Aufsatz 
Renata von Este, Herzogin von Ferrara : ein Lebensbild aus der Reformationsgeschichte / Franz Bluemmer
Entstehung
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ſie Erkole, den ſchwachen Bundesgenoſſen, zu dem geheimen Verſprechen, alle Franzoſen von dem Hofe zu Ferrara zu entfernen. Allein dieſe geheime Beſtimmung blieb bald nicht mehr geheim; Erkole führte dieſelbe mit einer Gewiſſenhaftigkeit und Härte aus, daß er vor der Welt den gänzlichen Mangel an Rückſicht für die allgemein geehrte Herzogin ſattſam bewies. Renata mußte den herben Schmerz erleben, ſich von ihrer treuen langjährigen Freundin und deren Familie getrennt zu ſehen. Dieſe wandte ſich nach Frankreich, all⸗ wo ſie mit den Ihrigen unwandelbar dem Glauben Calvins und ſeiner Perſon ergeben blieb. Leider lebte die edle Frau nicht mehr lange; ihre Tochter jedoch und ihr Sohn, Johann von Sonbiſe, der neben den wackerſten Vertheidigern der Reformation als Kriegs⸗ und Privatmann eine ehrenvolle Stelle einnimmt, blieben mit dem, der ſie im Evangelium am Hofe zu Ferrara unterrichtet und beſtärkt, bis an ſein Ende in innigem Briefwechſel verbunden. ¹)

Auch Clement Marot ward genöthigt, Ferrara zu verlaſſen. Es iſt rührend die poetiſche Epiſtel zu leſen, welche er nach dieſer ſeiner Verbannung als Antwort auf einen ähnlichen poetiſchen Erguß ſeiner Beſchützerin, der Königin von Navarra, von Venedig aus ſchrieb, wohin er ſich zunächſt geflüchtet hatte. Wir können es nicht unterlaſſen, hier einige Strophen anzuführen, in denen er die Leiden der bedrängten Herzogin ſchildert: ²)

Ha, Marguerite! escoute la souffrance Du noble cueur de Renée de France; 5 Puis comme soeur plus fort que d'esperance Console la..

Tu scçais comment hors son pays alla,

Et que parens et amys laissa;

Mais tu ne sçais quel traitement elle a En terre estrange.

De cent couleurs en une heure elle change,

En ses repas poires d'angoisses mange,

Et en son vin de larmes faict melange, Tout par ennuy.

Ennuy receu du costé de celui

OQui estre deust sa joye et son appuy,

Ennuy plus grief que s'il venait d'aultruy, Et plus à craindre.

Elle ne veoit ceulx à qui se veult plaindre,

Son euil rayant si loing ne peult attaindre,

Et puis les monts, paur ce bien luy estraindre, Sont entre d'eux.

Peu d'amys à quiconque est loin d'eux.

Le roy ton frére, et toy et tes neveux,

Estes les saints, ou elle fait ses voeux A chacune heure.

De France n'a nul Grand qui la sequeure,

Et des petits qui sont à la demeure,

Son mary veut sans qu'un seul y demeure, Ladrebouster.

1) Leitres de Calvin. 2) Oeuvres de Clément Marot par Auguis. Paris. 1823. T. 2.