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Disputationen gehalten; der Pädagogiarch Scheibler allein ſchrieb in 14 Jahren 300 philoſophiſche Diſſertationen. Faſt wöchentlich fanden öffentliche Redeübungen mit den Studioſen Statt; die Reden wurden meiſt gedruckt und haben ſich theilweiſe erhalten. Taubmann zu Wittenberg ſchrieb damals an Bachmann: Deum immortalem! ut studia vestra calent! Die Anzahl der Studenten belief ſich nach einer wohl etwas zu hohen Angabe auf ungefähr 1000; darunter waren Schweden, Dänen, Franzoſen, Oeſtreicher, Böhmen, Sachſen, Schleſier, Holſteiner, Pommern, Frießländer, Thüringer, Franken, Weſtphalen u. A. Es iſt aus dieſer Zeit noch eine im Jahr 1611 von einem Studenten Johann Peter Auchter aus Pforzheim in franzöſiſcher Sprache öffentlich gehaltene Lobrede auf Gießen vorhanden, unter dem Titel: harangue francoise de la louange, fondation et situation de la trés célébre academie de Giesse et des professeurs et exercices divers, qui sont en icelle. Darin findet ſich manche intereſſante Notiz; z. B. über den Weinbau in den Umgebungen von Gießen, in welcher Beziehung es heißt: Si vous desirés du vin és environs de ceite ville, promenés vous, vous verrés les montagnes remplies de vignes, et sil n'y arrive quelque gelée qui les peut perdre, vous verrés les belles grappes de raisins, qu'elles apportent, goustés de leurs savoureuses liqueurs, et alors vous dirés, qu'en notre Giesse y a presque d'aussi bon vin, quwen Franconie et sur le Rhin. Ferner heißt es in Bezug auf die Lahn: enquérés vous de Peau, je luy donneray bien cette louange, que peut estre elle peut entrer en lice avec la fecondité du Nil, si vous considérés toutes sortes de bon poisson quil y a:; et diray aussi, qu'elle ne doit ni ne peut bas de beaucoup estre posposée à Peau de ces baings, dont la république de Wisbade fait tant d'estat, si on veut recommender la force médecinale de nostre riviére du Lan: car elle est de telle nature, que si on s'est lavé par plusieurs et diverses fois, incontinent elle rejette et guérit touts maux que lon pourroit avoir sur les corps. 4
Inm Jahr 1609 war Georg, Herzog zu Schleswig und Holſtein, und im folgenden Jahre deſſen Bruder Ernſt rector magniſicentissimus. Die unter dieſen Rectoraten, beſonders unter dem erſten, gehaltenen Reden, darauf bezüglichen Gedichte u. ſ. w. erſchienen 1610 gedruckt. Im Jahr 1609 ſchenkte der Landgraf der Univerſität auch den botaniſchen Garten, zu deſſen Aufſeher Ludwig Jungermann aus Leipzig mit einem Gehalte von 50 Thalern beſtellt wurde. 1613 begaben ſich einige Profeſſoren wegen der zu Gießen herrſchenden Peſt nach Butzbach. 1614 ließ Chriſtoph Helpicus ſeine Zuhörer in hebraiſcher Sprache öffentlich disputiren, was mit vieler Gewandheit geſchah. Zu derſelben Zeit disputirte Joh. Steuber griechiſch und hebräiſch. 1615 hielt Dr. Kitzel eine noch vorhandene Rede in memoriam fundatae ante decennium scholae Gissensis, in welcher die Verhältiſſe und Vorzüge der Univerſität ſehr weitläuftig auseinander geſetzt werden. 1619 entſtand der bekannte Streit zwiſchen Winckelmann und Mentzer über die Ubiquitätslehre, welcher den Tübinger Theologen zur Entſcheidung vorgelegt wurde. Daraus entwickelte ſich aber bekanntlich eine neue weitläuftige Fehde zwiſchen den Gießer und Tübinger Theologen, welche endlich 1624 von der Wittenberger theologiſchen Facultät zu Gunſten der erſtern entſchieden wurde.
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Nachdem im Jahr 1624 das kaiſerliche Urtheil erfolgt war, wodurch Heſſen⸗Darmſtadt die ganze Verlaſſenſchaft Ludwigs des ältern, mithin auch die Stadt Marburg und die Hälfte der daſigen Univerſität zugeſprochen wurde, und dieſes Urtheil mit Hülfe kaiſerlicher Truppen vollſtreckt worden war, ſo wurde am 25. Mai 1625 die Gießer Univerſität nach Marburg verlegt. Die nähern Umſtände hiervon, ſowie die Geſchichte der Univerſität und des Pädagogs zu Marburg in der nächſten Folgezeit übergehe ich. Kurz nach der Verlegung am 26. Juli 1626 ſtarb der Landgraf Ludwig V, ihm folgte ſein Sohn Georg II. Dieſer nahm, wenn er ſich zu Gießen aufhielt, ſeine Reſidenz in dem jetzt leer ſtehenden Colleggebäude. Bei einer dieſer Anweſenheiten begab es ſich, daß ein von verbor⸗ genem Feuer beſchädigter Balken, worauf der Landgraf mit ſeiner Gemahlin und noch vier andern Perſonen ſtand, zerbrach, und ſie ſämmtlich mit demſelben in das untere Stockwerk hinabſtürzten, wobei jedoch niemand Schaden nahm.
Ein anderes der Univerſität gehöriges Gebäude, das Ballhaus im Burggarten, welches übrigens wenig zu ſeinem eigentlichen Zwecke gebraucht worden zu ſein ſcheint, da ſich kein Ballmeiſter lange hier halten konnte,„auch die


