Aufsatz 
Renata von Este, Herzogin von Ferrara : ein Lebensbild aus der Reformationsgeschichte / Franz Bluemmer
Entstehung
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benswürdigen Sitten, der aus Neigung die Künſte und Wiſſenſchaften förderte, ja ſogar als Schriftſteller in die Oeffentlichkeit trat. Nach dem Tode ſeines Vaters(1534) ſtand ihm Nichts mehr im Wege, ſeiner und ſeiner Gemahlin äſthetiſcher und literäriſcher Neigung Genüge zu leiſten.

Es konnte ſich nicht fehlen, daß unter ſolchen Umſtänden Renata ſich am rechten Orte fühlte. Auf der andern Seite gewann ſie durch ihre Tugendhaftigkeit, ihr den Geiſt und die Liebenswürdigkeit Frankreichs und Italiens in ſich vereinigendes Weſen, ihre Milde und Großmuth, fern von aller Frivolität und getragen voon einem tiefen religiöſen Ernſte nicht nur die Hochachtung und Liebe ihres Gemahls, ſondern auch aller Geiſter, welche mit ihr in Beziehung traten. Die Folgen dieſes uneigennützigen Wetteifers der beiden Gatten waren daher auch bald ſichtbar; zu keiner Zeit hatte Ferrara einen ſo glänzenden Kreis von Gelehrten ver⸗ einigt geſehen, wie unter der Regierung Exrcole's II. Schrieb man doch umfangreiche Bücher über die Na⸗ men und die Verdienſte der Meiſter der Wiſſenſchaften und Künſte, welche ſich damals in jener Stadt zu⸗ ſammen fanden.¹) Daß dieſe Männer alle in dankbarer Geſinnung zu ihrem edeln Fürſtenpaare aufblickten, das beweiſt eine Anzahl von Zueignungen verſchiedener Werke, von Briefen und Gedichten, worin demſelben Lob und Dank ausgeſprochen iſt, oder doch ſonſt wie Zeugniß von ſeiner verdienſtvollen Wirkſamkeit im Reiche des Geiſtes gegeben wird. Insbeſondere ſei hier eine Stelle erwähnt, wo der hohe Name der Her⸗ zogin nicht nur im hellſten Lichte, ſondern gewiß auch am würdigſten Orte glänzt. Andrea Bruccioli ließ nämlich 1540 eine italieniſche Ueberſetzung der Bibel nach dem hebräiſchen Texte im Drucke erſcheinen, um auch dem Volke den göttlichen Inhalt des goldnen Buches zugänglich zu machen; er widmete ſie ſeiner Gön⸗ nerin in einem vorgedruckten Briefe, in welchem er derſelben die rauſchendſten Lobſprüche auf ihre Geburt, ihren unerſchütterlichen Muth, ihre tiefen Kenntniſſe, ihre innige Gottes⸗ und zärtliche Nächſtenliebe ſpendet.

So waltete denn ein ſchönes Zuſammenleben der beiden Eheleute, deren Glück bald durch die Geburt eines Sohnes erhöht wurde, dem noch ein zweiter und drei Töchter folgten. Der älteſte Sohn erhielt den Namen ſeines Großvaters Alfonſo, der andere, nachmals Kardinal, hieß nach Renatas Vater Luigi, die älteſte Tochter wurde nach deren Mutter Anna, die zweite zu Ehren der Großmutter väterlicher Seite Lucre⸗ zia und die letztgeborene zu Ehren der zweiten Gemahlin Franz I. Eleonora genannt. Sie waren alle von ausgezeichneter Schönheit, ſo daß Brantome ſie geradezudas ſchönſte Geſchlecht Italiens nennt, und die⸗ ſem ihrem Aeußern entſprachen die Anlagen ihres Geiſtes. Von einer Mutter wie Renata, welche ſogar durch die mannigfaltigen Zerſtreuungen des vielbewegten üppigen Lebens an ihrem Hofe ſich nicht abhalten ließ den Wiſſenſchaften zu leben, die ſich ſelbſt in der Aſtrologie*) durch den berühmteſten Lehrer derſelben Lucio Gaurico zu vervollkommnen ſuchte, läßt es ſich erwarten, daß ihr die allſeitige Ausbildung ihrer Kinder auf das Wärmſte am Herzen gelegen, zumal da zu dieſem Behufe die beſten Lehrkräfte der Univerſität zu Ge⸗ bote ſtanden, von welchen die geeignetſten für die verſchiedenen Unterrichtsfächer auserkoren wurden. Als Lehrer der herzoglichen Kinder werden genannt: CelioCalcagnini, Lilio Giraldi, Bartolomeo Riccio, Man⸗ celli Palingenio, Marco Antonio Flaminio, Kilian und Johann Sinapi(Deutſche und Brüder), Fulvio Peregrino Morato(Hofmeiſter der jüngern Brüder des Herzogs).

1) Lilio Giraldi de scriptoribus Ferrarensibus, ebenderſ. de poëtis nostri temporis. Ferner Hieronymus Baruffaldi dis- sertatio de poëtis Ferrarensibus u. ſ. w.

2) Nanke in ſeiner Geſchichte der Päpſte B. 1 S. 243 bemerkt:Der Einfluß der Geſtirne auf den Erfolg der menſchlichen Thätigkeit ward in dieſer Epoche wenig bezweifelt. Papſt Paul III. unternahm keine wichtige Sitzung des Conſiſtoriums, keine Reiſe, ohne die Tage zu wählen, ohne die Conſtellation beobachtet zu haben.