thals über das Weſen der Volksdichtung(ſ. Ztſchr. f. Völkerpſychologie, VII, Seite 1—57) an jener Heldendichtung zu beweiſen geſucht. Das Ergebnis mußte ein negatives ſein(vgl. G. Paris, Romania XVI, 581 f. und F. Lot, Etudes déd. à Gabr. Monod 212). Denn wie es auch ſonſt um die Annahme eines„dichtenden Geſamtgeiſtes“, aus dem das Epos ſich inhaltlich und formell ergibt, ſtehen mag: am altfranzöſiſchen Epos läßt ſie ſich nicht zur Sicherheit er⸗ heben.„Nos poèmes ne sont que la féodalité en action.“(Gautier, Les ép. frangç. I, 144.) Das Epos läuft, wie bereits geſagt, als„politiſche Tendenzdichtung“(Wechſſler) der Entwicklung der lehnsritterlichen Geſellſchaft parallel und iſt, wie dieſe, in ſteigendem Grade von der Abneigung gegen die Arbeit und den wachſenden Reichtum der Bourgeoſie beherrſcht ¹).
Der ſoziale Unterſchied wird durch den Raſſegegenſatz noch verſchärft. Die im Blute liegende Feindſchaft zwiſchen den blonden Herrſchern und den ſchwarzhaarigen Beſiegten wirkt in Epos und Geſchichte. Blond ſein hieß adelig ſein. Von Hervis von Metz, der aus der Ehe zwiſchen einem(bürgerlichen)„provos“ dessverſchuldeten Herzogs Peter von Lothringen und deſſen Tochter entſproſſen iſt, und der kraft ſeines adeligen Blutes²) zum Leidweſen ſeines Vaters ſo gar nicht zum Kaufmann taugen mag, ſagt der Dichter empfehlend(Hervis, Anl. IX, 860):„Depar sa mere Aelis a chief blont; Mes li siens peres fu(est) vilains, ce dist on*³). Die blonde Adelsſchicht(Ritter und Geiſtlichkeit) aber regiert im Lande, bis der Umſturz kam. Die große franzöſiſche Revolution hatte eine ſo verheerende Wucht, weil in ihr das ſoziale und das Raſſemoment zuſammenwirkten. Unter dem Beil der Gutlllotine fiel ein Blondkopf nach dem andern. Die germaniſche Spitze, aber auch die ſtaatenbildende Kraft wurden abgeſtoßen.
Bereits Lambert von Ardres(Anf. des XlIll. J.) teilt die franzöſiſche Epik ein in: Chansons de gestes, Abenteuerromane und— contes pour les vilains. Schon das würde genügen, um die Bezeichnung„Volksepos“ gegenüber dem ſog.„Kunſtepos“ zum mindeſten als mißverſtändlich zu erkennen. Dazu kommt aber, daß„das Volk“ keine„interminables tirades qui nous endorment si facilement“(G. Paris, Romania, IV, 288) dichtet, und daß es ein Epos, dem das Leben der Armen in der Niederung ſo gar fremd iſt, nimmer ſchätzen konnte. Dem Volke ſang der„Bauernjongleur“, den die Sänger der Ritterepen gerade ſo verachten, wie die Feudalen den„vilain“ ¹), wohl auch von Ritterfahrten in fernen Landen(kluon de Bordeaux), Donquichotterien, wie Audigier, die als Verſpottungen des Rittertums dem demo⸗ kratiſchen Empfinden ſchmeichelten, und trug ihm vor allem das echtgalliſche zotige Fablel vor.
¹) Vgl. Falk, Antip. 4, 114; derſ. Etude soc. 24, 71 ff; Schneegans 61. Man warnt vor dem „vilain“, man verachtet ihn. Gir. de Rouſſ.§ 60; Escoufle 1628; Raoul 1414; Aiol 1956; Loh. I, 195. II, 109; III, 42, 51; Daurel 1419 ff.; Capet 41: II ont toutez nos terres et cant c'avons vallant; Car, si tost qu'il nous vont aucuns denierz prestant, Tantost va par usure le somme sy montant Que terrez et casti- auls nous font saisir errant. Que maudit soit de Dieu p'avoir dont il ont tant! Vgl. Aiol 2764 f. ꝛc.
²) Ueber die ſiegende Kraft und Bedeutung des(mütterlichen) Blutes ogl. das weiter unten über „Oheim und Neffe“ Geſagte. Ueber Vererbung von adeligen und„vilain“⸗Eigenſchaften ſ. Falk, Etude 97 ff., ogl. auch die Prüfung des Beto(Daurel 1419 ff.), ob er vielleicht„vilain“⸗Geſinnung habe; Loh. II, 218; Aiol 1582.
³) Aiol 908: Mais mout par a la chiere et bele et clere, Et bien resamble fiex de franche mere; Vgl. Hervis 6376, 6383, 6919, 8826.
*) Sax. I. 1: la nuls vilains jugleres de ceste ne se vant, Quar il n'an sauroit dire ne les vers ne le chant. ib. I, 3: Cil bastart jugleor qi vont par ces vilax A ces grosses vieles as depennes forriax, Chantent de Guiteclin si com par asenax.... Vgl. Cor. Looys, Ms. D. 15: Vilain jugleres, ne cuit que ja s'en vent; Destr. de Rome(Romania II, 6); Doon de Mayence 1; Berte aus gr. piés 1; Ogier 11850; Enf. Ogier 13; Raoul 6065; Foulque de Candie 52: Herbert le Duc, qui tient promesse à songe. En fist cest vers: encor en tient la longe, N'est pas vilains, qui l'entent ne desponge-


