Aufsatz 
Renata von Este, Herzogin von Ferrara : ein Lebensbild aus der Reformationsgeschichte / Franz Bluemmer
Entstehung
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Car rien qu'elle aime, il ne scauroit gouster:

C'est la geline, à qui l'on veut oster

Tous ses poussins, et scorpions bouster Dessoubs son aisle.

C'est la perdrix, qu'on veult en la tonnelle Faire tomber. Mais que ne pense en elle Le roy de qui la bonté fraternelle

Nous invoquons?

Voudroit-il bien à beilleurs de bouccons

Donner lui-meme à garder ses flaccons?

Francs et loyaux autour d'elle vacquons, C'est son dèécore.

Im Uebrigen erlebte die Herzogin von dieſem ihrem Schützlinge keine Freude. Die Lehre Calvins war in das Herz des leichtfertigen Dichters nicht tief eingedrungen. Von Venedig begab er ſich nach Genf, von wo er wegen anſtößigen Lebenswandels ausgewieſen wurde. Es gelang ihm von König Franz wieder in Gnaden angenommen zu werden, dem zu Liebe er mit demſelben Leichtſinne dem Calvinismus abſchwor, mit welchem er denſelben angenommen hatte. Obſchon als Dichter wegen der Leichtigkeit ſeiner Verſe und ſeiner Sprache, wegen des Witzes und der Feinheit ſeiner Gedanken, wegen der Maſſe ſeiner poetiſchen Werke, die faſt alle dem frivolen Geiſte ſeiner Zeit huldigen, früher allgemein geprieſen, traute man ihm doch jetzt nirgends mehr und er fand ſich genöthigt ſeine Sicherheit jenſeits der Alpen zu ſuchen und ſtarb zu Turin (1544),nachdem er nie aufgehört hatte, dem Publikum Aergerniſſe zu geben, bewundert von ſeiner Na⸗

tion, als wäre er der größte Dichter ſeiner Zeit geweſen, um ſeiner Talente willen von Vielen geliebt, ge⸗ achtet vermuthlich von Keinem.)

Nur Jamet, Marot's Freund, war der Herzogin geblieben, die ihn zu ihrem Secretär annahm. Wahrſcheinlich erſchien er zu unbedeutend, als daß man ſich veranlaßt gefühlt hätte, auch ſeine Entfernung ausdrücklich zu verlangen. Wir wiſſen von ihm, daß er 1559 ſeiner tiefbekümmerten Herrin eine Botſchaft an ihren Seelſorger in Genf beſorgte.

Dagegen war es bei jener von den katholiſchen Mächten feſtgeſetzten Maßregel, welche der Herzogin ſo vielen Kummer bereitete, beſonders auf den Mann abgeſehen, dem ſie ihre Befeſtigung im reformirten Glauben zu verdanken hatte, auf Calvin. Wie ſehr hätte ſie bei den jetzigen und den noch in reichem Maße folgenden Leiden ſeines Troſtes und ſeiner Aufrichtung bedurft! Aber er konnte nur durch eine gewaltſame Weiſe den Händen der Inquiſitionshäſcher entriſſen werden. Die Herzogin hatte ihm, ſo erzählt Muratoris), als die ſicherſte Wohnung den alten Palaſt des Magiſtrats angewieſen. Hier ward er von den Scherge der Inquiſition überfallen und auf das Schleunigſte nach Bologna abgeführt, wo das Gericht des heiligen Offiziums auf ihn wartete. Aber die Herzogin, welche von dem Anſchlage rechtzeitig Kunde erhalten, berei⸗ tete im Voraus die nöthigen Gegenmaßregeln vor. Wie Luther auf ſeiner Rückreiſe vom Reichstage zu Worms ward der Gefangene auf dem Wege von verkappten Rittern unvermuthet aufgegriffen, die ſeine Be⸗ gleiter verſprengten und ihn ſelbſt auf geheimen Wegen nach Modena in Sicherheit brachten. Auf ſeiner Weiterreiſe über die Alpen hatte ihm ſeine beſorgte Schülerin wiederum eine Zufluchtsſtätte in einem Dorſe

1) Boutterwek: Geſchichte der Künſte und Wiſſenſchaften. Göttingen. 1806. Bd. 5. 2) Annali d'ltalia T. 48. p. 181.