11
englische Volk zu einem einheitlichen Gebilde entwickelte, und 2zwar 3 Jahrhunderte früher als irgend ein anderes Volk in Europa, vor Augen geführt werden. Besonderes Interesse solle König Alfred und seiner Zeit gewidmet werden. Man wolle auch darthun, wie bei der Entwicklung Englands ein unpolitischer Faktor, die Kirche, die in England stets auf der Seite des Volkes und stets national gewesen sei, mitgewirkt habe. Auch beabsich- tige man, die ersten Stufen in der Entwicklung der englischen Verfassung darzulegen, sowie die verwickelten Grundlagen des englischen mittelalterlichen Landsystems. Mr. Marriott zählte dann die einzelnen Abschnitte der oben genannten Periode auf und charakterisierte sie kurz. Dabei wies er auf verschiedene, teilweise noch bestehende Probleme, besonders das der„Early English History“ hin und skizzierte die Lehre der namentlich durch Stubbs und Freeman vertretenen„Teutonic School“, ebenso wie die der keltisch-romanischen Schule. Schon ein Blick auf die Bezeichnungen der Vorlesungen und die Anordnung der letzteren zeigt, dass gründliche Arbeit geliefert werden sollte, dass man ein wohl abgerundetes Ganze geben wollte.
Mit Freuden sei anerkannt, dass die historischen Vorlesungen auch gründliche wissenschaftliche Arbeit boten. Nach Inhalt und Form dürfen sie als treffliche Leis tungen bezeichnet werden, die auch für den Kenner der englischen Geschichte von Interesse sein mussten.
Um das in jenen Kreisen scharf ausgeprägte Nationalgefühl zu kennzeichnen, möchte ich aus der im übrigen sehr gründlichen und anziehend vorgetragenen Vorlesung über„King Alfred as Warrior“ einiges mitteilen. Der Redner brachte in der Einleitung sein Thema in Verbindung mit dem Krieg in Süd-Afrika sowie mit der heutigen natio- nalen Frage Gross-Britanniens, der Schaffung eines„Greater Britain“.„Wir müssen die Kriege studieren wegen ihrer Lehren,“ sagte er.„Der Krieg hat heute ein schreckliches Aussehen gewonnen. Aber Kriege, in denen gekämpft wird für die Heimat, für das Vaterland und die Freiheit, für Weib und Kind, sind gerechtfertigt durch die Notwendig- keit. Wir füͤhren heute Krieg, um ein„Greater Britain“ zu schaffen, und da ist der Krieg besser als ein„fauler Friede.“ Dann wies Mr. Stride auf die Xhnlichkeiten hin zwischen dem südafrikanischen Krieg und den Kämpfen, die König Alfred einst mit den Danen auszufechten hatte, und rief aus:„Alfred war der fechtende Engländer, der erste der „Jingoes“. Diese wünschen nicht zu kämpfen, aber sie thun es willig in gefährlichen Lagen und kämpfen für die Wohlfahrt ihres Vaterlandes.“ Als der Vortragende später erzählte, wie Alfred sich der Dänen zu erwehren suchte durch Anlage von festen Plätzen, zu deren Belagerung der Feind seine Kräfte zersplittern musste, erklärte er, dieses System habe Lord Kitchener durch Anlage der Blockhäuser in Südafrika erneuert.—
Nun gehe ich über zu dem Versuche, einige Vorlesungen ausführlicher
wiederzugeben, um zu zeigen, welche Kost dem englischen Volke geboten wurde und was wir zu hören Gelegenheit hatten. Aus dem historischen Gebiete wähle ich aus- 1. Church and State(Mr. Marriott) und„Magna Carta“(Mr. Jenks).
1I. Church and State.
Das Thema wurde in 3 Stunden erörtert. Mr. Marriott sagte in seiner Ein- leitung, er wolle die Geschichte der englischen Kirche ausschliesslich in ihrer Verbindung


