Aufsatz 
Einige Beiträge zur Geschichte des academischen Pädagogs zu Giessen / Eduard Geist
Entstehung
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. 12 daß aber das bisherige Pädagog zur Wohnung für mehrere Lehrer der neu organiſirten Schule eingerichtet werden ſolle. Hierauf erhielten Tonſor und Mentzer von dem Landgrafen den Befehl, einen Plan für die Organiſation der neuen Schule vorzulegen. Dieß thaten ſie auch in einem noch vorhandenen umſtändlichen Berichte, und ihre Vor⸗ ſchläge wurden genehmigt. Allein die Ausführung derſelben ſtieß auf große Schwierigkeiten. Schon im erſten Jahre, wo die neue Einrichtung ins Leben treten ſollte, 1627, führten die Aufſeher und Lehrer der neuen Schule gemein⸗ ſchaftlich Klage,die Schule werde nicht fürſtlicher Fundation gemäß in ein corpus und unter ein Dach gebracht; denn der Rath habe die Stadtſchule noch nicht ſo erweitern und zurichten laſſen, daß die vormaligen paedagogici (noch 60 an der Zahl) und die bisherigen Stadtſchüler(die auch 159 ausmachten) in drei räumlichen Stuben darin

beiſammen ſein könnten, wie doch feſtgeſetzt und von dem Rath ſelbſt bewilligt worden ſei. Daher ſei man noch

immer genöthigt, die vormaligen paedagogicos allein im Paedagogio und die Stadtſchüler in der Stadtſchule zu unterrichten; überdas ſagten die vormaligen pPaedagogici öffentlich, ſie wollten lieber die hieſige Schule ganz verlaſſen und ſich ſogleich in das Marburger Pädagog begeben, das ſie doch noch eine Zeitlang frequentiren müßten, als ſich in die Schützenſchule ſtecken laſſen; der Stadtrath weigere ſich gegen die übernommene Verbindlichkeit, das Pädagog für den Rector und Conrector einrichten zu laſſen, ſo daß dieſe der ihnen nach der Fundation gebührenden freien Wohnung entbehren müßten; auch habe derſelbe wider den klaren Buchſtaben der Fundation die verſprochenen Wieſen⸗ und Gartenſtücke zurückbehalten, und wolle ſich überhaupt der obern Schule nicht annehmen, auch den examinihus, ob man gleich immer einige aus ſeiner Mitte dazu invitirt, nicht beiwohnen, um nur das gewöhnliche accidens nicht zu zahlen; auch falle weder Holz noch Geldbeſoldung, und es hätte bei dem Holzmangel während des Winters die Schule ausgeſetzt werden müſſen, welches auch die Urſache ſei, daß ſich ſogleich nach dem erſten Halbjahre über 30 Schüler wegbegeben und nur noch 30 übrig ſeien. Die Aufſeher fügten noch hinzu, daß wegen Trennung des Locals ſich der Rector und Conrector um die Stadtſchule gar nicht kümmerten und die Laſt derſelben allein auf den zwei unterſten Lehrern liege. Hierauf ergieng von Seiten des Landgrafen an den Stadtrath Befehl, den Bau zu beſchleunigen, an den Oberforſtmeiſter, das nöthige Holz zu ſtellen, und an den Oeconomus und die Kaſtenmeiſter, das rückſtändige Geld zu zahlen. Allein dieß brachte nur Entſchuldigungen und neue Klagen hervor. Der Stadtrath ſtellte weitläuftig vor, daß er das Verſprechen, den Pädagogbau zu einer bequemen Wohnung für die Lehrer einzu⸗ richten, nicht halten könne, theils weil die von dem Fürſten aus den Kirchenkaſten der erſten Superintendentur dazu bewilligten 100 Thaler wegen Armuth derſelben nicht eingegangen wären, auch dieſe Summe nebſt den verſprochenen 50 Frohnfuhren ein zu geringer Beitrag für den ſehr koſtſpieligen Bau wäre; theils weil die Stadt, wenn ſie ſolchen Bau über ſich genommen, ſich dadurch eine ewige Servitut zuziehen würde, ihn jährlich in Bau und Beſſerung zu erhalten, wozu ihre Einkünfte nicht ausreichten; doch verſprachen ſie, in ihrem alten Schullocal noch einige Lehrzimmer einzurichten, und verſicherten, daß dieß ſchon geſchehen ſein würde, wenn der Rector zugelaſſen häute, daß die kleinen Knaben aus der Stadtſchule zu den übrigen im Pädagog geſtoßen würden; auch beſchwerten ſie ſich, daß der Rector und Conrector ſich weigerten, in der Kirche zu figuriren, vor den Pult zu treten und den Geſang zu leiten.

Darauf errichteten ſie auch wirklich eine neue Stube in dem Schulgebäude, die aber ſo niedrig war, daß kein Erwachſener aufrecht darin ſtehen konnte, und ſo eng, daß es unmöglich war, ſie zu durchſchlagen, was doch für den Unterricht der verſchiedenen Claſſen als durchaus nothwendig erſchien; zur Einrichtung des Päͤdagoggebaͤudes aber für Wohnungen der Lehrer wurden gar keine Anſtalten gemacht. Der Landgraf ernannte hierauf eine Eommiſſion, beſtehend aus dem Stadthaupt⸗ und Amtmann Obriſtlieutenant von Buſeck, dem Rath bei der Kanzlei Dieterich und⸗ dem Rentmeiſter Stipp, um mit dem Rath in neue Unterhandlungen zu treten. Dieſer machte ſich hierauf verbindlich, das Padagoggebäude, wenn der Fürſt 200 Thaler und die nöthigen Dienſtfuhren bewilligte, zur Wohnung für zwei Lehrer und außerdem für zwei Schulzimmer einzurichten. Dieß bewilligte der Landgraf am Ende des Jahres 1628. Nun ſchienen alle Schwierigkeiten gehoben zu ſein. Allein der Winter verhinderte das augenblickliche Beginnen des Baues, und nach gehaltenem Frühlingsexamen lautete der Bericht der Inſpectoren über die Schule ſehr ungünſtig. Die Schüler der obern Claſſen, die ehemaligen paedagogici, hatten ſich bis auf 11 verloren, die Lehrer thaten ihr