41
feiner ist als Fussball, verdiente eine grössere Pflege bei uns. Mit Vergnügen gab ich mich, unterwiesen von 2 Freunden, der Beobachtung des Spiels und der spiel- und bei- fallsfreudigen Menschen hin. Gemessen und doch heiter und zwanglos in dem Benehmen, das ist der Eindruck, den ich von Spielern und Zuschauern mitgenommen habe.
Wohl an wenigen Orten ist es möglich, die Vorliebe der Engländer beiderlei Geschlechts für den Wassersport und das Leben„auf dem Wasser“ so zu beobachten als in Oxford. Wer einige Ruderpartieen oder Bootfahrten auf Themse und Cherwell gemacht hat, wird Jjeromes humorvolles Buch„Three Men in a Boat“ mit grossem In- teresse lesen und die Lektüre desselben in der Schule lebendig und anschaulich zu leiten vermõögen.
Ferner lässt sich von Oxford aus eher ein Blick in das englische Landleben thun als von der Riesenstadt London, über deren Weichbild man während seines Lon- doner Aufenthaltes doch kaum hinauskommt. An der Themse auf und abwärts befinden sich einige idyllisch gelegene„inns“. Von historischem Interesse sind das nahe gelegene Woodstock, das herrliche Schloss Blenheim, die Belohnung für den Sieger bei Blenheim. Ausserdem ist die Heimat des englischen Dichterfürsten nicht feorn. Man sieht, es war Verlockendes genug da, um die Stunden, die uns Vorlesungen und häusliche Arbeit frei liessen, angenehm und nutzbringend verleben zu lassen.
Zum Schlusse mõöchte ich meine Ansichten über den Wert des S. M. zu- sammenfassend darlegen und zwar nach den aus dem Titel dieser Arbeit erkennbaren Gesichtspunkten. Wer wollte leugnen, dass die englische Extension Movement, von der die Summer Meeétings einen Teil bilden, von ausserordentlicher Bedeutung für die Ent- wickelung des englischen Volkes ist? Ich denke, die gegebenen Beispiele zeigen, dass dort nicht oberflächlich und planlos, sondern gründlich, zielbewusst, systematisch gear- beitet wird an der intellektuellen, sittlichen und wirtschaftlichen Hebung des Volkes. Die weiten Kreisen gewährte erweiterte Bildung, die Anregung des Bildungsbedürfnisses müssen ihre Früchte tragen. Sie geben nicht nur weiten Kreisen ein höheres Mass von Geistes- und Herzensbildung und fördern sie in ihrem Berufsleben, als Glieder des Staates und als Menschen; sie sind meines Erachtens auch geeignet, die geistige Kluft zwischen Gebildeten und Ungebildeten von heute gerade dadurch, dass sie nicht die die Gesamtheit geistig trennende Fachbildung, wohl aber eine auf breiter Grundlage ruhende allgemeine Bildung vermitteln, auszufüllen, zu überbrücken und so die geistige Einheit des gesamten oder wenigstens eines sehr grossen Teiles des Volkes herzustellen und zu erhalten. Dies kann die Bewegung um so mehr, als die Lehrenden dieselben sind, die den obersten Kreisen des Volkes an der Universität Lehrer und Berater sind. Wahrlich, den Lehr- körpern der Universitäten Oxford, Cambridge und London ist damit eine grosse Macht in die Hände gelegt, und es darf und soll auch gesagt werden, dass sie der übernom- menen Verpflichtung mit grossem Eifer, mit Freuden, ja mit Opferwilligkeit obliegen.
Auch die„Students“ scheinen eifrig und freudig zu arbeiten. Die Professoren verkünden dies, und was ich sah und hörte, stimmt im ganzen hiermit überein. Fast. alle Hörer folgten den Vorträgen mit gespannter Aufmerksamkeit und Interesse, wenn auch hier und da eine junge Dame mit leidlicher Geschicklichkeit das Aussere des Vortragenden skizzierte, statt dessen Geist auf sich wirken zu lassen. Die ganze Extension Movement,


