Aufsatz 
Renata von Este, Herzogin von Ferrara : ein Lebensbild aus der Reformationsgeschichte / Franz Bluemmer
Entstehung
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tiſchen Gemeinde zum erſten Male das Abendmahl unter beiderlei Geſtalt empfing und in der Abſicht nach der Schweiz ſeine Schritte zu lenken, ſeinen Abſagebrief vom Papſtthum zurückließ. Auf dem Wege dahin traf er ſeinen Freund Ochino, einen gleich ausgezeichneten Prediger, der als Ordensgeneral der Kapuziner wegen Hinneigung zur Ketzerei nach Rom zur Verantwortung war gezogen worden. Ernſte Geſpräche der beiden Freunde vermochten auch ihn ſtatt ſüdlich zu ziehen nach der Schweiz zu eilen und ſtatt ſeiner eben⸗ falls einen Abſagebrief zurückzulaſſen. Ochino nahm ſeinen Weg über Ferrara und durch den Beiſtand der Herzogin, die ihm zur Flucht behülflich war, entwiſchte er den zu ſeiner Ergreifung abgeſchickten Bewaffne⸗ ten und erreichte glücklich Genf. Auch ſeinem Freunde Pietro, der bei ihr am Hofe Zuflucht geſucht hatte, gab dieſe Empfehlungsbriefe mit, durch welche er im September 1542 wohlbehalten nach Zürich gelangte.¹)

Ein anderer trefflicher Mann, der zwar nicht in ſeinem Leben, aber noch nach dem Tode ſeines Glaubens wegen verfolgt wurde, hatte ſchon durch ſeine Stellung am Hofe zu Ferrara als Leibmedikus des Herzogs ſich des beſondern Schutzes ſeiner Gebieterin zu erfreuen. Er war eine von jenen ſchüchternen Naturen, welche einen offnen Kampf mit der Hierarchie nicht wagten, auf der andern Seite aber von Herzen der Lehre des Evangeliums und den angeſehenſten Anhängern desſelben Freund. In der Abſicht, ſein Scherflein für die Verbreitung ſeiner Ueberzeugung beizutragen, gab er ein Gedicht heraus, in welchem er das menſchliche Leben mit den zwölf Zeichen des Thierkreiſes verglich. Dieſes Buch iſt voller Klagen über die verderbten Sitten der Welt überhaupt, beſonders aber der geiſtlichen; zugleich giebt der Verfaſſer oft ſeine Uebereinſtimmung mit den Lehren des reformirten Glaubens und ſeine Freude über die Verbreitung deſſelben zu erkennen. Um verſteckt zu bleiben, und im Leben ſeiner Ruhe zu genießen, verſetzte er bei der Herausgabe jenes Gedichtes die Buchſtaben ſeines eigentlichen Namens Pietro Angelo Manzelli in Marzellus Palingenius. Das Buch ward ſelbſtverſtändlich in den Index der verbotenen Bücher ge⸗ ſetzt; die Gebeine des Verfaſſers aber, der nach ſeinem Tode entdeckt wurde, grub man aus und verbrannte ſie, weil als ketzeriſche des Scheiterhaufens würdig, zu Aſche.²)

Auch Marco Antonio Flaminio, als zarter lyriſcher Dichter bekannt, welcher den Märtyrertod Savonarola's verherrlichte und ſpäter Profeſſor der ſchönen Wiſſenſchaften zu Bologna ſich aus ſeinen Schriften als Proteſtant erweist, obgleich er äußerlich Katholik geblieben, war mit der Herzogin brieflich verbunden.

Iſt uns von den Beiden letztgenannten nicht bekannt, daß Renata dieſelben thatſächlich unterſtützt, ſo wiſſen wir dagegen, daß ſie an dem hart verfolgten Faventino Fanino mittelbar und unmittelbar den wärmſten Antheil genommen. Es ſcheint, daß dieſer Märtyrer dem Bürgerſtande zu Faenza angebört habe. Er hatte, durch die Leſung der Bibel und anderer religiöſen Werke zur Erkenntniß der Wahrheit gekommen, es gewagt, dieſe ſeinen Nachbarn mitzutheilen und war deßhalb bald gefänglich eingezogen worden. Seiner Freunde, ſeiner Frau und Kinder willen, die ihm zuſetzten, erkaufte er ſeine Freiheit durch Widerruf, welche Treuloſigkeit gegen die Wahrheit ihn jedoch in eine tiefe Schwermuth verſetzte. Als er ſich von ſeiner Ge⸗ müthskrankheit wieder erholt hatte, ließ er ſich durch nichts abhalten mit verdoppeltem Eifer das Evangelium zu verkünden. Sofort ward er abermals in Feſſeln geſchlagen und nach Ferrara ins Gefängniß gebracht. Hier beſuchten ihn alsbald im Auftrage der Herzogin die Prinzeſſin Lavinia Della Rovera und Olympia

¹) Ueber die fernere Wirkſamkeit dieſes Rüſtzeuges der Reformation ſ. Peter Martyr Vermigli. Leben und ausgewäͤhlie Schriften von Dr. C. Schmidt. GElberfeld. 1858. 1) Lilius Giraldus. De poëtis sui aevi. Dialogus II. Opera p. 569.

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