Aufsatz 
Renata von Este, Herzogin von Ferrara : ein Lebensbild aus der Reformationsgeschichte / Franz Bluemmer
Entstehung
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neuen Lehre freudig für dieſelbe Vaterland, zeitliches Wohlbehagen, Hah und Gut und ſelbſt das Leben da⸗ hingaben. Wahrlich ſolche Opferfreudigkeit mußte bei ihr Bewunderung für die Sache erzeugen, welche zu ſolchem Muth zu begeiſtern im Stande war!

Unter dieſen Verhältniſſen hatte Renata ihr ſiebenzehntes Jahr erreicht. Man ſollte glauben, eine ſolch ausgezeichnete Jungfrau wäre einzig und allein um ihrer Vortrefflichkeit willen von einem Manne geſucht und gefunden worden. Allein die Diplomatie, welche ſie ſchon als Kind von drei Jahren als ihr blindes Werkzeug zu behandeln gewagt, ſchonte ihrer auch jetzt nicht. Wie wir nämlich aus verſchiedenen Schrift⸗ ſtellern,*) insbeſondere aber aus den Briefen Ludwig's XlII. ²) erſehen, hatte ſie, kaum drei Jabre alt, ihr Vater aus politiſchen Gründen mit Karl von Oeſtreich(nachmals Karl V.) verſprochen; ſpäter waren mit dem Infanten Ferdinand von Spanien, mit Heinrich VIII. von England, mit dem Markgrafen Joachim von Brandenburg diplomatiſche Unterhandlungen in Betreff der Verheirathung Renata's gepflogen worden. Nachdem nun alle dieſe Vermählungspläne, wie ſie aus äußern Gründen waren entworfen worden, aus ähnlichen(gegen Markgrafen Joachim, den Beſchützer der Lutheraner, ſprachen religiöſe) ſich zerſchlagen hatten, ward Kronprinz Ercole von Ferrara auf Renata's Hand aufmerkſam gemacht. Er war der Sohn und ſpäter der Thronfolger Alfonſo's I., Herzogs von Ferrara und der berüchtigten Lucrezia Borgia. Sein Vater hatte Frankreich während der Kriege in Italien die wichtigſten Dienſte geleiſtet, und umgekehrt hatte Ferrara den Annexionsgelüſten der Päpſte gegenüber ³) an Frankreich eine kräftige, unent⸗ behrliche Stütze. Aber Franz I. hatte auch noch beſondere Gründe ſeine Schwägerin an einen ohnmächtigen Fürſten zu verheirathen. Bei der Vermählung Ludwigs XII. mit Anna von Bretagne war nämlich in Be⸗ zug auf das reiche Erbe der Königin, das Herzogthum Bretagne, die Beſtimmung getroffen worden, daß auf Lebzeiten dieſe den Genuß desſelben haben, nach ihrem Tode aber es als förmlichen Beſitz das zweite Kind ererben ſolle. Das zweite Kind war aber Renata, und es lag ſo ſehr Franz am Herzen die läſtige Erbin des Juweles ſeiner Krone an einen Mann zu vergeben, der die Anſprüche derſelben ihm gegenüber nicht geltend zu machen vermochte, daß ſogar der Connetable von Bourbon, der es gewagt hatte um ihre Hand zu werben, dieſelbe erlangt haben würde, wenn er nicht durch eine anderweitige Liebſchaft ſich lächer⸗ lich und unmöglich gemacht. So erhielt denn Ercole von Renata in eigner Perſon zu Paris in feierlicher Weiſe das Ehegelöbniß am 30. Juli 1527. Daſſelbe war durch Ercole's Bruder, den Kardinal Hippolito II. vermittelt und durch eine uns bei Muratori ¹) aufbewahrte Uebereinkunft zwiſchen Clemens VII., dem Könige von Frankreich, dem Könige von England, dem Herzoge von Mailand, den Republiken Venedig und Florenz und dem Herzoge von Ferrara in demſelben Jahre beſtimmt worden. Als Mitgift wurden ihr 50,000 Thaler in Gold, für die Abtretung der Bretagne aber das Herzogthum Chartres und die Grafſchaft Montargis nutz⸗ nießlich angewieſen, welche eine Rente von 10,000 Thalern in Gold abwarfen. ³)

II. Die Herzogin. Noch vor Ablauf eines Jahres am 28. Juni 1528 fand die Trauung zu Paris unter großen Feſt⸗ lichkeiten ſtatt. Clément Marot verherrlichte dieſelbe durch ein Hochzeitsgedicht, das jedoch in ſehr ſchlüpfri⸗

1) Brantôòme, Muratori u. ſ. w.

2) Lettres de Louis XII. T. III. Bruxelles 1712.

3) die ſich ſchon 1597 erfüllten, wo Papſt Clemens VlIII., als die legitimen Erben des Thrones ausgeſtorben waren, ohne Rückſicht auf den durch Alfonſo II. beſtimmten Nachfolger zu nehmen, das Herzogthum Ferrara zum Kirceüose ſchlug,

4) p. 34t. 5) Bernier p. 454. vgl. Muratori.