Aufsatz 
Das Oxforder Summer Meeting von 1901 als Volksbildungsmittel und sein Wert für die deutschen Lehrer des Englischen / von J. Luley
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Io pflegung gut und für englische Verhältnisse durchaus preiswurdig(im Durchschnitt 35 sh. per Woche). Wir Fremden suchten zumeist in einem Boarding House unterzukommen. Solche gibt es erstens in Oxford nur in sehr geringer Zahl, und dann sind die vor- handenen zumeist in einem wichtigen Punkte verschieden von den Häusern dieser Art in London. In Oxford nimmt die Familie nicht teil an den Mahlzeiten, eine Sitte, die auf die studentischen Gepflogenheiten zuruckzufuhren ist. Da Engländer wenig Gebrauch von den Boarding Houses machten, waren die Ausländer meist unter sieh. in dem B. If., in dem ich nach langem Suchen Unterkunft fand, waren 1 Eng- länder, ein liebenswürdiger, gebildeter Herr, dem ich viel verdanke, 1 Dane, 1 Holländer, 1 französisch redender Schweizer und noch 2 Landsleute, von denen der eine 7 ½ Jahr in England zugebracht, der andere den Sommer-Term als Student in Oxford verweilt hatte. Beiden liebenswürdigen Herren bin ich grossen Dank schuldig. Nur wenige fanden Gelegenheit zu ausgiebiger Unterhaltung mit ihren Wohnungsgebern und Hausgenossen. Als es zu spät war, erfuhr ich, dass es in Oxford einzelne für uns geeignete Pensionen gibt. Ein gewöhnliches B. H. genügt uns nicht. Wir bedürfen einer gebildeten Familie, deren Glieder Lust haben, sich mit uns täglich mehrere Stunden abzugeben, die gebildet genug sind, die Unterhaltung nicht nur im Rahmen des engen Alltagslebens zu führen, sondern in Geschichte, Litteratur, Geographie, dem Staats- und Gemeindewesen Bescheid wissen. Die Mitglieder des Oxforder Sekretariats, Damen wie Herren, insbesondere der überaus rührige und allzeit liebenswürdige Mr. Marriott sind stets so entgegenkommend gewesen, dass ich nicht daran zweifle, sie werden dem oben erwähnten Missstand im Wohnungswesen abzuhelfen suchen, nachdem sie über unsere Bedürfnisse unterrichtet sind. Ich denke, wenn das Sekretariat bei Sammlung des Materials für die Wohnungs- liste anfragen lässt, ob ein wie oben gekennzeichneter Familienanschluss geboten werden kann, und wenn dies dann in einer Rubrik besonders vermerkt wird, dann wird ein wegen der Kürze des Aufenthaltes unverbesserlicher Fehlgriff kaum noch möglich sein.

Auch 4 Colleges, bezw. Halls hatten 1001 eine bestimmte Anzahl Plätze in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt. Soweit mir bekannt ist, hat es niemand bereut, sich den uns Deutschen etwas beengend erscheinenden Hausordnungen der Col- leges unterworfen zu haben. Dort herrschte ein lebhafter Verkehr unter den Insassen, meistens Angehõrige des englischen Volkes. Es wurden Diskussionsabende, eine in Eng- land beliebte Einrichtung, veranstaltet, die nach mir gewordenen Mitteilungen sich als sehr erspriesslich erwiesen. b

Nach dieser allgemeinen Uebersicht wende ich mich der Darstellung einzelner T'eile des Meetings zu und zwar so, dass ich die einzelnen Gruppen des Programmes kurz behandele, einzelnes aber ausführlich schildere, um meinen Lesern Gelegenheit zur Bildung eines eigenen Urteils über den Wert der Veranstaltung zu geben.

Den breitesten Raum in dem Lehrplan nahm die Geschichte ein. Die ihr gewidmeten 40 Vorlesungen hatten zur Aufgabe,the Making of England von den frühesten Zeiten bis zu dem Punkte zu behandeln, wo England eine nationale und po- litische Einheit geworden, in gewissem Sinne fertig war. Den Hörern sollte, wie Mr. Marriott in seiner Emleitungsvorlesung ausführte, dieses Werden, die Verschmelzung der verschiedenen Rassen, oder besser gesagt Bruchteile von Völkern, aus welchen sich das