seinem Hofe zu erscheinen, so muss er Folge leisten. Dem Geladenen wird Schutz gewährt¹). Der Herr beruft seine Mannen, um bei festlichen Gelegenheiten den Glanz und die Macht seines Hauses zu zeigen. Als Lutice ihrem Vater verkündet, dass die Hochzeit stattfinden soll, entbietet dieser seine Ritter ²). Vor allem aber müssen die letzteren dem Rufe des Herrn Folge leisten, wenn er ihre Hilfe bei einer Fehde nötig hat(cf. II 1).—
3. Die Glieder der maisnie werden durch die Treue zusammengehalten, die sie ihrem Herrn schulden: Ne li fauront por chose i soit née.(V. 1810). Eine vielleicht zu poetische Schilderung diesés Treuverhältnisses giebt Gautier (p. 73 ff.), der ganz besonders auf Raoul de Cambrai hin- weist. Bernier ist ihm der typische Vertreter der Mannen- treue. Obwohl es diesen mit Trauer erfüllt, das Land seines Vaters durch Raoul verwüstet zu sehen, folgt er letzterem trotzdem ³). Er will seinem Herrn dienen⁴), obgleich ihm seine Mutter die Aussicht eröffnet, dass er selbst einst Erbe seines Vaters werden könne?). Trotz alledem dürfen wir nicht verkennen, wie fest zu der Zeit, da unser Epos ent- stand, noch die Sippe zusammenhält(s. Flach II p. 445). Die Verwandten übernehmen es, die einem der Thrigen zu- gefügte Ubelthat zu rächen; vor Gericht haftet die Familie für ihre Glieder, für deren Handlungen sie verantwortlich ist. Nur so ist es zu verstehen, wenn Gauteles den Guerri, der den Burgfrieden des Königs brechen will, warnt, eine That zu begehen, für die sein ganzes Geschlecht getadelt
¹)„S'uns gentils hom mande autre por servir, Ne le doit pas ver- gonder ne honnir.“ 4887.— ²) Oit le G., n'i ot q'esleecier. Lors a mandé maint vaillant chevalier, Qi de lui tienent tuit viegnent sans targier. 6031. ³) Et B. fu mornes et pensis; Qant vit la terre son pere et ces amis. Ensi ardoir, por poi n'enraige vis. 1224.— ⁴)„Il est mesires, chevals me done et dras, Et garnemens et pailes de Baudas: Ne li fauroie por l'onnor de Damas.“ 1382.— ⁵)„Mais une chose nel me celer tu pas: L'onnor ton pere, por quoi gueroieras? N'i a plus d'oirs, ja ne le perderas; Par ta proesce et par ton cens l'aras.“ 1375.


