20
hineinzuleben.„Lieblich und melancholisch fliessen die Verse dahin, wenn Tennyson die Hoffnung der G., der kleinen, seltsamen Elfe schildert, die so schön ist, wie nie eine war.“— Ferner betonte Mr. Powys die ausserordentliche Gabe Tennysons, zauberi- sche Landschaſten zu gestalten. Hierin stehe er einzig da. An einigen Beispielen aus, den Idylls of the King veranschaulichte er dies den Hörern.
Zum Schlusse wandte sich der Redner noch einmal der Hauptgestalt der Dich- tung zu, in der sich das ganze Gedicht konzentriert. Der Ausgang des Epos sei durch den dem König beigemischten germanischen Typus bedingt. Der Zweifel bleibe im Kampfe bis zum Ende.„Tennysons Optimismus“, sagte Mr. Powys,„ist kein wohl- feiler; er wird nur durch ein gewaltiges Ringen erworben.“ Der Schluss wurde etwa folgendermassen skizziert:
Als alles verloren ist, ruft Artus aus:„Ich fand ihn(Gott) in den Sternen, ich fand ihn in den Blumen, aber ich finde ihn nicht auf den Wegen der Menschen.“ Voller Zweifel, hoffnungslos sieht er, wie die Menschen um ihn dahinsterben und die Toten noch wie trauernd zum Himmel hinauf schauen. Doch da stehen die Toten auf. Geister kommen. Die Menschen scheinen tot und doch rufen sie. Als dann alles vor- über ist, erscheint ein Zwerg. Artus sieht nur noch zwei Menschen am Leben. Die Zweifel in seiner Brust aber klingen aus wie eine Versöhnung, enden mit einem Siege der Pflicht.
„Der Schluss des Gedichtes“, sagte der Redner,„ist ein Denkmal des grossen Stiles und der hohen Philosophie des Dichters.“
Interessante, auf gründlichen litterarischen Studien beruhende, und teilweise auch aus poetischem Empfinden hervorgewachsene Darbietungen waren auch die übrigen von mir gehörten Vorträge. Am wenigsten behagte mir die Vorlesung über das Nibe- lungenlied. Sie ruhte zwar litterarhistorisch auf gutem Grunde, liess aber meines Erachtens nach der poetischen Seite zu wünschen übrig. Das Motiv der Treue trat neben den beiden Motiven der Liebe und des Hasses völlig in den Hintergrund, und die hier in Betracht kommenden Partieen kamen darum nicht genügend zur Geltung.— Auf die Vorlesungen über Milton kann ich leider nicht eingehen, da ich zu meinem Bedauern am Besuch der ersten verhindert war. In der zweiten erwies sich Mr. Sélincourt als ein Mann von feinem poetischen Geschmack und als Meister der englischen Sprache.
Die Gruppe„Modern Scientific Advance“ darf ich wohl kürzer behandeln, da sie für uns Sprachlehrer von geringerem sachlichem Interesse ist. Die Ausführungen waren indessen sehr klar und anschaulich, namentlich in den Vorlesungen über ver- schiedene Fragen der Astronomie. Treffliche Lichtbilder und zahlreiche weithin sichtbare Tabellen unterstützten die Worte der Redner. Ich glaube, die Vorträge haben ihre Aufgabe, einen Einblick in diese Fragen zu geben und zu fernerem Studium anzuregen, gewiss erfüllt. Uns Neusprachlern brachten sie eine hübsche Bereicherung des Wortschatzes. Anfanglich hinderten technische und andere weniger gebrâuchliche Ausdrücke das Ver- stehen ein wenig; aber bald wurde dieser Ubelstand namentlich durch die Veranschau- lichungen, welche die Sache neben das Wort stellten, beseitigt. Die Vortäge waren andererseits auch wieder angenehm für das noch wenig geübte Ohr infolge der in der Sache liegenden langsameren Vortragsweise. Ich gestehe gerne, dass mir diese Vor- lesungen, namentlich die des Herrn Dr. Fison, angenehme Stunden bereiteten.


