Aufsatz 
Aufgabe, Stoff und Methode des Unterrichts in der Elektrizitätslehre / Georg Heußel
Entstehung
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27 Galvanometers mißt und dieſes Inſtrument nach Coulomb eicht. Daß der Stoßausſchlag eines un⸗ gedämpften Galvanometers unter gewiſſen Vorausſetzungen dem Integral i dt, alſo der hindurch⸗ gefloſſenen Elektrizitätsmenge, proportional iſt, läßt ſich mathematiſch ſehr ſchön nachweiſen ¹), Pohl führt jedoch dieſen Nachweis rein experimentell. Dann erfolgt in ganz genialer Weiſe der Anſchluß an das internationale Maßſyſtem. Durch Spannungsteilung und Einſchalten eines Leiters von großem Widerſtande wird ein Strom von ganz beſtimmter Stärke hergeſtellt, in den Stromkreis kommt außer dem Galvanometer eine Stoppuhr, die während der Laufzeit ihres Zeigers den Strom ſchließt, damit werden beide Faktoren des Produktes i. t. bekannt, und das Inſtrument läßt ſich nach Ampére⸗ ſekunden(= Coulomb) eichen.

Ich will nicht näher auf den Inhalt des Pohlſchen Buches eingehen, ich tue das ſchon aus dem Grunde, weil ich keinem der Leſer jener vortrefflichen Darſtellung etwas vorausnehmen möchte. Das Buch zwingt jeden Schulphyſiker unbedingt in ſeinen Bann, man fühlt nicht nur den glän⸗ zenden Experimentator heraus, ſondern auch den vortrefflichen Pädagogen, der berufen erſcheint, auch dem Schulunterricht neue Wege zu weiſen. Die Einführung der von Pohl angegebenen Ver⸗ ſuche in die Schule iſt mit eine Frage der Apparatur. Als ſtatiſcher Spannungsmeſſer genügt häufig das Einblattelektrometer ²), oft ſind gerade die billigſten, wie das von Noack für Schülerübungen konſtruierte, am empfindlichſten. Sehr brauchbar iſt das von Wulff angegebene, bei dem das untere Ende des Blättchens an einem Quarzfaden befeſtigt iſt. Ein ganz vorzügliches Inſtrument, das gegen das Quadrantenelektrometer den Vorteil der augenblicklichen Einſtellung hat, iſt das Zwei⸗ fadenelektrometer*)(Abb. 1), es iſt für Projektion eingerichtet, die beiden Wollaſtonfäden geben ſchon bei einer Spannung von 220 Volt einen Ausſchlag über die halbe Skala. Unbedingt erfor⸗ derlich iſt ein hochempfindliches Galvanometer das auch für balliſtiſche Meſſungen brauchbar iſt. Als empfindlichſtes kommt das Drehſpiegel⸗Galvanometer Nr. 159 von Hartmann und Braun in Betracht(Abb. 2); es liefert beim Hindurchfließen einer Elektrizitätsmenge von 8. 10 10 Ampére⸗ ſekunden einen Stoßausſchlag von beinahe 2 mm bei m Skalenbeſtand. 8. 10 ¹0 Coulomb iſt etwa die geringe Ladung, die eine Scheibe von der Größe einer Handfläche bei Berührung mit der 220 Voltleitung aufnimmt. Für viele Verſuche genügt auch das in vielen Schulen vorhandene Schulgalvanometer Nr. 591 gleicher Herkunft.(Abb. 3).[Die Entladung des von Pohl gebrauchten Plattenkondenſators(Abb. 4) mit einer Maximalkapazität von 2. 10¹0 Farad bibt bei einer Spannung von 220 Volt einen Ausſchlag von etwa 1 mm bei lm Skalenabſtand.] Zu den Meß⸗ inſtrumenten für Volt und Ampoére gehört als Zeitmeſſer eine Stoppuhr, die nach 50tel Sekunden eingeteilt iſt(Abb. 5). Sie iſt ſo eingerichtet, daß beim erſten Druck der Zeiger losgelaſſen und gleich⸗ zeitig der Strom geſchloſſen wird, der zweite Druck hält den Zeiger ein und öffnet den Strom, der dritte Druck läßt den Zeiger auf Null zurückſpringen. Die Anſchaffung der Uhr wird kein Lehrer bereuen, da ſie auch in der Mechanik ganz vorzügliche Dienſte leiſtet.

Der Pohlſche Lehrgang, der ſich eng an die zweiſemeſtriſche Vorleſung des Verfaſſers an⸗ ſchließt, bedarf einer gründlichen Sichtung und Durcharbeitung, wenn er für die Schule nutzbar ge⸗ macht werden ſoll. Eine Methodik, die für Studenten die gegebene ſein mag, eignet ſich noch lange nicht für Schüler. Wir werden ſchwierige Teile ganz weglaſſen, andere weiter ausbauen müſſen, um ſie dem Schüler nahe zu bringen. Vor allem aber werden wir Analogien aus andern Gebieten der Phyſik zur Einführung der elektriſchen Grundbegriffe heranziehen. Dafür eignen ſich am beſten Vergleiche aus der Mechanik der Flüſſigkeiten und Gaſe. Ich möchte darum empfehlen, zu⸗ nächſt nur einen Pol der elektriſchen Zentrale und zwar den ſtromführenden auf den Experimentiertiſch

¹) vgl. z. B. Kohlrauſch: Lehrbuch der praktiſchen Phyſik. ¹) Elektroſkope mit nicht leitender Hülle, ſogenannte Flaſchenelektroſkope gehören verboten. ¹) Fabrikanten: Spindler& Hoyer in Göttingen.