Vorwort.
Zeiten hinab und Zeiten hinan, tönt ewig Homerus
Einiges Lied; ihn krönt jeder olympiſche Kranz.
Lange ſann die Natur, und ſchuf; und als ſie geſchaffen,
Ruhete ſie und ſprach:„Einen Homerus der Welt!“ Herder(Literatur und Kunſt, 10. Thl. S. 59).
Wer mit dem weltberühmten Vater der helleniſchen Dichtkunſt, einem der glücklichſten Günſtlinge der Zeit, Bekanntſchaft macht, bei dem greift alsbald die Erkenntniß Platz, daß in den ewig herrlichen Geſängen desſelben die ſogenannten Epitheta eine bedeutende Rolle ſpielen. Letztere dienen ja zur Hervorhebung der Eigenthümlichkeiten der Dinge, insbeſondere zur Markierung der Herkunft und Verwandtſchaft, der Stellung und des Berufes, des Aufenthalts und der Lebensverhältniſſe, der körperlichen und geiſtigen Eigenſchaften der in den Werken des urzeitlichen Dichters auftre⸗ tenden Perſonen. Bei der hervorragenden Bedeutung, welche„der große Sänger der Ilias und Odyſſee“ den Beiwörtern verliehen hat, verdienen dieſelben beſondere Aufmerkſamkeit, und wird es, denke ich, Niemanden Wunder nehmen, daß ich mich der Mühe unterzogen habe, die von dem„Concertmeiſter des alten Geſanges“*) gebrauchten Epitheta zuſammenzuſtellen. Einen Theil dieſer Zuſammenſtellung lege ich in den folgenden Blättern nieder. Möge die Gabe von den Verehrern der Homeriſchen Muſe freundlich entgegengenommen werden!
Was die Anordnung des reichlichen Stoffes betrifft, ſo habe ich eine leichte Ueberſichtlichkeit da⸗ durch zu erreichen geſucht, daß ich die Beiwörter, welche Homer den Perſonen in der Ilias und Odyſſee ertheilt hat, thunlichſt nach der Reihe des Alphabets ordnete.
Bezüglich der beigefügten Ueberſetzung in unſere Sprache darf ich nicht unerwähnt laſſen, daß die Verdeutſchung, die ſich unmittelbar an den griechiſcheun Ausdruck anreiht, von mir ſtammt. Außer meiner
*) Herder, Literatur und Kunſt, 10. Thl. S. 291.


