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in der Nähe von Reggio bereitet¹). Daß er in Genf glücklich angekommen und auf Farels Zureden ſich dort niedergelaſſen, iſt männiglich bekannt.
Aber auch in der Ferne ſuchte ihn Renata als ihren Seelſorger auf.„Wie auf die zuverläſſigſte Stütze lehnt ſie ſich von nun an auf ihn in jeder Angſt und Noth, die über ſie ergeht. In den unzähligen Verwickelungen, in die ihr ſeltſam gewendetes Leben ſie hineinführt, ſtreckt ſie bittend ihre Hand aus nach ſeinem Rathe und ſeiner Leitung. Er iſt der Mann ihres Vertrauens, dem ſie über Alles das Herz aus⸗ ſchüttet, auch wo ſie weiß, daß ihr Gefühl nicht ganz mit dem ſeinigen zuſammenſtimmen wird, und dem ſie wiederum geſtattet, mit der vollſten Offenheit zu ihr zu reden, ſie zu ſtrafen und zurecht zu weiſen, wie irgend eines der geringſten Gemeindeglieder.“²) Dieſe Worte Stähelins ſprechen treffend den Inhalt und Charakter der 12 Briefe aus, welche von Calvins Hand an die Herzogin geſchrieben auf uns gekommen ſind und welche uns einen tiefen Einblick in die reine Seele der edeln Frau und manchen Anhaltspunkt für ihre Lebensgeſchichte gewähren. Wir werden die Gelegenheit nicht unbezeichnet laſſen, wo der raſtloſe Ver⸗ theidiger des Evangeliums, deſſen letzter in franzöſiſcher Sprache geſchriebene Brief drei und zwanzig Tage vor ſeinem Ende von ſeinem Sterbebette aus diktirt an ſie gerichtet war, ſegensreichen Einfluß auf ihr in⸗ neres oder äußeres Leben geübt hat.
Obſchon die Herzogin jetzt von italieniſchen Kammerfrauen umgeben war,) die man ihr zugeſellt, um ihre politifchen und religiöſen Geſinnungen und Thaten auszuſpioniren, ſo fuhr ſie doch nach wie vor fort ihre Anhänglichkeit an die calviniſche Lehre zu bethätigen. Waren es jetzt nicht mehr ihre Landsleute, die ſie um ihren Schutz anflehten, ſo gab es bald auch bei den Eingebornen des Landes Männer genug, die um ihres Glaubens Willen Verfolgung litten und des Schutzes und der Hilfe bedurften. Die neue Lehre hatte bereits erfreuliche Verbreitung gefunden, ſo daß alle größern Städte Anhänger derſelben zählten, ja ſogar der Orden der Dominikaner und Franziskaner von ihr ſtark ergriffen war. Das hatte die Curie von Rom nicht wenig beängſtigt; Papſt Paul III. war deßhalb mit dem finſtern Cardinal Caraffa(ſpäterem Papſte Paul IV.) und dem damals in der heiligen Stadt ſich aufhaltenden Stifter des Jeſuitenordens Ignaz Loyola zu Rathe gegangen und man war zu dem Reſultate gekommen, daß gegen die Ketzerei das ſicherſte Mittel der Krieg ſei. So ward denn durch die Bulle vom 21. Juli 1542 die römiſche Inquiſition, die „Congregatio Sancti Officii“ eingeſetzt, aus ſechs Kardinälen beſtehend, an deren Spitze Caraffa. Dieſer brachte das„heilige Werk“ bald mit rückſichtsloſer Strenge in Ausführung. Dieſe Maßregel wirkte im italie⸗ niſchen Lande als ein zweiſchneidiges Schwert, welches eine Scheidung zwiſchen den ächten und unächten Gliedern der evangeliſchen Kirche hervorbrachte, und bei deſſen Erhebung gar viele evangeliſche Vereine aus⸗ einanderſtoben. Auch Renata hatte nun Gelegenheit zu zeigen, ob ſie zu den ächten gehöre.
* Noch in demſelben Jahre traf die Verfolgung zwei hervorragende, außerordentliches Anſehen genießende Männer, Pietro Vermigli(Peter Martyrgenannt) und Ochino. Der Erſte war ein äußerſt feuriger und ausgezeichneter Redner, der ſchon früher wegen reformatoriſcher Predigten zur Rechenſchaft gezogen, nun als oberſter Viſitator aller Klöſter des Auguſtiner⸗Ordens in Italien als Hauptſchuldner der Anhänglichkeit des Volkes von Luca, wo er ſeinen Sitz hatte, an die neue Lehre vor das Inquiſitionsgericht gefordert ward. Statt ſich zu ſtellen, entſagte er ſeinem Amt, begab ſich nach Piſa, wo er in einer kleinen proteſtan⸗
1) Calvin au val d'Aoste par Jules Bonnet. Paris. 1861.
2) Stähelin. B. 1. S. 95. 3) Oeuvres de Rabelais Paris. 1837. Epistres. III.


