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3. Als Zeichen seiner Würde trägt König Ludwig auf dem Haupte die Krone¹), in der Hand das Scepter²); beim Empfang der Grossen sitzt er auf dem„Jaudestuef“ ³).
4. Wie tief auch immer die Macht der Karolinger nach dem Tode Karls des Grossen sank, die letzten Könige dieses Geschlechts haben immer darnach gestrebt, ihrer Krone den alten Glanz wieder zu gewinnen. Bisweilen schienen sie am Ziele ihres Strebens angelangt zu sein und die alte Machtfülle erreicht zu haben, dann wieder wurden sie durch die Ereignisse tiefer gestürzt als je, so dass es eine Zeit gab, zu der Ludwig IV., in dessen Leben dieser Wechsel scharf hervortritt, sogar nur über einige Dörfer im Gebiet der Aisne und Oise herrschte(Flach I, p. 150). Diese Verhältnisse spiegeln sich im ersten Teile unseres Gedichts wieder.
König Ludwigs Macht erscheint sehr gering, er ist von seinen Baronen abhängig. Will einer von diesen etwas thun, so kann ihn auch der König nicht daran hindern ¹⁴). Er bereut es, Cambrai dem Gibouin verliehen zu haben, kann aber die Verleihung nicht rückgängig machen, denn: li baron le loerent ensi. 651. Des Königs Befehle werden von den Grossen kaum beachtet. Der Burgfrieden, den der
¹) Li rois meismes jura par sa couronne, Qe ja par home n'i perdra une poume. 793. s. auch 8217.— ²) Li rois de France fu drois en son estant, Tint.j. baston qu'il aloit pasmoiant. 6829.— Die karolingi- schen Könige trugen einen einfachen Stab als Symbol ihrer Gerichts- gewalt(s. Brunner II p. 17). Wir haben in unserem Texte unter baston wohl„einen schön geschmückten, reich verzierten Stab, eine Art Scepter“ zu verstehen(s. Haase p. 18.) Die Bezeichnung sceptre begegnet z. B. Oxf. Rol. 2585.— ³) Li baron vinrent a la cort a Paris, A pié descen- dent par desoz les olis; El palais montent, ja iert li rois requis. Loeys truevent el faudestuef asis. Li rois regarde, vit venir les marchis. 826. 4) Y. l'oi, le sens quida changier; Ses homes mande et si les fait rangier. Le signor jure qi tout a a baillier, Se B. voit morir ne trebuchier, Gautier fera laidement airier; Ne le garra tos l'or de Monpeslier, Ne Loeys di France a a baillier. 5105.


