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Kirche war zwar eine vortreffliche Missionskirche, aber es fehlte ihr an organisatorischer Fähigkeit. Letztere aber war der rémischen Kirche in hohem Masse eigen, und von der kirchlichen Einheit ging ein starker einigender Trieb auf den Staat aus.“ Als Beweis für diese Auffassung führte der Vortragende die verschiedenartige staatliche Entwicklung von England und Irland an. Die centrifugale Tendenz der irischen Kirche sei seiner Meinung nach zwar nicht die einzige, wohl aber die bedeutendste Ursache dafür, dass Irland sich nicht wie England zu einem einheitlichen Staate entwickelt habe. Ein Sieg der keltischen Kirche würde daher für die Nation unfruchtbar geblieben sein.
Mr. Marriott wandte sich dann dem Organisator der englischen Kirche, dem Erzbischof von Canterbury, Theodor von Tarsus zu, den er als„an organising genius“ bezeichnete. Der Schilderung des Mannes folgte die Darstellung seines Werkes. Dieses, die Organisation der englischen Kirche, sei nach römischem Muster geschaffen. Die Kirchenorganisation habe England zur Einheit geführt. Das von Th. v. T. geschaffene System sei geblieben bis auf den heutigen Tag. Damals habe sich auch schon der nationale Charakter der englischen Kirche gezeigt. Eine Berufung auf Rom in einer Streitfrage sei angesehen worden als ein„insult to the national character“. Uberhaupt habe sich der antipäpstliche Charakter eines Gliedes der christlichen Kirche zuerst in England gezeigt.„Die von Th. v. T. der Kirche verliehene Einheit“, schloss der Vor- tragende,„machte es jener mõglich, eine so bedeutsame nationale Aufgabe zu erfüllen. So hat die englische Kirche beigetragen zur Schaffung des englischen Staates.“
In der 2. Vorlesung griff Mr. M. noch einmal auf die angelsächsische Periode zurück. Er führte etwa folgendes aus: In der Zeit vor der normannischen Eroberung bestandozwischen Kirche und Staat vollste Harmonie. Sie waren gleichsam nur zwei Ansichten desselben Körpers. Die Bischöfe waren Mitglieder des Witenagemots. Die Geistlichkeit hatte zwar eigene Gerichtshöfe, aber nur für„spiritual offences“. Die Bischöfe lebten in völliger Eintracht mit den weltlichen Behörden. Die Kirche war in hohem Grade national. Das Verhalten der Bischöfe und Könige gegenüber dem päpstlichen Stuhle war„perfectly respectful“.
Die normannische Eroberung brachte in kirchlichen Dingen mehrere bedeutende Veränderungen. Sie erzeugte eine Krisis in Staat und Kirche zugleich. Lanfranc ist nicht als der Gründer der englischen Kirche anzusehen, ebenso wenig als die normannische Eroberung der Anfang der englischen Geschichte war. Beide, Wilhelm und Lanfranc, bezeichnen aber bedeutende Punkte in der Krisis von Englands Staat und Kirche.
Ausser den oben behandelten Verhältnissen der vornormannischen Kirche in England sind für das Verständnis der weiteren Entwicklung die normannischen Beziehungen zum päpstlichen Stuhle vor der Eroberung zu berücksichtigen. In seinen Ausführungen über die Beziehungen der Normannen in Italien zu dem Papsttum erklärte der Redner, sei„mutual selfinterest“ der starke Grund gewesen, auf dem das Bündnis ruhte. Dies sei auch zu berücksichtigen in dem Verhältnis Wilhelms zu dem Papste, das charakterisiert ist durch die Erteilung des päpstlichen Segens für Wilhelms Unternehmen gegen Eng- land.— Alsdann wurde die antienglische, normannenfreundliche Politik Eduards des Be- kenners, sowie die Beziehungen von Kirche und Staat des damaligen England zu dem Papste geschildert.


