Aufsatz 
Das Oxforder Summer Meeting von 1901 als Volksbildungsmittel und sein Wert für die deutschen Lehrer des Englischen / von J. Luley
Entstehung
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ja das ganze Bildungsbestreben Jung-Englands verdienen unsere volle Aufmerksamkeit und ein gründlicheres Studium als das meinige es war und sein konnte. Ich hätte viel- leicht tiefer in das Ganze hineingeblickt, wenn mein Sinn früher darauf gerichtet worden wäre; denn erst allmählich kamen mir die Einheit des Meetings und die Bedeutung der Bewegung, die sich zum Teil vor unseren Augen abspielte, zum Bewusstsein.

Den Wert des Meetings für uns Lehrer des Englischen lege ich nach den in der Einleitung ausgesprochenen Gesichtspunkten dar: 1. Sprachstudien, 2. Sachstudien.

Nach Massgabe des Studienplans hatte jeder Teilnehmer des Meetings Gelegen- heit, täglich mindestens 5 volle Stunden hindurch Vorträge zu hören. Unter Bezugnahme auf meine Ausführungen zu dem Lehrplan von 1901 darf ich wohl sagen, dass die grosse Mannigfaltigkeit der Stoffe es uns ermöglichte, einen überaus grossen Wortschatz zu hören und so manches Wort, manche Phrase und die Aussprache zahlreicher Wörter unmittelbar aufzunehmen. Der Wechsel der Dozenten und Redner in den Konferenzen war eine treffliche Schule für das Ohr. Die für dieStudents allsonntäglich eingerichteten Gottesdienste wirkten in dieser Richtung ebenfalls sehr günstig. Die Predigten waren länger, als es sonst im englischen Gottesdienste üblich ist, und die Prediger gehörten zu den bedeutendsten Kanzelrednern Englands.

Auch Gelegenheit zur Konversation wurde geboten. Dozenten und Mitglieder des Oxforder Comités liessen sich gern in Gespräche ein über mannigfache Fragen des englischen Bildungswesens u. dergl. Der Suchende fand auch Gelegenheit zu Gesprächen mit anderenStudents vor und nach den Vorlesungen, auf Spaziergängen, den Garten- festen, Ausflügen und den Conversaziones. Dieser Verkehr hat wohl manchem von uns die Anknüpfung von Bekanntschaften ermöglicht, die auch späâter wieder nutzbar gemacht werden können. Kommen zu dem, was im letzten Jahre geboten wurde, künftig noch zweckmässig eingerichtete sprachliche Ubungen und wird das Pensionswesen etwa in der Weise geregelt, wie ich oben ausgeführt habe, so wird wohl keine Stadt Englands und keine Veranstaltung so vorteilhaft für unsere sprachliche Weiterbildung sein als Oxford und wohl auch Cambridge und die Summer Mectings. Noch bedeutender war der Wert des Meetings in Bezug auf Erweiterung unserer Sachkenntnis. Fast alle Zweige der Wissenschaſten waren in dem Programm von 1901 vertreten. Enthielten die Vorträge auch vieles uns längst Bekannte, so gab es doch auch gar manches zu lernen oder wenigstens unter neuen Gesichtspunkten zu hören. Ganz gewiss hat jeder Teilnehmer des Meetings reiche Anregungen erhalten zu fernerem Studium auf dem Gebiete der englischen Geschichte, Litteratur und Volkskunde und auch manchen guten Wink in Bezug auf geeignete Bücher erhalten.*) Eme reiche Ausbeute wurde uns mõöglich gemacht in der Volkskunde. Das Zusammenstrémen von Engländern aus allen Teilen des Inselreiches, aus allen Stämmen regte naturgemäâss zu Beobachtungen im Gebiete der Rassenkunde an, liess uns Blicke thun in das Wesen der verschiedenen Stämme, aus denen das englische Volk sich gebildet hat. Trotz der Jahrhunderte langen Staatszusammengehôérigkeit und des ausgeprägten Nationalbewusstseins scheinen sich die einzelnen Stämme nicht nur den âusseren Typus

*) Die sog. Syllabuses, mehr oder weniger erweiterte Dispositionen, waren besonders wertvoll durch zahlreiche Litteraturangaben.