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wahren Ziele der Reformpartei waren eben nicht national, sondern feudal. Der Adel trachtete darnach, sich von seinen Steuern zu befreien, nicht aber das Volk, und sein Bestreben, die vormalige feudale Anarchie wiederherzustellen, war reaktionâr, nicht na- tional.— An der Hand der verschiedenen Artikel wies dann Mr. J. nach, dass fast alle von dem Adel aufgestellten Forderungen in seinem eigenen Interesse lagen. Nur eine Forderung war wirklich national, die Freiheit zu reisen. Diese aber nützte dem Volke nichts.— Der Redner führte dann noch die Behandlung der Steuerfrage, der Besteuerung der Städte im Laufe des 13. Jahrhunderts als Beweis für seine Auffassung an. Diese Frage tauchte nämlich ein Jahrhundert hindurch nicht mehr auf und zwar, weil der Sieger kein Interesse daran hatte. Wenn man auch zugestehen muss, dass Johann im Unrecht und der Adel im Rechte war, so darf uns dies nicht verleiten zu sagen: Die dem König abgerungene M. C. brachte dem englischen Volke Freiheit, eine nationale Verfassung. Letztere wurde Stück für Stück in den folgenden Jahrhunderten errungen. Die M. C. eröffnete nicht ein neues Kapitel in der Entwicklung der englischen Verfassung, sie schloss nur ein altes, die Allmacht des Königtums.„The M. C. is not the charter of national: freedom, but the great charter of the feudal aristacracy“, sagte Mr. Jenks. Sie hat sehr wenig für das Volk gethan. Das fühlte man auch bald nachher, schuf neue Verfassungs- bestimmungen, und von der Verfassung von 1215 ist thatsächlich nichts gelassen worden.
Diesem etwas langen Bericht über die geschichtliche Abteilung des Meetings lasse ich einiges über die litterarische Gruppe folgen. Die litterarischen Vorlesungen behandelten die epische Litteratur in Europa. Von den in der allgemeinen Ueber- sicht verzeichneten Vorlesungen besuchte ich nur I, 5, 6, 7, 9, 10, 14 und 15. Sie waren insgesamt treffliche Leistungen, teilweise Meisterstücke der Rhetorik.„Epic poetry, with special reference to Dante“, wurde von dem feinsinnigen Bischof von Ripon behandelt. Diese Vorlesung war eine wahre Perle, voll tiefer Empfindung und mit Begeisterung in einer wahrhaft dichterischen Sprache vorgetragen, fesselnd von Anfang bis zu Ende. Der Redner stellte und beantwortete die Fragen: Wo ist der Held? Wer ist der Held? Ist der Dichter Dante geeignet, der Held eines epischen Gedichtes zu sein? Er sprach von dem inneren Antrieb des Dichters zur Schaffung seines grossen Werkes, von Dantes Christentum, das er als Reaktion gegen ein Christentum der Gewalt bezeichnete, wie der Dichter es in seiner Zeit sah. Als Epos im gewöhnlichen Sinne des Wortes, erklärte der Redner, könne die„Divina Comõdia“ nicht bezeichnet werden, da sie erstens keinen wirklichen Helden enthalte und zweitens die Ereignisse ganz anders geartet seien als bei einem gewöhnlichen Epos. Der Held der Div. Com. sei so zu sagen passiv; er sei kein bestimmter Mensch, sondern die menschliche Seele, gezwungen zu einer langen Pilgerschaft. Gebe man aber dem Worte„Epos“ eine weitere und freiere Deutung, dann sei Dantes Werk ein Epos und zwar eins der grössten der Welt. Die Div. Com. sei aber mehr als episch, sie sei mystisch und übersinnlich, sie sei das Gedicht der mensch- lichen Seele. Der Vortragende sprach dann von der Dantes Werk durchziehenden Auf- richtigkeit. Diese sei„most absolute and simple“. Ferner behandelte er das Malerische in dem genannten Epos, sprach von der Dreiheit, die sich vielfach in demselben zeigt


