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schichte der Menschheit nirgends einen Mann aufzuweisen hat, um dessen Persönlichkeit sich ein räumlich so umfassender Sagenkreis gewoben, wie um Alexander, dessen Name in Sage und Lied von Europa's äusserstem Westen bis in die Mitte Asiens gefeiert ist!
Die Sage fand aber ihre Nahrung nicht nur in der Eigenthümlichkeit des Charakters ihres Helden, sondern auch in der ganz besondern Beschaffenheit der Quellen, aus denen die Geschichte desselben sich ergibt Während nämlich bei den meisten epochemachenden Persönlichkeiten gleich- zeitige Geschichtschreiber reichen Stoff für die Beurtheilung derselben bieten, sind von Zeitgenossen Alexanders nur wenige bruchstückliche Nachrichten auf unsere Zeit gekommen, und diese wenigen Reste sind in einem so eigenartig wundersüchtigen Tone gehalten, dass der Geschichtsforscher bei ihrer Ausbeutung aller Aufmerksamkeit und Vorsicht bedarf, un nicht Falsches und Wahres mit einander zu vermengen. Auch befanden sich die Biographen des wundersamen Mannes, von denen die meisten seine Thaten selbst gesehen, in solchem Widersprüche, dass Arrian, ihr treuester Benützer, sich der wehmüthigen Klage nicht enthalten kann: 001]= oo mroh e Ti aeinee e STTyhsvo de ers esa,e e e ArA⁵νάα ι d2 zal ara Og ToÖo, aeS, änon Ae agnThxyro ³). So sind es fast ausschliesslich secundäre und tertiäre, ja noch spätere Quellen, auf welche der Forscher in Betreff des Lebens Alexanders angewiesen ist. Dass aber bei diesen die historische Wahrheit noch getrübter erscheinen muss, ist, wenn man die wunderumduftete Färbung der Urquellen und das unwillkürliche und ab- sichtliche Ab- und Zuthun ihrer Nutzniesser in Erwägung zieht, selbstverständlich.
Bei solch beklagenswerthem Zustande der Urgeschichte darf es daher Niemanden Wunder nehmen, wenn die Urtheile der Geschichtschreiber unserer Tage über diesen grossen Mann in schneidendem Widerspruche stehen und dies nicht nur im Grossen und Ganzen, sondern auch im Kleinen und Einzelnen. Baut sich ja das Totalbild aus den einzelnen Zügen auf und steht es erst dann in voller Wahrheit vor unserm Auge, wenn diese der Wirklichkeit getreulich entsprechen. Es wird daher die besondere und nächste Aufgabe der Freunde der Alexanderge- schichte sein, die einzelnen Thatsachen seines sagenumwebten Lebens mit der grössten Aufmerk- samkeit und Unparteilichkeit zu verfolgen, den Kern derselben seiner vergoldeten Schale zu ent- kleiden und ihn so in seiner wahren, unverhüllten Natürlichkeit darzulegen, unbekümmert darum, ob er in dieser seiner prosaischen Nacktheit unserm ästhetischen Gefühle zusagt oder nicht
Eine der auffälligsten Begebenheiten in der Geschiehte des grossen Feldherrn ist sein denkwürdiger Zug nach dem Ammonium, jenem geheimnissvollen Sitze eines weithin verehrten Orakels, im nordöstlichen Theile der gefahrvollen Wüste Sahara, in der Oase Siwa gelegen, jenem berühmten Tempel des Jupiter Ammon, als dessen Sohn der ebenso kluge als tapfere Mann sich erklären liess. Ein sterblicher Mensch von sterblichen Eltern geboren bei lebendigem Leibe zum Gotte erhoben!— das war bis jetzt in der europäischen Geschichte noch nicht erhört worden. Was hat den kühnen Sterblichen zu diesem vermessenen Schritte bewogen? Werden die übrigen Glieder des Menschengeschlechtes diese Ueberhebung eines ihrer Gattung sich ruhig gefallen las- sen? Wird sich daraus ein tragischer Konflikt entwickeln? Wird der Held aus der bedenklichen Lage, in welche er durch den kühnen Griff gerathen, siegreich hervorgehen? Das sind Fragen, welche bis jetzt eine ausschliessliche Erwägung noch nicht gefunden, welche aber sicherlich so- wohl an sich selbst als in Bezug auf die Alexandergeschichte einer eingehenderen Untersuchung werth erscheinen. Wenn indess der Verf. sich derselben unterzieht, so ist er weit entfernt zu
¹) Arr. Anab. 13.


