Aufsatz 
Das Oxforder Summer Meeting von 1901 als Volksbildungsmittel und sein Wert für die deutschen Lehrer des Englischen / von J. Luley
Entstehung
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in den letzten 10 Jahren hierin mehr geschehen als in seinem ganzen früheren Leben. Mr. Toynbee habe 1880 den Genossenschaftlern zugerufen, ihre Hauptaufgabe solle die Er- ziehung ihrer Mitbürger sein. Sie hätten seitdem versucht, ihre Mitglieder zu lehren, dass ihre Pflicht nicht bloss darin bestehe, an den Zahltisch zu gehen und den Gewinn einzustreichen. Von verschiedenen Seiten wurde dann noch der Wunsch ausgesprochen, dass es gelingen mõöge, in den besitzenden Klassen mehr Interesse an der Erziehung des Volkes zu wecken und in den arbeitenden Klassen das Verlangen nach besserer Bildung wachzurufen und zu stärken.

Diese Konferenz ist meines Erachtens in vielen Punkten lehrreich für den, der sich das Studium des englischen Volkes zur Aufgabe gemacht hat. Sie zeigt, wie viel- seitig bei unseren Vettern an der Hebung der Bildung des Volkes, namentlich der un- teren Schichten gearbeitet wird. Die Art, wie dies ausserhalb der staatlichen Organe geschieht, gewährt uns einen Einblick in den englischen Staatsgedanken, der mir indes in der Umbildung begriffen zu sein scheint. Nehmen wir dann noch die Ergebnisse der Konferenz über die Education Ladder hinzu, so dürfen wir uns vielleicht ein Urteil bilden über die guten und schlimmen Seiten dieser Auffassung von Staat und Regierung. Wir können den Gemeinsinn und die selbstlose Mitarbeit Privater bewundern, finden aber in dieser zu- sammenhanglosen Arbeit den Schlüssel für die Systemlosigkeit des englischen Schul- wesens und für das, was Mr. Talbotoverlapping and competition nannte, vielleicht auch dafür, dass in England trotz der alten Kultur so lange Zeit nichts für die allgemeine Volksbildung geschah.

Ich wende mich nun dem KapitelSocial Economics zu. Die Vorträge und Konferenzen auf diesem Gebiete erfreuten sich eines ausserordentlich zahlreichen Be- suches. Und das mit Recht. Für uns Fremde war die Teilnahme an denselben ausser- ordentlich lohnend, da sie vielfach Einblicke gewährten in das Leben, die Bestrebungen und die Denkweise des englischen Volkes.

In 3 Vorlesungen sprach Mr. Hudson Shaw über John Kuskin alsMan,

alsProphet und alsProse Writer.

Der Redner scheint ein ausserordentlich beliebterLecturer zu sein. Er machte auf mich den Eindruck eines geistreichen, feurigen Kopfes, infolge seines Temperaments etwas geneigt, sich in Gegensätzen zu bewegen, in lebhaften Farben zu schildern. Er entledigte sich seiner schwierigen Aufgabe mit grossem Geschick, dank, wie es mir scheint, seiner mit Ruskin wahlverwandten Natur.

Einleitend besprach er Ruskins Stellung in seiner Zeit und bezeichnete ihn als den genialsten Mann der englischen Rasse im Zeitalter der Königin Victoria. Seit den Tagen von Thomas Moore habe kein Engländer einen so tiefgehenden und weit ver- breiteten geistigen Einfluss auf sein Volk ausgeübt wie er. England habe in jener Zeit keine anziehendere, interessantere Persönlichkeit, sowohl in ihrer Stärke als in ihrer Schwäche besessen als ihn. Trotzdem habe R. viele Gegner gehabt. Mr. H. Sh. suchte dies zu er- klären durch die kühne, rücksichtslose Kampfesweise des im Umgang überaus harmlosen Mannes, durch die Mannigfaltigkeit der von R. behandelten Fragen, die Regellosigkeit und Zusammenhanglosigkeit in seinen Schriſten, die Eigenartigkeit des Stiles, die dem Leser oft Schwierigkeiten bereitet, die lange Dauer seiner schriftstellerischen Thätigkeit,