Aufsatz 
Renata von Este, Herzogin von Ferrara : ein Lebensbild aus der Reformationsgeschichte / Franz Bluemmer
Entstehung
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gem Ton gehalten iſt. ¹²) Es dürfte die Leſer intereſſiren die Beſchreibung der Feſtlichkeiten zu hören, wie ſie uns Muratori hinterlaſſen hat.Bei dieſer Gelegenheit ſchreibt er,ſandte der Herzog, Vater des Prin⸗ zen, der Prinzeſſin Schwiegertochter einen Schmuck im Werthe von 100,000 Goldſcudi. Endlich nachdem der Prinz vom Könige, ſeinem Schwager, unglaubliche Ehrenbezeugungen erfahren, rüſtete er ſich zur Ab⸗ reiſe nach Italien mit der königlichen Gemahlin, welche 14 Edelfräulein in prächtiger franzöſiſcher Tracht im Gefolge hatte. In Reggio empfing ſie Herzog Alfonſo, begleitet vom glänzendſten Adel und am 12. November deſſelben Jahres traf die Prinzeſſin in Modena ein, wo ſie unter einem herrlichen Thronhimmel ſitzend vom Volke und der Geiſtlichkeit empfangen wurde. Vom Thore Skt. Auguſtin bewegte ſich der Zug nach dem Dom; der Prinz, ihr Gemahl ritt voran, dann folgte die Prinzeſſin auf einem wunderſchönen Zelter, begleitet von dem Herzog zur Rechten und von Hippolito deſſen Sohn, der Erzbiſchof zu Mailand war, zur Linken. Bis zum 22. deſſelben Monates verweilten ſie in dieſer Stadt, wo alles voll Heiterkeit und Jubel war. Man hatte dieſelbe prächtig geſchmückt; großartige Feſte, Tänze, Gaſtmäler, Bälle verherr⸗ lichten die Freude des Feſtes; kaum zu beſchreiben war die Menge der Geſchenke, welche von Gemeinden und Privaten dem Prinzen und ſeiner Gemahlin gemacht wurden. Noch weit großartiger aber waren die Feſt⸗ lichkeiten und die Pracht, mit der am Ende dieſes Monates ihr Empfang in Ferrara gefeiert ward. Von Modena erhielt ſie von den Geſandten Frankreichs, Venedigs, der Stadt Florenz und anderer Herrſchaften das Geleite; bei der entzückenden Anhöhe des Belvedere, wo ſie anhielt, wurde ſie in einem prächtigen Bu⸗ centauro über den Po in die Stadt gefahren. Unter dem Geläute aller Glocken und dem Donner zahlreicher Geſchütze, die an den Ufern des Po und an den Bollwerken der Feſtung aufgeſtellt waren, zog ſie unter ei⸗ nem Thronhimmel ein, eine goldne Krone auf dem Haupte. Hierauf ging es weiter in einer Sänfte durch die Hauptſtraßen der Stadt, die mit rothen, weißen und grünen Tüchern ausgeſchmückt waren, umgeben ovon 80 Edelknappen, die karmoiſinroth gekleidet rothe Barette und rothe Stäbe trugen.

Solch glänzender Abſchied von dem alten und ſolch prachtvoller Empfang in dem neuen Vaterlande ſchienen für die Neuvermählte eine freudenreiche Zukunft verheißen zu wollen. In der That waren auch viele Bedingungen gegeben dieſe herrlichen Ausſichten zu verwirklichen. In dem ſchönen Italien blühten damals Kunſt und Wiſſenſchaft in hohem Grade, und der Aufſchwung und die Regſamkeit der Geiſter, welche einzig in ihrer Art ſich entfalteten, der bis zur Leidenſchaft ſich ſteigernde Wetteifer der vielen einzelnen Höfe und vor⸗ nehmen mächtigen Familien, mit welchem dieſelben unter den größten Geldopfern alle Beſtrebungen feiner geiſtiger Natur unterſtützten und hoben, mußten das wiſſensdurſtige Herz der Kronprinzeſſin mit größter Freude erfüllen. In dieſem edeln Wetteifer hatte ſich der Hof von Ferrara ſeit Ercole II. die Würde als Herzog erhielt, vortheilhaft ausgezeichnet, und die Univerſität, welche die Reſidenz zierte, gehörte nicht unter die un⸗ bedeutendſten der italieniſchen Halbinſel. Leſen wir ja, daß die zahlreichen engliſchen Studenten daſelbſt eine eigene Landesmannſchaft bildeten. ²) Freilich ruhte die Pflege des Geiſtigen auf einer breiten Grundlage fri⸗ voler Sinnlichkeit, ſtaunenswerthen Luxus und ſträflicher Unſittlichkeit, zu welcher Ercole's berüchtigte Mutter am Hofe zu Ferrara ihr gutes Theil beigetragen hatte; allein ſtark an Geiſt und Herz hatte Renata die daraus entſpringenden Gefahren für ſich nicht zu fürchten. Zudem kam ihr in ihren geiſtigen Beſtrebungen ihr Gemahl freundlich entgegen. Er war ein Mann von außergewöhnlicher Schönheit,³) von feinen und lie⸗

1) Oeuvres de Clement Marot par Auguis. Paris 1823 T. II. 2) Münch.

3) ſ. Brantôme:un des beaux princes d'talies, et des sages ct généreux.