zu führen und zu zeigen, daß unter dem Einfluß der Spannung eine Strom entſteht, wenn den Elek⸗ tronen der Weg nach der Erde freigegeben wird. Dann macht auch die Einführung des Begriffs „Menge der elektriſchen Subſtanz“ kaum noch Schwierigkeit. Ich halte folgendes Beiſpiel aus der Hydromechanik für zweckmäßig: Es ſoll die Waſſermenge beſtimmt werden, die ein Laufbrunnen an einem Tage liefert. Wir ſtellen einen Eimer unter, meſſen ſeinen Inhalt nach Litern, die Zeit, die er zum Vollwerden braucht, nach Sekunden, berechnen die Waſſermenge in der Zeiteinheit, defi⸗ nieren ſie als Stromſtärke und erhalten die Gleichung
Menge
Zeit und berechnen dann umgekehrt die Tagesmenge nach der Gleichung: Menge= Stromſtärke Zeit.
Auf Grund dieſer Gleichung kann ſich der Schüler unter der Einheit Amporeſekunde viel eher etwas vorſtellen als unter der elektroſtatiſchen Einheit. Auch für elektroſtatiſche Schülerübungen iſt die Zentrale als Stromquelle vorzüglich geeignet, da man ſtets eine konſtante Spannung hat, deren Größe man kennt, während man bei der„Reibungselektrizität“ vollkommen im Dunkeln tappt.
Nach dieſen wenigen Bemerkungen glaube ich, da das Buch von Pohl nun einmal da iſt, alles weitere meinen Fachkollegen überlaſſen zu können.
Nach einer Mitteilung von Hahn ¹) iſt auf einer der letzten Tagungen des deutſchen Vereins zur Förderung des mathematiſchen und naturwiſſenſchaftlichen Unterrichts von einem hervorragenden Univerſitätsprofeſſor mit Nachdruck betont worden,„daß die Schule ihre Aufgabe im Gebiet der Elek⸗ trizität erfüllt habe, wenn ſie dem Schüler eine Einſicht in die Bedeutung des abſoluten Maßſyſtems für das Begriffsſyſtem der Phyſik gegeben habe.“ Ich fürchte, wenn ſich die Schule eine derartige enge Zielſetzung auch nur im entfernteſten zu eigen macht, wird ſie dem Schickſal nicht entgehen, das einſt das Ende des althumaniſtiſchen Schulbetriebs herbeiführte. Vor dieſem Schickſal könnte ſie auch unſer heutiges Berechtigungsweſen nicht bewahren. Es iſt ein hartes Urteil, das Paulſen über die althumaniſtiſchen Schulen fällt:„Was ſie trieben, galt in der Welt draußen nicht mehr; was draußen galt, trieben ſie noch kaum“. Damals um 1740 war die höhere Schule vollſtändig auf dem toten Punkt angekommen, eben weil ſie in allzu zähem Feſthalten am Althergebrachten die Füh⸗ lung mit ihrer Zeit verloren hatte. Möge der phyſikaliſche Unterricht unſerer Tage nicht in denſelben Fehler verfallen.
Stromſtärke=
*) vgl. Hahn: Methodik des phyſikaliſchen Unterrichts(Quelle&8 Meyer in Leipzig) S. 505.


