evangeliums abermals verdächtig ins Malländiſche zu entfliehen ſich gezwungen ſah. Nach vielen wechſelnden Schickſalen, ward er wieder gefan⸗ gen genommen, befreite ſich aber durch eine Liſt und flüchtete nach Venedig und von da nach Ferrara. Die Herzogin, welche längſt mit ihm im Briefwechſel geſtanden und ſich als ſeine Schützerin erwieſen, nahm ihn huldreich auf. Er wohnte im Hauſe des Vaters der Olympia Morata, den er ebenfalls mit dem evangeliſchen Glauben gründlich bekannt und zu einem treuen Anhänger deſſelben machte. Kaum hatte er ſich hier ſo recht wohl gefühlt, als er zu ſeinem Schrecken wahrnahm, daß der Einfluß ſeiner hohen Gön⸗ nerin wohl ſchwerlich im Stande ſei ihm für die Zukunft zuverläſſigen Schutz zu gewähren. Obſchon feſt entſchloſſen im äußerſten Falle ſich den Häſchern muthig zu widerſetzen, hielt es doch auch dieſe für gerathen dem Verfolgten mit Empfehlungsbriefen und Wechſeln zur ſichern Flucht in die Schweiz zu verhelfen. Hier fand Celio alles nach Wuͤnſch und bald auch eine Anſtellung als Rektor des Lyceums zu Lauſanne und ſpäter als Profeſſor an der Univerſität zu Baſel, wo er 1569 ſtarb. Außer andern Schriften haben wir von ihm zwei Bände Pasquillen, lauter Satiren auf die ſchlechten Sitten der Zeit, namentlich aber der Mönche. ¹)
Bei Aufzählung der evangeliſchen Männer, welche ſich die hochherzige Frau nicht ſcheute offen zu be⸗ günſtigen, obgleich der Umgang mit ihnen allein ſchon Verdacht und Gefahr bringen konnte, dürfen wir beſonders einen nicht vergeſſen, der zu Rom für ſeine Glaubenstreue den Tod erlitten, von dem wir eben⸗ falls auf das Beſtimmteſte wiſſen, daß er ſich eine Zeitlang an dem Hofe von Ferrara aufgehalten. Es iſt Aonio Paleario, ein erleuchteter Mann, der philologiſch und theologiſch hochgebildet, von den berühm⸗ teſten Zeitgenoſſen geachtet und geliebt, ſeine Stelle als Profeſſor der alten Sprachen verließ, um ſich unge⸗ ſtört der Verkündigung des göttlichen Wortes hingeben zu können. Außer einem Gedichte„über die Un⸗ ſterblichkeit der Seele“ verfaßte er ein Buch„von der Wohlthat Chriſti“, das ungemeines Aufſehen in ſeinem Vaterlande erregte und ihn zugleich der Inquiſition bekannt machte. Mehrmals auf ſeinen Apoſtelwegen zur Verantwortung wegen ſeines Glaubens gezogen, ward er endlich zu Rom eingekerkert und hauchte daſelbſt, nachdem er von ſeiner Gattin und ſeinen Kindern in noch vorhandenen Briefen rührenden Abſchied ge⸗ nommen, am Galgen ſen edles Leben aus; ſein Körper wurde, noch zuckend, in die Flammen geworfen (am 1. Juli 1570).²)
Durch den brieflichen und perſönlichen Verkehr mit dieſen und ſo vielen andern dem römiſchen Hofe verhaßten Anhängern der Reformation, denen ſie allen mehr oder weniger ihren Schutz und ihre Hülfe an⸗
1) MECrie. S. 73, 99, 181, 377. 2) Aonio Paleario von Jules Bonnet. Ueberſ. von Merſchmann. S. 261.


