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mit der Entwickelung des englischen Staates betrachten. Er beabsichtige aufzuweisen, welchen Anteil die englische Kirche an dem Werden der englischen Nation habe, ge- denke zu zeigen, welche Dienste die kirchlichen Staatsmänner des Mittelalters der Sache der politischen Freiheit und der Entwicklung des erst im Entstehen begriffenen Staates geleistet haben. Leitsatz seiner ersten Vorlesung solle sein: Die Einheit der englischen Kirche, die in hohem Grade national war, zusammenfassend nach innen, abgrenzend nach aussen, war das Muster der Staatseinheit. Die Einheit der Kirche bestand schon, als die geteilte Nation noch unfähig war, eine politische Einheit zu schaffen. In der 2. Vorlesung solle es seine Aufgabe sein, den Ursprung des anscheinend unlösbaren Problems„Kirche und Staat“ darzulegen und in der 3. Stunde beabsichtige er, die Beziehungen der englischen Kirche zu dem westlichen Christentum zu schildern und insbesondere die der englischen Könige zum päpstlichen Stuhle.
I. Vorlesung. Mr. Marriott erklärte, er wolle auf die verschiedenen Theorien betreffs der Christianisierung Englands vor der teutonischen Invasion nicht eingehen, da man sich hier auf sehr unsicherem Boden bewege. Nur das eine dürfe man als sicher annehmen: England wurde im 2. Jahrhundert von Gallien aus durch Missionare mit dem Christentum bekannt gemacht. Ob das Christentum in den alten Briten tiefe Wurzeln gefasst habe oder nicht, möge dahin gestellt sein. Jedenfalls aber sei es von den Briten nicht auf die germanischen Eroberer übertragen worden. Dann behandelte der Redner die Christianisierung Südenglands(Kent) im 6. Jahrhundert: Der König von Kent war der erste, der sich mit etwa 1000 Personen seines Reiches von Augustin taufen liess. Der Plan für die Einrichtung und Verwaltung der englischen Kirche rührt von Papst Gregor her(2 Erzbischöfe, unter jedem 12 Bischöfe). Gregors System war gegründet auf die alte Einteilung Englands als römische Provinz. Von dem Charakter und dem Verfahren Gregors sprechend, sagte Mr. M., Gregor habe als vorsichtiger und duldsamer Mensch befohlen, die UÜberbleibsel der heidnischen Tempel zu schonen und das Volk Schritt für Schritt zu der Hôhe des Christentums hinaufzuführen. Der von Gregor zur Bekehrung der Angelsachsen gesandte Augustinus wurde als frommer und uneigennütziger Mann charakterisiert.
„Während so von Rom aus der Süden Englands für das Christentum gewonnen wurde“, erzählte der Vortragende,„arbeiteten keltische Missionare aus Irland im Norden des Landes. Zwischen beiden Richtungen entspann sich bald ein lebhafter Streit, besonders über Form und Stelle der Tonsur. Von dessen Ausgang hing es ab, ob England von der römischen Bildung ausgeschlossen, oder ob diese dem englischen Volke zuganglich gemacht würde. Dem Zwist machte die Synode von Whitby zu gunsten der rémischen Kirche ein Ende. Und hierin liegt die grosse Bedeutung dieser Synode. Durch sie wurde der englischen Kirche die Einheit gesichert, und sie bildete einen Wendepunkt in dem jungen nationalen Leben Englands. Mr. Marriott bezeichnete es als ein Glück, dass die römische Kirche den Sieg davontrug und zwar im Interesse der Entwicklung des englischen Staates.„Trotzdem die eingewanderten Germanen das Land schon etwa 200 Jahre besassen“, führte der Vortragende aus,„war es ihnen noch nicht gelungen, einen einheitlichen Staat zu schaffen. England war kein Staat, sondern eine Reihe von Staatengebilden, welche die Bevölkerung trennten, statt sie zu einen. Die keltische


